Neuer Luxuszug in Peru Mit Barkeeper durch die Anden

Es ist eine der höchstgelegenen Zugstrecken der Welt: Seit vergangenem Sommer fährt der neue "Andean Explorer" durch die peruanischen Anden - und an den besten Sehenswürdigkeiten vorbei.

Bernhard Krieger / TMN

Die Gäste an Bord des "Andean Explorer" scheinen nicht so ganz ins Bild zu passen: Mit Wanderschuhen und Fleece-Pullovern sitzen sie im Barwaggon des Luxuszuges, im Hintergrund klimpert ein Pianospieler Jazz-Klassiker. Hinter dem Tresen mixt der Barkeeper Pisco Sour - das peruanische Nationalgetränk - und reicht es den Gästen in perfekter Kellnermanier.

Der Drink ist köstlich, hat es aber in sich. "Vor allem in der ersten Nacht sollte man es bei einem belassen und lieber viel Wasser trinken", sagt der Barkeeper. Denn die Zugstrecke ist eine der höchstgelegenen der Welt: Seit Sommer 2017 fährt der Luxuszug von Cusco über Puno bis nach Arequipa und überwindet dabei bis zu 4500 Meter hohe Pässe.

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"Andean Explorer": Rollendes Luxushotel

Die erste Nacht im Zug kann für Nicht-Akklimatisierte zur Herausforderung werden. Je höher sich der Zug hinaufschraubt, desto dünner wird die Luft. So manchem pocht der Schädel, viele werden kurzatmig - an Schlaf ist nicht zu denken. Dabei liegt man bequem, vor allem in den acht Suiten des Zugs, die mit den riesigen Doppelbetten an James Bond-Filme erinnern.

Bei Atemlosigkeit hilft ein erfrischender Zug aus der kleinen Sauerstoffflasche am Bettende, bei ernsteren Symptomen eine Krankenschwester an Bord. Die Peruaner kauen gegen Höhenkrankheit gerne Koka-Blätter oder trinken Koka-Tee, was die Sauerstoffaufnahme verbessern soll.

Dramaturgische Planung

Doch das beste Rezept gegen Höhenkrankheit lautet immer noch: langsam machen. Und so windet sich der "Andean Explorer" mit maximal 48 km/h durch die filmreife Landschaft. Zwei Tage dauert die Fahrt, rund 3500 Euro zahlt man für eine Kabine mit Doppelbett.

DPA

Wer seine Reise dramaturgisch plant, fährt in umgekehrter Richtung und startet in Arequipa. Denn es gibt kaum ein beeindruckenderes Finale als Cusco mit dem Weltwunder Machu Picchu.

Nach der ersten Nacht stoppt der "Andean Explorer" in Puno am Titicacasee. Für einige ist der größte See Südamerikas ein Höhepunkt der rund 550 Kilometer langen Zugreise, für andere schlicht eine riesige Wasserfläche auf einer unspektakulären Hochebene. Puno liegt zwar auf 3827 Metern, dramatische Berge aber sucht man am Titicacasee vergeblich. Die schneebedeckten Sechstausender verstecken sich meist weit hinter dem Horizont.

Auf dem See gehört ein Besuch auf der Isla Tacquile ("Insel der strickenden Männer") ebenso zum touristischen Standardprogramm wie der Abstecher zu den Uros. Die einst vor den Inkas auf den See hinaus geflüchteten Ureinwohner leben noch heute auf den schwimmenden Inseln. Diese peruanische Version des Hausboots besteht aus dickem Schilf, das die Uros geschickt zu stabilen Flächen zusammenschnüren. Auf einer Insel finden Familien und sogar ganze Dörfer Platz.

Sicherheitsleute auf Schienenfahrzeugen

Vom Titicacasee rollt der Zug dann quer durch Puno, wo die Gleise zum Teil mitten über Straßen führen. Zwischen den Häusern und den Waggons sind oft nur ein paar Zentimeter Platz.

Auch wenn das Auswärtige Amt wegen möglicher Überfalle in Peru zu Vorsicht rät, fühlen sich die Gäste an Bord sicher. "Ich mache mir keine Sorgen, amerikanische Großstädte sind gefährlicher", meint eine Touristin aus Chicago.

Der "Andean Explorer" geht dennoch kein Risiko ein. "Vor und hinter dem Zug fahren Sicherheitsleute mit speziellen Schienenfahrzeugen", sagt Zugchef Arnaldo Ponce de Leon de la Cruz. Die meiste Zeit rollt die Bahn ohnehin durch menschenleere Landschaften. Vor allem die von Gräsern überzogenen Hochebenen sind beeindruckend. Dort strahlt der tiefblaue Zug mit dem weißen Dach um die Wette mit dem blauen, von Quellwolken durchzogenen Himmel.

Nach einem kurzen Ausflug zu den 700 Jahre alten Tempelruinen der Vor-Inkazeit in Raqchi durchquert der Zug das Urubambatal nach Cusco mit seinen kolonialen Palästen, Kirchen und Klöstern.

Viele Passagiere des "Andean Explorer" steigen nach einer Nacht im Hotel gleich wieder in den nächsten Zug. Um nach Machu Picchu zu gelangen, gibt es zwei schöne Wege: eine mehrtägige Wanderung durch das Valle Sagrado über den Inka-Trail oder den "Hiram Bingham": Der Luxuszug mit Gourmet-Restaurant und Bar an Bord bringt seine Gäste bequem von Cusco zu der 1911 von dem Forscher Hiram Bingham entdeckten Inka-Festung.

Andere Besucher warten Stunden auf Busse, die sie vom Bahnhof im kleinen Ort Aguas Caliente hinauf zur Festung oder zurück bringen. Die "Hiram-Bingham"-Gäste dagegen werden von ihren Reiseführern an den Schlangen vorbeigeschleust, um mehr Zeit in der terrassenförmig angelegten Inka-Stadt verbringen zu können. Der Blick über die Ruinen am Fuße des kegelförmig in den Himmel ragenden Huayna Picchu ist zweifelsohne der Höhepunkt einer atemberaubenden Zugreise durch die Anden.

Bernhard Krieger, dpa/kry

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Seite 1
jan.kuester24 14.02.2018
1.
Luxuszugreisen boomen, genau wie Kreuzfahrten. Der Weg ist das Ziel. Die Langsamkeit ist vielen wichtiger geworden um aus dem täglichen Drill herauszukommen. Ich wünsche dem Zug eine glorreiche Zukunft! Gruß, Jan!
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