Banks Peninsula Track: Chillen mit Pinguin

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Pinguine unterm Bett, Badewannen mit Feuerheizung und ein Kajaktrip am Morgen: Der Banks Peninsula Track ist anders als viele Weitwanderwege in Neuseeland. Nach vier Tagen kommt jeder tiefenentspannt und glücklich ans Ziel.

Banks Peninsula Track: Kleiner Pinguin, große Freiheit Fotos
Antje Blinda

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Dass dieser Wellness-Trail mir schon auf den ersten Metern den Schweiß auf die Stirn treibt und den Atem nimmt, war nicht geplant. 11 - 8 - 6 - 10 lautet doch die Formel der zurückzulegenden Kilometer von Tag eins bis vier. Ein Spaziergang für jede Wanderin, sogar mit vollem Gepäck. Geplant war vielmehr: Chillen auf sonnigen Hügelgipfeln, Lesen auf Hüttenterrassen und ein abendliches Glas Wein am Strand.

Doch hinter der ersten Unterkunft, der Onuku Farm, geht es zunächst steil in direkter Linie bergauf. Atemberaubend ist am Pass der Ausblick auf den Naturhafen, der sich mitten hinein in die Banks-Halbinsel im Osten der neuseeländischen Südinsel gefräst hat. Und den Vulkankraterüberrest aus dem All wie ein Pac-Man aussehen lässt.

Das Knatschblau der Bucht, das Braun der Klippen und das Grün des Busches, über das sich sanft das Gelb der trockenen Wiesen schwingt - das sind die Farben, die auch in den nächsten Tagen dominieren werden. 700 Meter weiter unten malen Motoryachten schaumige Streifen ins Wasser, pendeln Tenderboote zwischen Kreuzfahrtschiffen und dem Ort Akaroa hin und her.

Stargazer mit Himmelsblick

Dort hat gestern der Banks Peninsula Track begonnen. Brian lud uns 15 Individualwanderer in seinen Bus, verteilte Wanderpläne und erklärte: "1989 suchten die Bauern auf der Halbinsel nach neuen Einnahmequellen, die Wirtschaft war down." Acht Familien taten sich zusammen.

Sie überlegten sich, wo eine Mehrtagestour über ihre Grundstücke führen könnte, wo es landschaftliche Highlights gäbe und wer Gäste beherbergen könnte. Die Familien Hamilton, Helps, Armstrong und Co. gründeten den ersten privaten Wanderweg Neuseelands. Wahlweise begehbar für vier oder für zwei Tage (Formel 19 - 16), wahlweise für rund 160 oder 100 Euro.

Dabei ist Neuseeland mit seinen Vulkanen, Gebirgen und Fjorden nicht eben arm an spektakulären Tracks, wie hier Weitwanderwege genannt werden. Wie der berühmteste unter ihnen, der Milford Track, waren sie damals allerdings alle unter der Kontrolle des Department of Conservation (DOC). Die Naturschutzbehörde pflegt Wege und Hütten und reguliert heute die zehn beliebtesten Mehrtageswanderungen mit einem Buchungssystem.

Auf dem Banks Peninsula Track sind es die Anwohner selber, die eine maximale Zahl von 16 Wanderern pro Tag beschlossen haben. Die den Weg vor jeder Saison auf Sicherheit begutachten und die Einnahmen nach einem bestimmten Schlüssel unter sich aufteilen. Und die ihren Abschnitt des Pfades pflegen müssen - was jeder auf seine individuelle Art tut.

Jeff Hamilton von der Onuku Farm zum Beispiel hat zum einen eine gemütliche Wanderhütte mit umwerfenden Ausblick auf die Bucht vor Akaroa erbaut. Zum anderen auch sogenannte Stargazer, winzige Zelte aus Holz mit durchsichtigem Dach, die über das Grundstück verteilt für Privatsphäre sorgen. Und am Abend des ersten Wandertags, auf der wilderen östlichen Seite der Banks Peninsula, empfängt mich ein 160 Jahre altes Pionier-Cottage in der Flea Bay.

Nächstes Festland: Chile

Auf einer Tafel am Eingang steht ein Willkommensgruß der Gastgeberfamilie Helps. Das Programm heute: Freisetzung eines verwaisten Pinguinjungen. Am Abend beobachte ich, wie ein kleiner Zwergpinguin in einer lila Plastiktasche zum Strand getragen wird. Nach wochenlangem Aufpäppeln im Garten des Wohnhauses von Shireen Helps mag sich der Vogel gar nicht von seiner Adoptivmutter trennen: "Schwimm", ruft Shireen und scheucht ihn immer wieder auf die zutrippelnden Kleinen gen Wasser, "hau ab!"

Dann nimmt der Pinguin mit dem stahlblauen Gefieder die erste Welle - und weg ist er. "Hoffentlich schafft er es", grummelt die grauhaarige Shireen. Immerhin gehört er einer bedrohten Unterart an, die nur auf der Banks-Halbinsel vorkommt. Seit über 20 Jahren hegen die Helps die Kolonie in ihrer Bucht, bauen den bis zu 25 Zentimeter großen Vögeln Nistboxen, schützen sie durch Fallen vor Frettchen, zählen und beobachten sie. Zur Hochsaison, von September bis Mitte Januar, sind es inzwischen rund 2000 Tiere, deren Rufe durch das Schutzgebiet schallen.

Jetzt, Ende Februar, sehen Shireen und ich nur noch einzelne Exemplare, als wir am nächsten Morgen im Seekajak eine Runde durch die Flea Bay drehen. Da sie sehr spät in die Mauser kamen, haben sie es nicht pünktlich zur Futtersaison aufs offene Meer geschafft. Shireen erkennt vom Kajak aus die Pinguine in den Felsnischen, weist auf säugende Seebären-Mütter hin, auf Krähenscharben, Tölpel und Albatrosse. Und hofft auf Hector-Delfine. Die kleinste Walart überhaupt lässt sich an diesem Morgen nicht blicken.

Auch als ich später - schon längst wieder mit Rucksack und Wanderstöcken ausgerüstet - dem Auf und Ab des Kliffpfades folge, kann ich die Delfine mit der runden Flosse nicht erspähen. Dafür määäähen jede Menge Schafe auf den Wiesen, und Seebären brüllen tief unter mir gegen die donnernde Brandung an. Kleine Felsinselchen liegen wie ins Wasser gestreut vor der Küste. Das Blau des Pazifiks scheint endlos - ist doch erst Chile das nächste Festland.

Ein Bad unter Sternen

An einer Stelle erklärt ein Schild: "Diese Felsnadel ist der Überrest eines Tors, das Tausende an Jahren stand, bis es bei den Erdbeben im September 2010 zusammenfiel." Nur ein Jahr später starben bei Erschütterungen im nur 80 Kilometer entfernten Christchurch und der gesamten Region 185 Menschen. Noch heute hat die Unistadt ihre Identität noch nicht wieder gefunden, drehen sich Baukräne über Abrisshäusern, und weite Brachen erstrecken sich mitten in der Innenstadt. Backpacker ziehen nach einer Nacht enttäuscht weiter: "Nichts los hier."

Doch die Cashel Street im Zentrum, mit ihren Shops in knallbunten Seefrachtcontainern, beweist den Willen der Stadt, wiederaufzuerstehen. Und kündet von der berühmten "ingenuity", dem Einfallsreichtum der Neuseeländer. So wie auch das Hüttenensemble von Mark und Sonia Armstrong in der Stony Bay, der Unterkunft in der dritten Nacht.

Dort lehnt sich das Duschhäuschen an einem riesigen Baumstumpf, auf dem oben das Wasserreservoir thront. Die Open-Air-Badewanne schmückt ein blühender Hortensienstrauch, geheizt wird durch ein Holzfeuer darunter. In die Schlafhütten sind bunte Glasfenster eingebaut und Walknochen aufgehängt. Und in einem kleinen Laden können wir Wanderer uns mit Obst und Gemüse, mit Eiern, Rumpsteak und Wein versorgen.

Da die Wegstrecke so kurz war, sind alle früh da und genießen es, am Strand zu träumen, in der Sonne zu lesen, in Ruhe zu kochen - und weit weg von Handy-Netz und Internet zu entspannen. Uns geht es gut hier, dies ist echte "Well-ness". Obwohl tagsüber jeder für sich unterwegs ist, sitzen wir am Abend zusammen und erzählen noch lange vom Tag, von Neuseeland und Australien, England, Bahrain und Deutschland. Bis ich in meiner kleinen Holzhütte verschwinde.

Nur nachts wird es laut, unter meinem Bett rumort und quiekt es. Am nächsten Morgen sehe ich die Federn in einer Höhle unter der Bodenplatte - es war eine Pinguinfamilie, die hier ihr Zuhause hat.

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
cmfmd11 17.06.2013
Ich kann nur bestätigen, daß die Banks Peninsula ein einmaliges Kleinod ist, an dem die meisten Touristen besinningslos vorbei rennen. Wie sehr genoss ich in aller Stille die Ausblicke auf den Pazifik nach einem langen Tag in Christchurch als ich das Privileg hatte, einige Zeit dort leben zu dürfen. Irgendwann wieder: back to the roots, dann für immer...
2. Ein wunderschönes Stück Erde...
spon-facebook-10000003125 17.06.2013
leider hat sich ein Fehler in Ihren Artikel eingeschlichen. Das Erdbeben vom September 2010, bei dem der angesprochene Felsbogen einstürzte, war nicht das, bei dem im Februar 2011 in und um Christchurch 185 Menschen ums Leben kamen und große Teile der Innenstadt zerstört wurden.
3. Ein unglaublich schöner Ort
Werwolfgang 17.06.2013
Zitat von sysopPinguine unterm Bett, Badewannen mit Feuerheizung und ein Kajaktrip am Morgen: Der Banks Peninsula Track ist anders als viele Weitwanderwege in Neuseeland. Nach vier Tagen kommt jeder tiefene
Wir haben am 22.02.2011 das Erdbeben in Christchurch um kurz vor eins mittags miterlebt, keine 300 Meter von der zerstörten Kathedrale entfernt, das war schrecklich! Die letzten vier Nächte davor haben wir an zwei verschiedenen Plätzen auf der Banks Halbinsel mit unserem Wohnmobil verbracht, das war traumhaft schön und hat uns in den folgenden schweren Stunden geholfen auch mit diesen fertig zu werden. In der Okain Bay haben wir auf einem einfach Campingpatz direkt am Wasser genächtigt, in Duvauchelle mit Blick auf den natürlichen Hafen von Akaroa Harbour, umgeben von den Bergen des ehemaligen Vulkans. Wir hätten nie gedacht, das es einen so traumhaft schönen Ort direkt neben der Großstadt Christchurch gibt. Wir sind mit einem Boot rausgefahren und haben Hector Delphine gesehen, ein unglaublicher Anblick. Neben dem Abel Tasman National Park im Norden der Südinsel für uns der schönste Platz auf der Südinsel. Hätten wir von diesem Wanderweg vorher gewusst, wir hätten in bestimmt ausprobiert. Vielleicht kommen wir ja nochmal hin, man weiss ja nie...
4. Abgeholzte Weiden, baumlose Huegel, kaum Wald, Dauerwind
gisela.schwan 17.06.2013
Das ist ehrlich gesagt meine Erinnerung von der Banks Peninsula. Zugegeben, ist schon ein paar Jahre her. Aber wenn ich mir die Fotos oder Google Maps anschaue, dann sieht es nicht aus, als haette sich viel geaendert. Ich wage zu behaupten, dass sich niemand für die Gegend interessieren wuerde, laege sie nicht ausgerechnet in Neuseeland. Komisch. Das nz2go Blog enthaelt ein paar wirklich schoene Flecken in NZ, bei denen sich ein Besuch lohnt, und die nicht in jedem Reisefuehrer stehen. Banks Peninsula wuerde ich nicht dazu zaehlen.
5. Korrektur
Antje_Blinda 17.06.2013
Zitat von spon-facebook-10000003125leider hat sich ein Fehler in Ihren Artikel eingeschlichen. Das Erdbeben vom September 2010, bei dem der angesprochene Felsbogen einstürzte, war nicht das, bei dem im Februar 2011 in und um Christchurch 185 Menschen ums Leben kamen und große Teile der Innenstadt zerstört wurden.
Liebe/r Leser/in! Vielen Dank für den Hinweis! Sie haben recht: 2010 gab es zwar das stärkeres Beben, in der Nähe von Christchurch. 2011 waren die Erschütterungen fataler, und viele Menschen starben. Der Text wurde dementsprechend korrigiert....und ja - ein wunderschönes Stück Erde ;-) Antje Blinda
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