Bahamas Palmen, Linksverkehr und trockene Martinis

Queen Victoria blickt noch immer über den Government Square in Nassau, als ob sich die Zeiten auf den Bahamas ebenso wenig verändert hätten wie ihr in Marmor gehauenes Ebenbild. Ganz so ist es nicht, aber auf den Inseln vor Florida hat man vom britischen Erbe nicht nur den Linksverkehr übernommen.

Von Frank und Uschi Schneider


Nicht zuletzt ihre Traumstrände machen die Bahamas zum Urlaubsparadies
Frank Schneider

Nicht zuletzt ihre Traumstrände machen die Bahamas zum Urlaubsparadies

Die Bahamas zählen zu den wohlhabendsten Staaten der Karibik, obwohl die Spanier nach Kolumbus' Entdeckung 1492 nichts mit den flachen Inseln anfangen konnten. Letztendlich erhob der englische König Charles I. Anspruch, die wirtschaftlichen Geschicke kamen aber erst mit der Vertreibung der Piraten in Schwung. Der 1718 als Gouverneur eingesetzte Woodes Rogers, als Freibeuter mit königlichem Siegel selbst mit den Tricks und Schlichen der Seeräuber vertraut, machte dem Spuk unter den Totenkopfflaggen ein Ende.

Die bekanntesten Piraten ihrer Zeit, wie der gefürchtete "Blackbeard" Edward Teach, Charles Vane und "Calico Jack" Rackham, lehnten die königliche Amnestie ab und flohen. Rogers begnadigte die verbliebenen Einwohner von Charlestown - dem heutigen Nassau - und machte viele von ihnen zu Offizieren und Mitgliedern seines Stabes.

Im Zentrum Nassaus thront heute noch Queen Victoria
Frank Schneider

Im Zentrum Nassaus thront heute noch Queen Victoria

Außerdem teilte er den Bewohnern von New Providence Landparzellen zu und festigte somit Recht und Ordnung auf der Insel. Er unterstrich seine harte Linie noch einmal nachdrücklich und ließ neun gefangene Piraten im 1697 errichteten Fort Nassau hängen. An dessen Stelle steht heute das "British Colonial Hilton" Hotel. Das Piratenmuseum "Pirates of Nassau" unweit des Hilton lässt die raue Zeit aufleben.

Mit Aufnahme des regelmäßigen Dampfschiffsverkehrs wurde Nassau schon um 1900 zum Ziel amerikanischer Touristen. Die nördlichsten der über 3000 Sandbänke und "echten" Inseln der Bahamas reichen bis auf die Höhe von Miami. Die nächste, Bimini, liegt gar nur knapp 46 nautische Meilen vor der amerikanischen Küste, und Flugverbindungen von Florida zur Hauptstadt Nassau mit seinem kolonialen Charme dauern nicht mal eine Stunde.

Nassau ist Pflichtprogramm (fast) jeder Karibikkreuzfahrt
Frank Schneider

Nassau ist Pflichtprogramm (fast) jeder Karibikkreuzfahrt

Die meisten Hotels - Gasthäuser oder Luxusherbergen - sind auf New Providence und der Schwesterinsel Paradise Island. Die Exumas, Grand Bahama und die Südküste von New Providence verfügen über Tauchgebiete von Weltruf. Abaco und die Exumas mit ihren Naturschutzgebieten gelten als traumhafte Segelreviere. Während in Nassau die Kreuzfahrtschiffe anlegen, gibt es mit Hurricane Hole und der Marina des Hotel Atlantis auf Paradise Island zwei exklusive Yachthäfen für das "Sehen und Gesehen werden" zu Wasser.

Internationale Banken siedelten sich früh im Finanzparadies Bahamas an und blieben nach der Unabhängigkeit. Nicht zuletzt hinterließen die Briten dem Land neben dem Linksverkehr einen hohen Lebensstandard mit einem ausgezeichneten Schul- und Ausbildungssystem. So gelten die Bahamas als ebenso sicheres wie sauberes Urlaubsland. Dass die Bahamas für Europäer als teuer gelten, liegt an der Orientierung am amerikanischen Markt. Und daran, dass bis auf Bier und Rum fast alles importiert werden muss.

Reich auch an Naturschönheit
Frank Schneider

Reich auch an Naturschönheit

In Nassau pflegte auch Frank Sinatra zu entspannen. Und wahrscheinlich im Casino zu spielen. Zum Essen ging er zuweilen jedenfalls ins heutige "Chez Willie" in der Bay Street, wo nun auch Sharon Stone und andere Promis dinieren.

Ebenfallls eine feine Küche bietet das "Café Matisse" hinter dem Parlamentshaus. Auf der Südseite der Insel ist das unkonventionelle Einheimischenrestaurant "Avery's" im Ort Adelaide (per Mietwagen oder Inselbus zu erreichen) ein Geheimtipp. Echten Jet-Set-Style samt trockener Martinis pflegt der Agent seiner Majestät 007 auf den Bahamas - schließlich wurden für die James-Bond-Filme "Feuerball" und "Sag niemals nie" größere Teile in und um Nassau gedreht.

Amerikanische Touristen fliegen auch mal für ein Wochenende auf die Bahamas, für Europäer gestaltet sich die Reise nicht nur wegen des rund zehnstündigen Flugs etwas aufwendiger: Der momentane Kurs des Dollar zum Euro verlangt von den meisten Urlaubern eine etwas längere Planung. Doch es muss ja nicht das teuerste Hotel oder gar die Brückensuite im Atlantis sein. Die gönnen sich Scheichs und Popstars für 12.000 Dollar pro Nacht.

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