Baby bereist alle 50 US-Staaten Hauptsache frisch gewindelt

Die sechs Monate alte Harper ist der jüngste Mensch, der alle 50 US-Bundesstaaten bereist hat: Ihre Eltern haben gemeinsam Elternzeit genommen und sind vier Monate durch die USA gereist.

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Harper Yeats hielt ihre Füße zum ersten Mal bei Charleston im US-Bundesstaat South Carolina in den Atlantik. Mit drei Monaten besuchte sie das Kennedy-Space-Center in Florida. Ihre erste feste Nahrung aß sie in Anchorage, Alaska. Harper ist sechs Monate alt - und war schon in allen 50 Bundesstaaten der USA.

Im April wurde Harper in Toronto, Kanada, geboren. Ihre Eltern Tristan und Cindy Yeats sind schon immer viel gereist. "Das hat uns mit zu dem gemacht, was wir heute sind", sagte Tristan Yeats dem SPIEGEL. "Deshalb war es uns immer wichtig, dass es ein großer Teil unseres Lebens bleibt, auch mit Kind."

Es sei ihr gemeinsamer Traum gewesen, einmal alle 50 US-Staaten zu bereisen. "Bevor Harper geboren wurde, waren wir in 19", sagte der 35-Jährige. Dann kam das Baby - und die beiden beschlossen, gemeinsam in Elternzeit zu gehen. "Wir wollten ein Jahr lang Vollzeit-Eltern sein, um eine starke Beziehung als Familie aufzubauen", sagten die Yeats und zogen los - auch nochmals in Staaten, in denen sie zuvor schon waren, um die 50 mit Baby vollzukriegen.

Als Harper acht Wochen alt war, überquerte die Familie mit ihrem Auto die Grenze nach Maine und machte ein Foto der Kleinen vor dem Schild des Bundesstaats. Dann ging es weiter nach New Hampshire, wieder ein Foto, gleiche Pose: Papa Tristan hält Harper vor das Schild, man sieht nur seine Arme.

Es ging weiter nach Massachusetts, Rhode Island, Connecticut und New York. Auf den Fotos, die Harpers Eltern auf einem eigens eingerichteten Instagram-Account hochluden, können die Follower mitverfolgen, wie das Baby sich von einem zierlichen Säugling zu einem Wonneproppen entwickelte.

Erst als sie schon unterwegs waren, hörten die Yeats vom "All Fifty States Club" - ein Zusammenschluss von Reisenden, die alle 50 Staaten der USA besucht haben. Seit dem 18. Oktober 2018, als Harper die Grenze nach Vermont überquerte, ist sie eine von ihnen. "Wir dachten, dass sie das jüngste Klubmitglied werden könnte, wenn wir es schaffen, mit ihr alle Staaten zu bereisen", sagt Tristan Yeats.

Alle Staaten der USA in vier Monaten: Das klingt selbst für Erwachsene nach einem straffen Zeitplan. Dann noch ein schreiendes Baby dazu, ist das nicht anstrengend? "Wir dachten, es wird sehr viel schwerer, mit einem Baby zu reisen", sagte die 32-jährige Cindy Yeats. "Keine Ahnung, ob es an Harpers Persönlichkeit liegt oder ob sich das Reisen sogar positiv auf sie ausgewirkt hat. Aber Harper ist ein ziemlich friedliches Kind."

Die Yeats achteten darauf, genügend Pausen zu machen und nicht zu viel in einen Tag zu packen, sagten sie. "Natürlich hat Harper auch mal schlechte Tage. Aber solange wir ihre Bedürfnisse beachten - genug Schlaf, genug Essen und eine frische Windel - ist sie meistens gut drauf."

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Roadtrip mit Säugling: Babyleicht

Eltern entspannt - Kind sowieso

Reisen mit Säuglingen seien meist problemlos, sagte die Kinderärztin Annette Lingenauber dem SPIEGEL. "Für Babys ist sowieso alles neu, auch zu Hause - so einen großen Unterschied machen die Eindrücke auf einer Reise gar nicht." Wenn das Kind doch einmal gestresst sei, könnten eine klare Tagesstruktur und Einschlafrituale helfen.

Die USA seien zudem ein Land mit guter medizinischer Versorgung. "Und wenn die Mütter noch stillen, muss man sich auch keine Sorgen um verunreinigtes Wasser oder verdorbenes Essen machen." Anders sei das in tropischen Ländern, etwa in Asien oder Afrika, weil Babys noch nicht gegen alles geimpft werden könnten.

"Es ist schon sehr anders mit einem Kleinkind zu reisen", sagte Tristan Yeats. "Wir gehen Dinge langsamer an, wir machen andere Dinge, als wenn wir nur zu zweit unterwegs sind - zum Beispiel essen wir nicht so oft auswärts, sondern kochen lieber selbst." Dennoch sei das Reisen mit Harper mindestens genauso bereichernd wie zuvor. "Zu sehen wie sie wächst und die Welt um sich herum wahrnimmt ist unschlagbar", sagten sie.

"Ich glaube, sein Baby auf Reisen kennenzulernen und sich als Familie aufeinander einzuspielen ist sogar leichter als zu Hause", sagt Tristan Yeats. "Man hat nicht so viele Verpflichtungen und nicht so viel Stress von außen." Auch Kinderärztin Lingenauber bestätigt: "Auf Reisen sind die Eltern meist selbst entspannter, das überträgt sich dann auch auf die Kinder."

Den Fotos nach zu urteilen, ist Harper tatsächlich ein entspanntes Baby. Sie lacht viel, sie sieht süß aus. Ihre Mutter bindet ihr immer eine Schleife um den Kopf - als Internetstar braucht sie anscheinend ein Markenzeichen - und jeden Monat wird ihr Fortschritt mit einem Foto und der dazugehörigen Monatszahl dokumentiert. In den Bildunterschriften der Instagram-Postings, die aus Harpers Perspektive verfasst sind, werden ihre Klamottenlabels getaggt. Darunter kommentieren ihre etwa 30.000 Follower, wie niedlich sie ist.

Das einzige Problem: Harper bekommt vom Ruhm nichts mit. Sie ist sechs Monate alt und weiß nicht, dass fremde Menschen ihre Abenteuer liken. Sie weiß auch nicht, dass sie das jüngste Mitglied des "All Fifty States Clubs" ist und sich deswegen Medien für sie interessieren. Wahrscheinlich ist ihr das auch egal. Für sie gibt es hauptsächlich: schlafen, essen, frische Windeln.

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Sibylle1969 29.10.2018
1.
Ich war 17mal in den USA und war schon in 22 verschiedenen Bundesstaaten, hinzu kommen noch mindestens 6 oder 7, durch die ich lediglich durchgefahren bin, ohne sie tatsächlich zu besuchen. Es fehlen mir vor allem Staaten in den Great Plains, im Nordosten und Nordwesten sowie Hawaii und Alaska. Würde ich also einmal per Mietwagen die Great Plains sowie die Neuenglandstaaten und das Eck Oregon/Washington/Montana/Idaho abfahren, wäre meine Sammlung ziemlich vollständig.
quark2@mailinator.com 29.10.2018
2.
Zitat von Sibylle1969Ich war 17mal in den USA und war schon in 22 verschiedenen Bundesstaaten, hinzu kommen noch mindestens 6 oder 7, durch die ich lediglich durchgefahren bin, ohne sie tatsächlich zu besuchen. Es fehlen mir vor allem Staaten in den Great Plains, im Nordosten und Nordwesten sowie Hawaii und Alaska. Würde ich also einmal per Mietwagen die Great Plains sowie die Neuenglandstaaten und das Eck Oregon/Washington/Montana/Idaho abfahren, wäre meine Sammlung ziemlich vollständig.
Dann kann ich zur Fortsetzung Kanada nur empfehlen. Was das Baby angeht - ist unfair, denn davon bleibt leider keinerlei Erinnerung in dem Alter. Wäre besser gewesen, das 4..6 Jahre später zu machen ... aber dann gibts vermutlich keine Elternzeit mehr.
diet.seel 29.10.2018
3. Mit Baby ging das ziemlich problemlos...
...unser Sohn war drei Monate alt bei seinem ersten USA-Trip (sechs Staaten). Später ist das Thema ungleich aufwendiger und teurer. Mir selber fehlt seit 1994 nur noch Hawaii...
widower+2 29.10.2018
4. Route berechnen
Dafür die kürzeste Route zu berechnen, dürfte schwierig sein. So weit ich weiß schafft das noch kein Supercomputer der Welt. Es wäre aber interessant zu wissen, wie viele Kilometer die Familie zurückgelegt hat.
hifimacianer 29.10.2018
5.
So ganz optimal/gesund ist es für das Kind sicher nicht. Säuglinge sollten in den ersten Monaten möglichst viel flach auf dem Rücken liegen. Die Haltung in Babyschalen im Auto ist nicht gerade das Optimum. Wenn man alle US-Bundesstaaten mit dem Auto bereist, ist man zehntausende km in relativ kurzer Zeit unterwegs.
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