Australiens Waterfall Way Spaziergang über dem Urwald

Nächstes Fast-Food-Restaurant: 168 Kilometer. Auf der Themenroute Waterfall Way in Australien belegen solche Schilder, dass man wirklich in der Einsamkeit gelandet ist. Für Abwechslung sorgen Hippie-Orte, spektakuläre Wasserfälle - und ein atemberaubender Gehsteig über den Bäumen.


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Grünes Australien: Wandern zwischen Wasserfällen

Eine sanfte Brise weht vom Ozean heran, und unten am Strand stürzen sich Surfer in Neoprenanzügen in die Brandung. So friedlich beginnt der Tag morgens um sechs Uhr auf dem Look-at-me-now-Headland nördlich von Coffs Harbour. Die Landzunge verdankt ihren kuriosen Namen angeblich einer Frau, die hier um 1890 ein Pferdewettrennen beobachtete und deren Kleid vom aufgewühlten Sand stark verdreckt wurde. "Look at me now!" ("Jetzt schau Dir das an!") soll sie damals voller Empörung gerufen haben.

Die Ruhe ist aber nicht von Dauer. Coffs Harbour ist ein beliebter Wohn- und Ferienort. Touristen verbringen hier ihren Urlaub am Strand, besuchen den Freizeitpark Pet Porpoise Pool oder lassen sich neben der Big Banana fotografieren, einer großen Kunststoff-Banane. 1964 wurde die Riesenbanane als eines der ersten von inzwischen 50 "big things" errichtet, die in Australien an Straßenrändern stehen und auf Urlaubsregionen hinweisen.

Wer dem Urlaubsrummel entfliehen will, muss nicht weit fahren. Die Themenroute Waterfall Way führt Reisende vom Pazifik mit seinen Touristenzentren zu einem sehr ländlich geprägten Hinterland, in das sich nicht so viele Urlauber verlaufen. Sie beginnt nur wenig südlich von Coffs Harbour und führt zunächst nach Bellingen, einem Ort, der in Australien für seinen alternativen Lebensstil bekannt ist.

Glasbläser und Antiquitätenhändler

In den sechziger Jahren kamen die ersten Hippies in das Dorf, in dem damals vor allem Holzfäller und Milchbauern lebten. Kunsthandwerker und Maler folgten, verschiedene Vorstellungen vom Leben prallten aufeinander. "Inzwischen kommen beide Kulturen gut miteinander klar", sagt Mike Colreavy von der Kommunalverwaltung. Bellingen profitiert vom Tourismus, den der alternative Lifestyle mit seinen Antiquitäten- und Glasbläserläden und Kunstgalerien anlockt.

Der Hippie-Ort liegt noch fast auf Höhe des Meeresspiegels. Doch wer auf dem Waterfall Way weiter nach Westen fährt, kommt bald nicht mehr schnell voran. In Serpentinen schlängelt sich die Straße die Berge hoch, subtropischer Regenwald und die ersten kleineren Wasserfälle bestimmen nun die Landschaft.

Weite Flächen beiderseits der Asphaltpiste gehören zum Dorrigo Nationalpark, einem der Schutzgebiete, in denen die Reste des ursprünglichen Regenwalds gerettet worden sind. Jedes Jahr kommen 150.000 Besucher in den Nationalpark, sagt Kathryn Wood vom Besucherzentrum. Viele sind Tagesausflügler von der Küste, die für ein paar Stunden in die Unesco-Welterberegion eintauchen.

Vom Besucherzentrum aus führen Wanderpfade in das grüne Dickicht. Besonders am Dorrigo Nationalpark sei, dass hier mehrere Formen von Regenwald aufeinandertreffen, erzählt Wood: subtropischer ebenso wie warm-gemäßigter und kalt-gemäßigter. Touristen können sich von Rangern durch den Wald führen lassen oder aber auch auf eigene Faust losziehen, etwa zu den Crystal Shower Falls, die zu den beliebtesten Fotomotiven im Park gehören - hier führt der Wanderweg bis hinter den Wasserfall.

21 Meter über dem Urwald

Wer weniger weit laufen oder sich die Bäume lieber von oben anschauen möchte, der kann auch am Besucherzentrum bleiben und auf dem 70 Meter langen Skywalk die Welt der Wipfel erkunden. Wie ein Sprungbrett im Schwimmbad ragt der hölzerne Pfad über einen Abhang. Ganz vorne stehen die Besucher 21 Meter über dem Boden und dürfen bewundern, was von den ursprünglichen Urwäldern übriggeblieben ist.

Denn einst war die Gegend hier überall von Regenwald bedeckt. Um 1860 erreichten jedoch die ersten Siedler Dorrigo und begannen mit der Rodung weiter Flächen. Autofahrern fällt das sofort auf, wenn sie nach Dorrigo kommen und aus dem Dunkel des Regenwalds heraus in eine offene, leicht hügelige Landschaft hineinfahren. Mit den Kühen auf den Weiden erinnert das Plateau ein wenig an ländliche Regionen in Großbritannien. Fast überall, wo Viehhaltung möglich war, mussten die Urwaldriesen weichen. Nur in weniger gut zugänglichem Gelände wie an den steilen Hängen im Dorrigo Nationalpark blieben sie stehen.

Für die Tagesausflügler ist Dorrigo meist der Höhe- und Wendepunkt ihrer Tour, bevor sie zu den Stränden bei Coffs Harbour zurückkehren. Es lohnt sich aber, weiter nach Westen zu fahren. Die Distanzen zwischen den Orten werden hier immer größer, nur wenige Farmen liegen am Wegesrand, und auch der Gegenverkehr wird seltener. Die Farben ringsum ändern sich ebenfalls: Zwischen das satte Grün mischen sich immer mehr Gelb- und Ockertöne, und die Landschaft wird trockener.

Wasser marsch

Trotzdem heißt es von Dorrigo an auch "Wasser marsch" - denn nun kommen die Wasserfälle. Gleich in der Nähe des Ortes liegen die Dangar Falls. Deutlich beeindruckender sind aber rund 45 Kilometer weiter die Ebor Falls nahe des gleichnamigen Dorfes, das sich 1300 Meter über dem Pazifikniveau befindet - im australischen Winter kann hier sogar Schnee liegen. In zwei Kaskaden stürzt das Wasser in die Tiefe, die obere ist 27 Meter hoch, die untere 63 Meter.

Die Ebor Falls gehören zum weitläufigen Guy Fawkes River Nationalpark, der zu den wichtigsten Schutzgebieten im Norden von New South Wales zählt. Wer hier einen Stopp einlegt, ist wirklich weit weg von allem: Neben dem Parkplatz weist eine Werbetafel auf das nächstgelegene Fast-Food-Restaurant in 168 Kilometer Entfernung hin.

Ganz so weit fahren für eine Tasse Kaffee muss dann aber doch niemand, denn die Stadt Armidale ist von den Fällen nur noch eine Autostunde entfernt. Bis dorthin etwas mehr Zeit einzuplanen, ist dennoch nicht verkehrt, denn mit dem Point Lookout und den Wollomombi Falls liegen noch zwei weitere Attraktionen entlang der Strecke.

Australisches Stonehenge

Beide gehören zu wieder anderen Nationalparks: Der Point Lookout in 1563 Metern Höhe bietet eine gute Rundumsicht über die endlos wirkenden Wälder des New England Nationalparks, die Wollomombi Falls sind Teil des Oxley Wild Rivers Nationalparks. Mit mehr als 200 Metern ist Wollomombi einer der höchsten Wasserfälle Australiens. Das Wort aus der Sprache der Aborigines bedeutet "Der Ort, wo sich die Wasser treffen" - was genau passt, denn mit den Chandler Falls stürzt hier noch eine zweite Kaskade in die gleiche Schlucht.

Der Waterfall Way führt bis Armidale, enden muss der Abstecher weg von der Küste hier aber nicht. Knapp hundert Kilometer nördlich in Glen Innes warten die Australian Standing Stones auf die Reisenden. Anders als beim uralten Stonehenge in Südengland ist bei diesem australischen Steinkreis allerdings klar, wer die 40 bis zu 3,7 Meter hohen Brocken im Erdreich verankert hat. 1992 wurde das "Nationalmonument" in Glen Innes eröffnet, um die Bedeutung der irischen, schottischen und walisischen Pioniere für die europäische Besiedelung Australiens zu würdigen.

Christian Röwekamp, dpa



insgesamt 2 Beiträge
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blob123y 10.03.2010
1. Hier ist ein weiterer Spaziergang ueber den Urwaldriesen
zum Unterschied zu den Australiern, da gibts tatsaechlich was Handfestes innerhalb ein paar Metern zu sehen: http://singaporecentral.asia/Jurong-Bird-Park.html
koenigsdorfer 11.03.2010
2. tolle eindrücke
*seuftz* schöner artikel, war selber erst vor ein paar monaten dort, leider war da der zugang zu den Crystal Shower Falls gesperrt, da der zugang durch starke regenfälle weggespült wurde..
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