Amundsen-Jubiläum Hunderte feiern Party am Südpol

Eine Statue aus Eis für Norwegens berühmtesten Pionier: Mit einer Gedenkfeier wurde Roald Amundsen geehrt, der vor genau 100 Jahren als erster Mensch den Südpol erreichte. Einige der Partygäste kamen auf Skiern - doch nicht alle waren pünktlich.

AFP/NORWEGIAN PRIME MINISTRY

Diesmal waren die Norweger zu spät dran. Vier Abenteurer, die erstmals Roald Amundsens exakte Route zum Südpol wiederholen wollten, waren am Montag noch 80 Kilometer von ihrem Ziel entfernt, als sie ihr Camp aufschlugen. Das anhaltend schlechte Wetter hatte den Plan der Gruppe um den Langlauf-Olympiasieger Vegard Ulvang durchkreuzt. Es war nun unmöglich, auf Skiern pünktlich zur Jubiläumsfeier am Mittwoch anzukommen.

Einer der Expeditionsteilnehmer war Jan-Gunnar Winther, Chef des norwegischen Polarinstituts. Er sollte eine Rede bei der Feier zu Ehren von Südpol-Eroberer Roald Amundsen halten, deshalb beschloss er, sich die letzten Kilometer fliegen zu lassen. Ulvang und ein Begleiter dagegen liefen weiter, zumindest sie wollten die komplette Tour auf Skiern schaffen.

Vor genau 100 Jahren hatte der Norweger Amundsen nicht die Möglichkeit, sich per Satellitentelefon ein Flugzeug zum Pol zu bestellen. Mit Schlittenhunden und auf Skiern erreichte er mit seinen vier Mitstreitern als erster Mensch den Südpol, 55 Tage waren sie auf dem Eis unterwegs. Dabei gewann Amundsen mit seinen Männern einen Wettlauf gegen die Expedition des Briten Robert F. Scott. Der Marineoffizier erreichte das Ziel fünf Wochen später und starb mit vier Weggefährten auf dem Rückweg, nur 18 Kilometer vom rettenden Depot entfernt.

Staatschef als Ehrengast

Zum Jubiläum am Mittwoch kam es zu einem einmaligen Menschenauflauf am Südpol: Hunderte Menschen versammelten sich bei einer Temperatur von minus 40 Grad, um den Jahrestag von Amundsens Jahrhundert-Expedition zu feiern. Ehrengast war der eigens eingeflogene norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg. Er ist erst der zweite Regierungsschef am Südpol nach der neuseeländischen Premierministerin Helen Clark, die 2007 hier war.

Stoltenberg gönnte sich bei der Gelegenheit eine Mini-Skiexpedition und bewältigte die letzten fünf Kilometer zum Pol mit drei Landsleuten. Dort erwartete die Skandinavier nicht das eisige Nichts wie ihre Vorgänger vor hundert Jahren, sondern die gut ausgebaute US-Polarstation "Amundsen-Scott". Zur Amundsen-Party versammelten sich über 200 Arbeiter von der Station, TV-Teams, Polarfahrer, Regierungsvertreter sowie einige Touristen.

Bei der Feier sagte Stoltenberg: "Wir sind hier, um eine der allergrößten Taten der Menschheit zu feiern." Jetzt sei es wichtig, ähnliche Großtaten bei der Bewältigung der Klimaprobleme zu vollbringen. Vor der US-Station wurde eine Amundsen-Büste aus Eis enthüllt.

Ziel oder Fiasko

Der Polarinstitutschef Winther wandte sich bei seiner Gedenkrede der Skulptur zu: "Du hast dich in ein total unbekanntes Terrain gewagt und dabei einen unmenschlichen Druck auf deine Schultern geladen: Ziel oder Fiasko", sagte er.

Vermutlich dachte er bei diesen Worten an seine eigene Anreise. Auch weitere Teilnehmer von insgesamt knapp 20 Jubiläums-Expeditionen stiegen für die letzten Kilometer auf ein Flugzeug um. Sie hatten sich verrechnet, in heftigem Wind und Schneetreiben kamen sie langsamer voran als erhofft.

Besser hätten sie kaum belegen können, wie groß die Leistung der Pioniere von damals war. Denn auch 100 Jahre später, in Zeiten von GPS-Navigation und Hightech-Klamotten, lässt sich keine Antarktis-Expedition perfekt planen.



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