Baby im Gepäck: Reisen mit dem Nachwuchs ist kinderleicht

Wie lange darf ein Kleinkind fliegen? Sind die Tropen mit Baby tabu? Die erste Reise mit dem Nachwuchs fordert junge Eltern heraus. Dabei ist ein Familienurlaub ohne Pannen ganz einfach: Im Zweifel den Kinderarzt um Rat fragen - und beim Packen das Kuscheltier nicht vergessen.

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Kind hinter Koffern: "Mit drei Monaten zwei Stunden fliegen - das macht gar nichts"

Koffer zu und los geht's. Was vor der Familiengründung so einfach schien, kann mit kleinen Kindern schnell zum Organisationsmarathon ausarten. Buggy, Windeln, Spielzeug oder das Kuscheltier: Nicht nur die Packliste wird komplizierter. Doch wer ein paar wichtige Dinge vor der Abreise beachtet, kann auch mit dem Nachwuchs entspannte Ferien verbringen. "Generell gilt: Was man sich als Eltern zutraut, schaffen auch die Kinder", sagt die Geschäftsführerin des Reisebüros Kinderreisewelt in Köln, Sigrid Eckel.

Ob fünf Stunden mit dem Auto an die Nordsee, drei Stunden im Flugzeug nach Mallorca oder gar die Fernreise an den Strand von Florida: Wenn die Eltern dahinter stehen, ist vieles möglich. Die Strahlenbelastung im Flieger ist für Kleinkinder nach Informationen des Bundesamts für Strahlenschutz gering und unbedenklich.

Einschränkungen gibt es lediglich für Babys und Kinder mit Gesundheitsproblemen, wie der Düsseldorfer Kinderarzt und -kardiologe Hermann-Josef Kahl sagt: "Gesunde Kinder können mit drei Monaten zwei Stunden fliegen, das macht ihnen gar nichts." Hat der Nachwuchs aber beispielsweise einen Herzfehler, muss der Arzt entscheiden, was geht und was nicht.

Am besten sprechen Eltern vor der ersten Urlaubsreise mit ihrem Kinderarzt. Er kann auch Verhaltenstipps für bestimmte Reiseregionen geben. So rät Kinderarzt Kahl, Babynahrung oder Getränke in südlichen Ländern nicht mit Leitungswasser zuzubereiten, sondern mit Mineralwasser aus der Flasche. "Durchfallerkrankungen sind für kleine Kinder mitunter lebensgefährlich."

In schlecht versorgte Gebiete, also in Regionen, die weit entfernt von einem Krankenhaus sind oder in denen keine ausreichende Hygiene möglich ist, sollten Säuglinge gar nicht reisen. "Mit einem Jahr haben die Kinder dann schon eine Grundimmunisierung." Südostasien, Afrika oder Südamerika sollten sich Eltern als Reiseziel also aufsparen.

Rhythmus, der mit muss

Nach Zahlen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) in Kiel reisen Familien mit Kindern bis fünf Jahren ohnehin am liebsten an die deutschen Küsten oder nach Spanien, Italien sowie in die Türkei. Dabei sei die Reise häufig individuell organisiert. Nur etwa ein Drittel der Urlaubsreisen mit Kindern sind laut FUR Pauschalreisen.

Auf die besonderen Bedürfnisse junger Urlauber sind spezielle Kinderreiseveranstalter eingestellt. Dazu gehören zum Beispiel Vamos-Eltern-Kind-Reisen aus Hannover, Bambino-Tours aus Marburg oder KUF-Reisen aus Immenstaad am Bodensee. Sie vermitteln Unterkünfte abseits der großen Bettenburgen, denn: "Ziele mit einem hohen Lautstärkepegel und lauter Animation am Abend sind nicht für Kleinkindfamilien geeignet", sagt Beate Dalkowski von Vamos Reisen. Familien sollten auch im Urlaub die Möglichkeit haben, ihren gewohnten Tagesrhythmus mit entsprechenden Ruhephasen weiterzuleben. "Wer kleine Kinder hat, weiß, wie gestresst viele auf größere Verschiebungen in ihrem Rhythmus reagieren können."

Wichtig sei deshalb eine ruhige Lage, sagt der Geschäftsführer von Bambino-Tours, Heinz Bender. "Es sollte keine große Straße vor dem Haus liegen, die die Kinder gefährden kann." Außerdem müsse die unmittelbare Umgebung kindgerecht sein. "Ein mittelalterliches Dorf in Frankreich kann sehr schön sein, aber wenn es viele kleine Treppchen hat, dann würde ich das Familien mit kleinen Kindern nicht empfehlen."

Spaß und Spielzeug

Den jüngsten Reisenden ist es ohnehin völlig egal, ob sie in Italien, Frankreich oder an der Ostsee sind. Deshalb sollten Familien mehr auf das Gesamtpaket schauen als auf das ausgewählte Ziel, rät der Geschäftsführer von KUF-Reisen, Andreas Libor. "Beispielsweise sollte die Fahrstrecke bei kleinen Kindern nicht zu lang sein." Auch Kinderarzt Kahl sagt: "Kinder werden im Auto nervös, wer also lange mit ihnen unterwegs ist, sollte für Pausen und Ablenkung sorgen und Spielzeug mitnehmen."

Spielmöglichkeiten sind auch am Urlaubsort wichtig. "In unseren Breiten sollte es auch innen Spielräume geben", sagt Libor. Denn einen Regentag im Hotelzimmer zu verbringen, macht weder den Eltern noch den Kindern Spaß. Zudem sollten Eltern erfragen, ob es in der gebuchten Unterkunft Hochstühle und Kinderbetten gibt - falls nicht können sie Reisemöbel und den Klappkinderstuhl selber einpacken.

Darüber hinaus warten einige Reiseveranstalter mit einem besonderen Plus für die Eltern auf: der Kinderbetreuung. Dabei wird der Nachwuchs je nach Quartier schon mit eineinhalb Jahren für ein paar Stunden bespaßt, während die Eltern ihre Zweisamkeit genießen können. So kann der Urlaub mit einem Mix aus spielen, entspannen und gemeinsamen Erlebnissen für alle Seiten Erholung sein.

Vivien Leue, dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Kinder sind auch nur Menschen
reisereporterwolf 26.05.2011
...und damit durchaus reisefähig ;-) Schöner Artikel, der wie ich finde zu einem entspennteren Umgang mit dem Thema anregt. Jetzt müssten nur noch díe Mitreisenden genauso entspannt bleiben... Gute Tipps für die passende Reiseapotheke im Urlaub mit kleineren Kindern gibt es z.B. auch hier: http://bit.ly/jCDvpX
2. Kein Problem?
MichiD 26.05.2011
Wunderbar, dann kann die Flugreise mit dem Kind ja losgehen. Entspannt einsteigen. Das Kind entspannt im selbstverständlich bereitgestellten flugzeuggeeigneten (2Punkt) Kindersitz anschnallen und losfliegen. Oder nicht? ;-)
3. Kinder also nie mit in die Kabine
RogerT 26.05.2011
Zitat von reisereporterwolf...und damit durchaus reisefähig ;-) Schöner Artikel, der wie ich finde zu einem entspennteren Umgang mit dem Thema anregt. Jetzt müssten nur noch díe Mitreisenden genauso entspannt bleiben... Gute Tipps für die passende Reiseapotheke im Urlaub mit kleineren Kindern gibt es z.B. auch hier: http://bit.ly/jCDvpX
Wenn sie als Mitreisender auf einem 12 Std. Flug hinter einem gut 8 Std. fast am Stück brüllenden Kleinkind sitzen, denken sie da anders drüber... es ist bloß faszinierend, wo die Kleinen die Kraft und Ausdauer her nehmen... Kinder also nie mit in die Kabine, die gehören ins normale Reisegepäck... [/ironie AUS]
4. Noch besser: mit dem Zug
fahrgast07 26.05.2011
Schöner Artikel, der zu mehr Entspanntheit mit Kindern motiviert. Was mir aber fehlt: Bahn fahren mit Kindern! Ich mache das sehr gerne: Im Auto ist man ja froh, wenn das Kind irgendwie shcläft - aber im Zug hat man richtig entspannt Zeit zusammen. Man sollte nur langfristig planen, eine ganze Vierergruppe im ICE reservieren, und am besten eher nachfrageschwache Zeiten wählen. Oft ist auch die 1. Klasse eine Empfehlung, da hat man viel mehr Platz. Auch Schlafwagen ist ein heißer Tipp, viele Eltern erleben da das erste Mal, dass ihr Kleiner durchschläft. Da eigene Kinder bis 14 Jahre nix zahlen, ist das oft sogar erstaunlich preiswert. Und noch ein Tipp: Kinderagen daheim lassen und ein Tragetuch/Tragegestell oder Kraxe verwenden, dann geht auch das Umsteigen sehr entspannt. Beim Umsteigen plane ich gerne ein Stündchen mehr ein, dann hat man Zeit für den Spielplatz, und bei Verspätungen gibts keinen Stress. Ich bin viel mit Kind Auto gefahren oder geflogen, aber mit der Bahn find ich es immer noch am angenehmsten.
5. Wenn man gewisse Dinge beachtet ...
KidsAway.de 27.05.2011
Reisen, insbesondere das Fliegen, kann mit Baby durchaus durchführbar sein, auch ohne dass die Nerven der Mitreisenden und der Eltern über Maßen strapaziert werden. Mit etwas überlegter Vorbereitung - nicht nur ärztlicher Beratung im Vorfeld - sind auch Flugreisen mit kleinen Kindern kein Problem. Schwierig ist, wie schon andere hier angedeutet haben, allerdings die Flugsicherheit für die ganz Kleinen. Das Baby oder Kleinkind während eines mehrstündigen Fluges auf dem Schoß zu halten, erzeugt sowohl für Eltern als auch für die Kinder erhöhten Stress und ist lebensgefährlich. Sicherheitsbewussten Eltern bleibt nichts anderes übrig, als für ihr Baby einen eigenen Sitzplatz zu buchen (kostet natürlich Geld, sollte den Eltern aber wert sein) und den eigenen für das Flugzeug zugelassenen Autokindersitz mitzunehmen. Netter Nebeneffekt: Das Baby kennt den Sitz, fühlt sich wohl und wird wahrscheinlich einen großen Teil des Flugs glücklich verschlafen.
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