Nordamerikas spektakuläre Natur Die Schönheit kam mit dem Schnee

Er zeltete bei Minusgraden und erlebte die Wildnis Nordamerikas von ihrer rauen Seite: Guido Diana reiste wochenlang mit Rucksack und Kamera durch die USA und Kanada - und knipste sich tapfer durch den Frost.

Guido Diana

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Er wollte perfektes Sonnenlicht. Und eine klare Sicht, damit das Blau des Peyto Lake richtig knallen würde auf den Fotos. Doch dann wachte Guido Diana auf - und über dem von Gletschern gespeisten See lag ein grauer Winterhimmel. Es hatte überraschend geschneit in der Nacht: Die Tannen waren weiß bestäubt.

Der 26-Jährige lief trotzdem los. Er war ganz allein auf dem Wanderpfad in den kanadischen Rocky Mountains. An einem Aussichtsplatz richtete er seine Kamera auf den Bergsee und machte ein paar Aufnahmen, die kontrastreicher waren, als er sich erhofft hatte. Während das Blau des Wassers leuchtete, wirkte das bewaldete Ufer fast farblos.

Guido Diana sind auf seinem Trip durch Nordamerika Fotos gelungen, die die Natur in all ihrer Schönheit zeigen. Der Backpacker aus den Niederlanden reist seit Jahren mit seiner Kamera durch die Welt und hat sich quasi am Wegesrand das Fotografieren beigebracht. "Ich liebe es, im Freien zu sein", sagt Diana. Und das merkt man seinen Bildern an.

Gut zwei Monate lang war Diana in den USA und Kanada unterwegs. Er fotografierte steinerne Sehenswürdigkeiten in Arizona, die Wälder von British Columbia, den Bryce Canyon in Utah und viele andere Orte, die Nordamerika-Fans ordentlich Fernweh bereiten können.

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Nordamerika: Gletscher, Grizzlys und die Einsamkeit

Diana schwärmt von dem Espenlaub, das sich gelb-golden färbte, als er in Colorado ankam. Von den Bergen im Yosemite. Und von Wasserfällen im Jasper National Park. "Es sind Bilder, die ich schon oft zuvor gesehen habe", sagt Diana. "Aber es ist immer wieder magisch, dann selber an einem dieser Orte zu stehen." Und diese Momente selber mit der Kamera einzufangen.

Manchmal ist das mühevoll, etwa am Mesa Arch im Canyonlands National Park in Utah. Das Bild vom Gesteinsbogen ist eins von diesen Motiven, die man am PC als Bildschirmschoner auswählen kann. Wenn die Sonne aufgeht, dann konkurrieren Dutzende Fotografen und Touristen um die beste Position. "Es war so voll, dass ich am nächsten Tag zwei Stunden vor Sonnenaufgang aufgestanden bin", sagt Diana. "Das ist wirklich eine Qual, wenn man im Dunkeln auf diesen einen Moment wartet."

Kleiner Mensch, große Natur

Doch Diana jagt nicht nur Fotomotiven hinterher. Am liebsten entdeckt er die eher unbekannten Orte. Orte wie den Monterey Cypress Tree Tunnel, von dem ihm jemand erzählt hatte. Die Allee liegt eine gute Stunde nördlich von San Francisco und sieht besonders spektakulär aus, wenn die Sonne durch die gewaltigen Baumstämme strahlt. Licht und Schatten wechseln sich dann ab wie bei einem Zebrastreifen.

Diana war zwar beeindruckt, aber er wollte die Dimension der Allee zeigen. Also montierte er seine Kamera auf ein Stativ, aktivierte den Selbstauslöser und lief die einsame Straße herunter. "Ich mag Bilder, die zeigen, wie klein der Mensch gegenüber der Natur ist", sagt Diana.

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Die schönsten Instagram-Fotos: Kleiner Mensch, große Landschaft
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Zum Glücklichsein braucht er nicht viel mehr als die Wildnis - und seinen Reisepass. Auf seinem Instagram-Account beschreibt er sich als Reisefotograf und gibt als Heimat "Planet Erde" an. "Ich liebe es, die Welt zu erkunden, Menschen kennenzulernen und mich spontan für ein neues Ziel zu entscheiden", sagt er.

Seit 2014 lebt er ortsunabhängig, seine Auszeit nahm er sich nach dem BWL-Abschluss. Unterwegs hielt er sich mit Jobs über Wasser. Sein Traum ist es, mit seinen Fotos Geld zu verdienen - so wie viele andere Instagram-Blogger.

Zelten bei Minusgraden

Das Fotografieren unterwegs entspanne ihn. "Ich knipse nicht unendlich viele Landschaftsfotos und hetze dann weiter, sondern beobachte oft stundenlang, was die Szenerie hergibt und wie sich das Licht verändert", sagt Diana. "Das bringt mich runter, es gibt mir Ruhe."

Am liebsten reist er in der Nebensaison, so auch bei seinem Nordamerika-Trip. Los ging es Ende September, als es in vielen Bundesstaaten und vor allem in den kanadischen Nationalparks knackig kalt wurde. Oft schlug Diana bei Minusgraden sein Zelt auf, meistens übernachtete er aber im Auto - eingerollt in einen dicken Schlafsack.

Die niedrigen Temperaturen hätten es ihm oft nicht leicht gemacht, gute Fotos zu machen, sagt Diana. Am Bryce Canyon etwa erfroren ihm in einem Sturm fast die Finger. Doch die klirrende Kälte hat auch ihr Gutes. "Es sind insgesamt weniger Menschen unterwegs - und allein da draußen zu sein, das ist der pure Genuss."

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Sumerer 04.01.2017
1.
Wie den Atem raubend unser Planet sein kann, erlebt man, wenn man sich selbst auf die Reise begibt. Ich denke, dass ich durchaus vergleichbare Eindrücke in meinem Leben gewonnen habe. Manchmal habe ich für einen Moment nur Stunden aufgewendet, die nicht vergebens waren. Zum Beispiel am Ontario-See, bei Toronto. Oder auch bei Flamingos, in Spanien.
pfzt 04.01.2017
2.
Die Bilder auf dem Instagram Account sind viel zu stark nachbearbeitet, das sieht sogar schon nach dem grausamen HDR Look von vor 10 Jahren aus. Außerdem muss ich leider inzwischen sagen das mir die ganzen Foto-Selbstverwirklicher auf Instagram auf die Nerven gehen, immer die gleichen Bergpanoramen von den immer gleichen Stellen, mich würde nicht wundern wenn inzwischen eine veritable Versorgungs-Kleinstadt für die Jungs und Mädels bei der berühmten Kurve in Kanada steht. So wie man auf dem Mount Everest Gipfel inzwischen in einer Schlange steht, so gilt wohl auch für die Instagram Reise Blogger Spots. So schön die Natur auch sein mag aber das ist langweilig.
spiegkom 04.01.2017
3. Geschätzte 100 Mal
In meinem Leben habe ich geschätzte 100 mal soche Bildreihen gesehen, ca. 2000 mal schon jedes Bild. Wie wäre es denn, wenn mal mal Bilder aus Russland/zentralasien brächte. Ansonsten: Gähn.
hermes69 05.01.2017
4. Schöne Bilder - packen mir leider nicht
Bilder sind schön, keine Frage- Sie packen mich aber nicht. Es gibt Fotografen die es beherrschen diese besondere Stimmung in Bildern einzufangen. Ohne große Bearbeitung. Das ist hier (für mich) leider nicht der Fall. Und davon gibt es mittlerweile leider zu viele. Aber ich freue mich wenn die Bilder jemandem etwas geben das mir verborgen bleibt.
chiefseattle 04.01.2017
5. Tourismus
Banff, Jasper NP, Bryce Canyon, Grand Canyon, ... Die Fotografin hat Orte besucht, die jedes Jahr von Millionen Touristen besucht werden. Sie hätte lieber den Snake River runterfahren sollen und dann nach Süden quer durch Nevada bis Las Vegas. Da gibt es Stellen, wo noch nie ein Mensch war.
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