Barbados Fliegende Fische, Korallen und Rum

Die herabhängenden Luftwurzeln der Feigenbäume gaben der Insel ihren Namen: "Barbados", die Bärtigen, nannten die portugiesischen Seefahrer im 16. Jahrhundert die seltsamen Gewächse, die heutzutage selten geworden sind auf der Karibik-Insel.


Die schönsten Strände von Barbados liegen im Süden der Insel
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Die schönsten Strände von Barbados liegen im Süden der Insel

Natürlich gibt es überall Fisch auf Barbados und das in allen Variationen. Kleine Boote und große Schiffe bringen tonnenweise Meerestiere an Land. Mit der Machete zerhacken Männer mit Rastalocken auf den Fischmärkten die Tunfische, Radios dudeln karibische Rhythmen. In kleinen Imbissbuden gehört Fliegender Fisch - mit "Hot and Spicy Pepper Sauce" gewürzt - zu den Standardgerichten. Im Gourmetlokal kommt zart angebratener Tunfisch auf den Tisch. Auch Kabeljau, Königsmakrele und der Hochseefisch Dolphin stehen auf den Speisekarten. Dolphin wohlgemerkt, nicht Delphin.

Vor rund 600.000 Jahren ist Barbados aus dem Meer emporgestiegen - nicht als bergiges Vulkan-Eiland wie die benachbarten Inseln, sondern aus Muschel- und Korallenablagerungen. Davon zeugt bis heute nicht nur der strahlend weiße Kalkstein, aus dem die Kirchen und andere Repräsentationsbauten der Insel errichtet wurden. Auch wer sich den feinen Sand der Strände durch die Finger rieseln lässt, entdeckt darin viele kleine rote Pünktchen: zermahlene Korallen.

Im 19. Jahrhundert begannen befreite Sklaven, die heute typischen "Chattel Houses" zu errichten
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Im 19. Jahrhundert begannen befreite Sklaven, die heute typischen "Chattel Houses" zu errichten

Taucher können vor allem an der Süd- und der Westküste von Barbados immer noch viele Korallenriffs mit ihrer bunten Unterwasserwelt erkunden. Schnorchler kommen im Folkstone-Unterwasserpark bei St. James auf ihre Kosten. Und wer sich mit einem Katamaran ein wenig weiter herausfahren lässt, kann auch Wasserschildkröten beobachten und sogar mit ihnen um die Wette schwimmen. Es ist eine zerbrechliche Welt - auch in Barbados sind die Riffe durch fallende Anker und schmutziges Wasser bedroht.

Wenig ursprünglich ist auch die Vegetation der Insel: Die ersten weißen Siedler holzten vor 350 Jahren den Regenwald radikal ab und pflanzten stattdessen Zuckerrohr. Wer heute von der Inselhauptstadt Bridgetown im Westen der Insel aus zum Aussichtspunkt Cattlewash Bay an der Ostküste fährt, durchquert kilometerweite Plantagen. Und auch die Feigenbäume, deren herabhängende Luftwurzeln der Insel einst ihren Namen gab, sind selten geworden.

Die östlichste der karibischen Inseln
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Die östlichste der karibischen Inseln

Schätzungsweise 95 Prozent der Inselbewohner sind heute Nachfahren afrikanischer Sklaven. Sie nennen sich selbst "Bajans". Die bunt bemalten Holzhäuser, die überall entlang der Straßen auftauchen, heißen "Chattle Houses" und stammen aus der Zeit, als die Sklaverei zu Ende ging: Die freigelassenen Arbeiter durften sich kleine Hütten auf dem Eigentum des Grundherrn errichten, konnten aber jederzeit vertrieben werden. Das Haus musste daher zerlegbar sein und auf einen Ochsenkarren passen. Immer häufiger ersetzen heute jedoch flache Häuser aus Stein und Beton die Traditionsbauten.

Selbst im kleinsten Ort darf der "Rum Shop" nicht fehlen, eine Mischung aus Kneipe und Dorfladen. Rum, ursprünglich ein Abfallprodukt der Zuckerindustrie, ist seit gut 300 Jahren das Lieblingsgetränk der Barbadier. Dabei wird er nicht nur pur genossen, sondern mit Limone, Sirup, Eis und Muskatnuss zu "rum punch" gemischt. Das Getränk hat es in sich - was Touristen unter der Tropensonne aber oft erst dann merken, wenn es bereits zu spät ist.

Vor der Küste Barbados' wird der Atlantik zur Karibik
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Vor der Küste Barbados' wird der Atlantik zur Karibik

Doch mag die Insel mit Rum, tropischen Temperaturen und feinen Sandstränden auch noch so karibisch anmuten - die Inselkultur ist mindestens ebenso stark auch britisch geprägt. Kricket ist Volkssport, die Autos fahren links, und die zahlreichen anglikanischen Kirchen gleichen oft exakt ihren englischen Vorbildern. Selbst einen Trafalgar Square gibt es in Bridgetown, auf dem ein in Bronze gegossener Lord Nelson seit 1813 grimmig in die Ferne blickt. Lediglich das landesübliche Bajan-Englisch erinnert oft nur noch entfernt an die Sprache des Mutterlandes, behaupten Spötter.

So ist es kein Wunder, dass überwiegend Briten und US-Amerikaner Urlaub auf machen auf "beautiful Barbados", wie es in einem alten Volkslied heißt. Die Südküste rund um Hastings war bereits im 19. Jahrhundert ein beliebter Ort für Badekuren. Crane Beach ist auch heute noch einer der schönsten Inselstrände. Ein Palmenwäldchen säumt hier den breiten Sandstreifen, und in der wuchtigen Brandung können sich Wellenreiter stundenlang austoben. Mit ein wenig Glück findet sich auch ein Kokosnussverkäufer, der die runden Früchte an Ort und Stelle vom Baum holt und sie gleich öffnet.

Rum gibt es auf Barbados in allen Variationen
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Rum gibt es auf Barbados in allen Variationen

Auch die Westküste ist vom Tourismus geprägt - hier liegen mittlerweile die teuersten Hotelanlagen. Von Bettenburgen und größeren Bausünden blieb Barbados jedoch weitgehend verschont. Auch die Strände sind nahezu überall öffentlich zugänglich geblieben.

Daneben hat sich die Insel auch bei Golfliebhabern einen Namen gemacht. Im Westen bieten die 18-Loch-Plätze Royal Westmoreland und Sandy Lane bei dem Ort Holetown nicht nur gepflegte Rasenflächen, sondern stellenweise auch einen weiten Blick über das Meer. Beide Plätze sind allerdings nur nach Voranmeldung zu bespielen. An der Südküste hingegen gibt es den "pay and play"-Platz des Barbados Golf Club, der allgemein zugänglich ist - und wer das Spiel erst noch lernen will, kann die Barbados Academy of Golf in Christ Church besuchen und dort auch zum Minigolfschläger greifen.

Bis 1966 war die Insel britische Kolonie
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Bis 1966 war die Insel britische Kolonie

Wenn dann gegen 19.00 Uhr plötzlich die Sonne verschwindet und es noch viel zu früh für das Bett ist, gibt es auf Barbados neben den Hotelbars eigentlich nur eine Möglichkeit: auf nach Bridgetown. Zwar wirkt das Zentrum der Hauptstadt eher etwas verschlafen. Rund um den Hafen jedoch lässt es sich an der so genannten Waterfront sitzen, einen Rum punch oder ein einheimisches "Banks"-Bier trinken und den am Wasser entlang flanierenden Bajans und Touristen zusehen.

Hungrige Nachtschwärmer können bis 3.00 Uhr morgens in die Baxter's Road fahren, wo Straßenhändler bis tief in die Nacht Fische brutzeln - und wer dann immer noch nicht müde ist, fährt frühmorgens eben nach Bridgetown zum Fischmarkt.



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