Rundreise am Golf von Bengalen: Surfin' Bangladesch

Die ersten Surfboards brachten US-Amerikaner nach Bangladesch - heute reiten auf den Wellen auch Frauen in langen Hosen. Bisher ist das Land am Golf von Bengalen nicht gerade ein Touristenziel, mit ein paar Vorsichtsregeln lässt aber auch hier Asiens Flair entdecken.

Bangladesch: Surferparadies am Golf von Bengalen Fotos
TMN

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Dhaka - Im großen Vorhof der Moschee von Hazrat Shah Jalal schauen die Gläubigen gebannt in einen Teich. Kinder knien am Wasser, wollen ganz nah an den Fischen sein, die als heilig gelten. Der Schrein in Sylhet im Norden von Bangladesch ist eine wichtige Pilgerstätte.

"Darf ich ein Foto machen?", fragt der Familienvater den Gast aus Deutschland und legt ihm gleich sein Baby in den Arm. Die Mutter posiert daneben. Ihr cremefarbener Schleier verhüllt nur einen Teil ihrer dunklen Haare. Andere Familien kommen hinzu: Smalltalk, Fotos mit der Handykamera, entspannte Atmosphäre zwischen weißen Mauern und hohen Palmen.

Bangladescher lieben Fotos. Das hat für Ausländer in dem muslimischen Land Vorteile. Der Gast hat freie Bahn, wenn er fragt, auch selbst posiert und plaudert. Wer dagegen heimlich den Zoom nutzt, verpasst die Begegnung mit den Menschen: Die sind hilfsbereit, freundlich - und manchmal auch aufdringlich neugierig.

In der Nähe von Sylhet gedeiht der Tee prächtig - und das Leben der Plantagenarbeiter ist hart: lange Arbeitszeiten und am Tag umgerechnet höchstens ein Euro als Lohn. Besucher können zu den grünen Hügeln, zu Flüssen, Wasserfällen und Obstplantagen Tagesausflüge unternehmen. Weiter entfernt in den Wäldern rollen einige Arbeitselefanten Stämme und stapeln große Baumteile.

Gewirr aus Rikschas, Booten und Trägern

Der Kontrast zu dem ruhigen Hügelland bildet die Hauptstadt Dhaka: Sie ist ein Moloch aus Hochhäusern, Banken, Parks, Elendsvierteln, Museen und Moscheen. 12 bis 14 Millionen Menschen leben hier. Dhaka war nach der Aufteilung Indiens 1947 die Kapitale von Ost-Pakistan. Der Krieg mit West-Pakistan brachte 1971 die Unabhängigkeit für Bangladesch, das Land der Bengalen.

Unzählige Fahrradrikschas verstopfen vor allem die engen Straßen von Alt-Dhaka. Ihre Fahrer radeln bis zu vier Personen durch Lärm und Abgase, gestikulieren, lachen, schimpfen und klingeln. Mit Hänger wird so eine Rikscha zum Lieferwagen. Maler schmücken Sitze und Rückseite mit Tigern, Blüten, Bildern von Pop- und Filmstars.

Für den staunenden Touristen wirkt das wie eine rollende Kunstausstellung in schrillen Farben. Zwischen Ahsan Manzil, dem "Rosa Palast", und dem Buriganga-Fluss tobt ein organisiertes Chaos aus Booten, Trägern, Kisten, Rikschas und Lieferwagen.

Trotz der Faszination für das bunte Straßenleben sollten Besucher einige Vorsichtsregeln beachten: So rät das Auswärtige Amt davon ab, nach Einbruch der Dunkelheit mit Fahrrad- und Motorrikschas oder zu Fuß unterwegs zu sein. Die Kriminalität steigt in Dhaka, auch in von Ausländern bewohnten Stadtteilen.

Und wer das Abenteuer einer Busfahrt wagt, sollte kurze Strecken wählen. Bei der Unfallquote sind die waghalsigen Buslenker weltweit ganz vorn. Es gibt wenig freie Strecken, denn Bangladesch mit 160 Millionen Einwohnern ist eines der dichtbesiedeltsten Länder und nur so groß wie Süddeutschland.

Surfertreffpunkt in Cox's Bazar

Auch die Einheimischen haben ein Traumreiseziel in ihrem Land: Cox's Bazar am Südostzipfel in der Nähe von burma. "Im Winter ist es so voll, dass Strandliegen auch nachts zu mieten sind und viele Urlauber im Bus schlafen", sagt Samuel Hillary Gomes, Manager bei Mermaid Eco Tourism. Er hat in London studiert und sagt: "Leider sind die Schlagzeilen über Bangladesch in Europa negativ - Fährunglücke, Unwetterkatastrophen, Armut." Über Alltag und Schönheiten werde kaum berichtet.

Einige Surfer aus den USA und Australien haben die Brandung hier am Golf von Bengalen vor knapp 20 Jahren entdeckt. "Ich bekam 1995 ein Surfboard und wusste erst nicht, was ich damit anfangen soll", erzählt Jafar Alam. Der muskulöse Mann mit dunkler Haut ist Chef der ersten Surfschule in Cox's Bazar und veranstaltet im Herbst internationale Wettbewerbe. "Uns fehlen Sponsoren", sagt er. Die wenigen Frauen stehen mit Shirt und langen Hosen auf dem Brett.

Der graue, flache Sandstrand scheint endlos, ist etwa 120 Kilometer lang und selbst bei Flut bis zu 250 Meter breit. Drei Frauen in farbigen, lange Gewändern, das lange schwarze Haar offen, sitzen mit zwei Kindern in einem orangefarbenen, breiten Liegestuhl. Sie schauen auf die Mutigen, die mit voller Kleidung ins Wasser waten, zumindest bis zum Knie. Am Horizont schaukeln Fischerboote.

In Cox's Bazar werben über 20 Hotels, unzählige Restaurants und Teestuben um Gäste. Drei oder vier Hotelbars verkaufen sogar Bier und Whisky, alles importiert, bis auf ein neues einheimisches Gebräu. "Mein Land macht Bier? Das glaube ich nicht", sagt Reiseführer Anamul Hoque. Mit einem Ausländer betritt der strenggläubige junge Mann neugierig eine Bar, bleibt stark und bestellt als der einzige Muslim im Raum eine Limo.

Bernd Kubisch/dpa/abl

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1. Cox Bazaar war schon immer ein Geheimtip
blob123y 16.09.2012
sogar seit den Briten, heute wuerde ich da nicht hinfahren da sind einfach zu viele irrationale Islamisten, die werden systematisch von den Saudis unterwandert, wie ? mit Geld.
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