Australiens beste Tierspots Einmal um die Welt zum Wallaby-Baby

Kuscheln mit Koalas und Selfies knipsen? Geht gar nicht. Wer Tiere und Australien liebt, geht besser mit einem Öko-Ranger im Bundesstaat Victoria auf Tour - und rettet Pinguine, Kängurus und Riesenbeutelmarder.

Mona Contzen / SRT

Rangerin Helen Masters setzt inmitten der Dünen des Phillip Island Nature Parks vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Sie will keine der Pinguin-Notunterkünfte zertreten, die von engagierten Touristen gebaut wurden. "In einem Umkreis von zehn Metern", sagt sie, "leben hier mindestens 30 Zwergpinguine." Die Holzbox mit der Nummer 147 sieht ziemlich ramponiert aus, dafür sind nebenan einige so überwuchert wie die Hobbit-Höhlen aus dem "Herr der Ringe".

Mit einer halben Million Besuchern pro Jahr gehört die sogenannte Pinguin-Parade zur zweitbeliebtesten Attraktion Australiens, gleich nach dem Great Barrier Reef. Abend für Abend watscheln die Vögel nach dem Fischfang im Meer zu Hunderten den Strand hinauf - und direkt hinein in die Herzen der Besucher. "Beim Ökotourismus geht es darum, eine Verbindung herzustellen zwischen den Menschen und dem, was wir schützen", sagt Helen Masters. "Denn wir schützen nur, was wir lieben.

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Australien: Wo die wilden Tiere leben

Und Hilfe hat Australiens Tierwelt bitter nötig. Jede fünfte Spezies gilt als bedroht. Neben Krankheiten und der Zerstörung von Lebensräumen sind vor allem Füchse und Katzen, aus Europa eingeschleppte Räuber, für die einheimischen Tieren eine Gefahr.

Auf keinem anderen Kontinent sterben mehr Säugetiere aus als hier. In den vergangenen 200 Jahren waren es zehn Prozent der einst 273 Arten und damit ein Drittel aller ausgerotteten Säuger weltweit. Um diesen Prozess aufzuhalten, setzt man im Bundesstaat Victoria auch auf die Hilfe von Touristen.

Koala mit Facebook-Seite

Schließlich konzentriert sich die Region im Südosten Australiens ganz auf spektakuläre Naturerlebnisse, zum Beispiel mit der berühmten Great Ocean Road. Die Panoramastraße führt an der Küste entlang zu den wellenumtosten Zwölf Aposteln und zu den Koala-Hotspots des Landes.

Ein Wander-Dorado ist auch der Nationalpark Wilsons Promontory, wo Begegnungen mit Kängurus, Emus und Wombats garantiert sind. Selbst die Metropole Melbourne ist nur eine Dreiviertelstunde von Koalas und wilden Känguruherden entfernt.

Kirby Leary sorgt sich vor allem um Australiens wohl berühmtesten Botschafter - den Koala. "Aktuell gibt es noch 50.000 bis 100.000 Koalas - es waren mal zehn Millionen", sagt die Touristenführerin, die für den Veranstalter Echidna Walkabout auf der Suche nach Tieren durch die Wälder um Melbourne streift. Mit ihrem Fernglas identifiziert Leary ein graues Fellknäuel, das regungslos in einer Astgabel döst, als Clansy. Jedes Tier hat um die Nüstern ein individuelles Muster, wie ihre Chefin, die Koala-Forscherin Janine Duffy, herausgefunden hat. "Seit vier Stunden hat er sich nicht bewegt", stellt Leary fest. Fotoapparate klicken.

Clansy hat eine eigene Facebook-Seite und ist Namensgeber für eines der Schutzprojekte, die Echidna Walkabout ins Leben gerufen hat: "Make a Home for Clansy". Touristen sollen nicht nur in die Bäume starren und Fotos machen, sondern bei ihren Buschtouren auch ordentlich Boneseed aus dem Boden reißen, eine invasive Pflanze aus Südafrika, die den Koalas den Zugang zum Eukalyptus versperrt.

"Wir bringen jedes Jahr Tausende Menschen hierher, zusammen können die was bewirken", erklärt Leary. Alle Touren der Öko-Agentur beinhalten solche Umweltaktionen. Mal werden angespülte Fischernetze am Strand gesammelt, mal Vögel gezählt. Manchmal, wie im You Yangs Regional Park, ist der Erfolg sogar messbar: Von Jahr zu Jahr werden hier inzwischen mehr Koalas gesichtet.

Marderkot und Öko-Lodge

Die Region Otway, durch die auch der Great Ocean Walk führt, hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Die Koala-Population ist hier so groß, dass das Conservation Ecology Centre die Aufforstung von Manna Gums - sozusagen das Schokoladeneis unter den Eukalyptusbäumen - vorantreibt. "Die Koalas fressen die Bäume kahl, die Bäume sterben und die Koalas drohen zu verhungern", erklärt Harley England den Kreislauf, den man hier stoppen will.

Der Wildlife Manager ist für die Tiere auf dem Gelände der Great Ocean Ecolodge zuständig. Diese wurde zu einer der 25 besten Öko-Lodges der Welt gekürt - ist aber vor allem für ihre engagierte Umweltarbeit bekannt.

Gäste der Lodge helfen bei Pflanzaktionen, installieren Kameras für das Koala-Monitoring-Programm oder begleiten Harley England auf einem seiner Streifzüge: zu den wilden Kängurus, die am Waldrand grasen. Zu Pippi, dem Wallaby-Baby, das seine Mutter bei einem Autounfall verloren hat und von Harley sorgsam aufgepäppelt wird. Und zu Olli, dem Riesenbeutelmarder, dessen Kot von Tierschützern zu Forschungszwecken untersucht wird.

Zoo der bedrohten Arten

Olli kommt ursprünglich von der Mornington Peninsula, aus einem Zuchtprogramm, das Michael Johnson etabliert hat. Sein Moonlit Sanctuary, eine Art Zoo, hat sich ganz dem Schutz der australischen Tierwelt verschrieben: 40 Prozent der Arten, die hier leben, sind bedroht oder gefährdet. Darunter der Tasmanische Teufel, Dingos und die Kaninchenkängurus - in freier Wildbahn "Fuchs-Futter". "Viele Tiere sind scheu und nachtaktiv", sagt Johnson. "Die Menschen kennen sie gar nicht. Deshalb ist Aufklärung nötig."

Die Koalas, die man vorsichtig streicheln darf, und die kleinen Wallabys, die verzückten Besuchern das Trockenfutter aus der Hand fressen, sind dabei nur Mittel zum Zweck: Die Besuchermagneten finanzieren die eigentliche Arbeit des Reservats rund um den Erhalt von Ollis Verwandten und anderen Spezies wie den Goldbauchsittichen, eine der seltensten Vogelarten der Welt. Gerade mal 19 Exemplare lebten im vergangenen Jahr noch in freier Natur, weitere 46 warten jetzt auf ihre Auswilderung.

Bei den Zwergpinguinen von Phillip Island sind die Tierschützer schon einen großen Schritt weiter. Die Einnahmen aus dem Pinguin-Tourismus ermöglichten in den vergangenen 25 Jahren Naturschutzprojekte im Wert von rund 38 Millionen australischen Dollar: Häuser wurden zurück gebaut, Golfplätze renaturiert, Füchse vertrieben.

Bis zum Jahr 2000 hatten Forscher die Auslöschung der nur 30 Zentimeter großen Vögel vorhergesagt. Doch nach wie vor kommen die Pinguine nach dem Fischen an den Strand von Phillip Island. Abend für Abend. Und ihre Flügel wippen.

Mona Conzten/srt/jus

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