Bangkok Streetfood in der Touristenstraße Khao San darf bleiben

Bangkok will die Garküchen von den Straßen verbannen. Diese Ankündigung fuhr Einheimischen und Besuchern heftig in den Magen. Die Tourismusbehörde versucht zu beruhigen.

AFP

"Jeder Straßenverkäufer muss weg": Das erklärte Ziel der Bangkoker Verwaltung schockierte nicht nur Zehntausende Straßenköche. Auch die Einwohner und Touristen, die die günstigen Essensstände in Thailands Hauptstadt so lieben, waren entsetzt.

Beunruhigt durch weltweite Berichte über das Ende der Garküchen versichert die Tourismusbehörde Thailands (TAT) nun, dass Bangkok auch künftig ein Streetfood-Paradies bleiben soll. Nudelsuppen, Mangosalat oder Pad Thai werde es weiter am Straßenrand geben. Ob dies allerdings tatsächlich auf legale Weise der Fall sein wird, ist angesichts neuer strenger Auflagen fraglich.

Wie die Tourismusministerin Kobkarn Wattanavrangkul ankündigt, müssten die Köche Hygienestandards einhalten - dazu gehört, dass die Straßenhändler ihre schmutzigen Töpfe und das Geschirr nicht mehr mitten auf dem Bürgersteig säubern. Zudem müssten sie städtische Trainingskurse absolvieren, auch sollten die Garküchen einheitlich aussehen.

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Bangkok: Doch kein Ende des Streetfood-Booms

Wie die TAT außerdem mitteilt, sollten die Bürgersteige in den Hauptstraßen frei von Essenskarren, Stühlen und Schirmen bleiben, die von vielen Streetfood-Verkäufern in der Stadt verwendet werden. Dies bedeute, dass in Bangkoks belebtesten Gegenden, die Händler in ausgewiesene Zonen und auf Märkte in der Nähe ausweichen müssten.

Beliebte touristische Gegenden jedoch wie die Yaowarat in Chinatown und die beliebte Backpacker-Straße Khao San sollten von diesen Regeln nicht betroffen sein. Hier würde allerdings kontrolliert, ob internationale Hygienestandards von den Verkäufern eingehalten werden. Eine absurde Situation: Es sind die Thais selber, die überall in der Stadt auf günstiges Essen angewiesen sind - und nicht die Touristen.

Vor wenigen Tagen klangen die Ankündigungen der Stadtverwaltung noch anders: Wie der Chefberater des Gouverneurs, Wanlop Suwandee, der Zeitung "The Nation" sagte, sollten als Nächstes in Chinatown und der Khao San Road Straßenküchen bald der Vergangenheit angehören. In Thonglor und Ekkamai, zwei beliebten Ausgehvierteln, waren die Straßenküchen Anfang dieser Woche für illegal erklärt worden.

Die offenen Küchen, in denen von früh morgens bis spät in die Nacht gekocht, gegart und gegrillt wird, prägen das Straßenbild der 8,5-Millionen-Einwohner-Stadt seit Jahrzehnten. Der Fernsehsender CNN hatte Bangkok erst kürzlich wieder zur Stadt mit der weltweiten besten Straßenküche gekürt.

ele/abl

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
kumi-ori 21.04.2017
1.
"Es sind die Thais selber, die überall in der Stadt auf günstiges Essen angewiesen sind - und nicht die Touristen." Ich gestehe, dass ich noch nie in Thailand war, aber dafür in anderen garkochenden Ländern. Als Tourist bin ich zwar nicht finanziell darauf angewiesen, ich habe jedoch wenig Lust, meine wertvolle Urlaubszeit in irgendeinem Touristen-Restaurant abzusitzen und auf den Kellner mit der Speisekarte zu warten. Ich habe auch nicht die geringste Lust, mit der Vielfalt der trinkgeldheischenden kleinen Servilitäten vom Aufhängen des Mantels bis zum Schieben des Stuhls unter den Arsch verwöhnt zu werden. Ich möchte natürlich das verköstigen, was den Meenschen vor Ort schmeckt und nicht das Beefsteak oder Wiener Schnitzel. Das ist nicht Geiz, ich möchte das Land schließlich erleben. Die schmucken Restaurants sollte man den Geschäfts-Dinierenden mit Kreditkarte und Bewirtungsbeleg überlassen.
go2dive 21.04.2017
2.
Das Problem ist weniger die Hygiene, sondern dass man auf den eh schon knappen Bürgersteigen kaum laufen kann, weil sie von Garküchen okkupiert werden. Oder sie weichen auf Straßen aus, blockieren ein bis zwei Spuren und verursachen lange Staus. Die Maßnahme war keine einsame Idee der Regierung sondern resultierte aus vielen Beschwerden von Anwohnern.
lassmabessersein 21.04.2017
3. Es ist doch nur ein Angebot
Jeder halbwegs informierte Mensch weiss doch, dass man da nichts isst, wenn einem die Gesundheit lieb ist. Koch es, brat es, schäl es oder vergiß es! Man kann sich also nur selbst versorgen, mit eigener Küche. Auf tierische Lebensmittel würde ich in diesen Ländern eh komplett verzichten. Dort, wo Kakerlaken nicht als Ungeziefer, sondern als Dekorationshighlight gesehen werden, würde ich nie einen Bissen runter kriegen. Das gälte aber auch für Restaurants. Asiaten sollen eh ein anderes Verständnis von Hygiene haben, als Bionade-Europäer. Von daher wäre ein Verbot dieser sogenannten Garküchen mehr als Überfällig!
chrismuc2011 21.04.2017
4. Wo ist das Problem?
Ich finde die Hygienestandards zu heben nicht nur für Touristen wichtig. Wie oft habe ich schon gesehen, dass hunderte von Plastiktellern in genau einem 10liter Eimer den ganzen Abend gewaschen werden. Also Fisch, Huhn, Beef alles durcheinander. Und Singapore gibt es doch vor: Hawker Stalls, die einen minimalen Komfort bieten, eine paar Ventilatoren, Sitzgelegenheiten aus Plastik. Und genial einfach gelöst die Hygiene: Alle Essenverkäufer bezahlen eine Firma, die nur für das Geschirr zuständig ist. Diese Firma räumt das Geschirr nach Benutzung ab, wäscht es und bringt es gereinigt den Essenverkäufern zurück.
Sumerer 21.04.2017
5.
Zitat von kumi-ori"Es sind die Thais selber, die überall in der Stadt auf günstiges Essen angewiesen sind - und nicht die Touristen." Ich gestehe, dass ich noch nie in Thailand war, aber dafür in anderen garkochenden Ländern. Als Tourist bin ich zwar nicht finanziell darauf angewiesen, ich habe jedoch wenig Lust, meine wertvolle Urlaubszeit in irgendeinem Touristen-Restaurant abzusitzen und auf den Kellner mit der Speisekarte zu warten. Ich habe auch nicht die geringste Lust, mit der Vielfalt der trinkgeldheischenden kleinen Servilitäten vom Aufhängen des Mantels bis zum Schieben des Stuhls unter den Arsch verwöhnt zu werden. Ich möchte natürlich das verköstigen, was den Meenschen vor Ort schmeckt und nicht das Beefsteak oder Wiener Schnitzel. Das ist nicht Geiz, ich möchte das Land schließlich erleben. Die schmucken Restaurants sollte man den Geschäfts-Dinierenden mit Kreditkarte und Bewirtungsbeleg überlassen.
Trotz Kreditkarte hat einmal in der Türkei, im Hafen von Izmir, eine ausgewachsene Kakerlake meinen Weg gekreuzt. Ich wollte nur ein Sandwich kaufen. Und dieses Biest wanderte vergnüglich von rechts nach links, von einem Sandwichstapel in den nächsten. Hungrig, wie ich war, suchte ich dann ein Restaurant auf.
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