Belize: Riese unter Robinson-Crusoe-Inseln

Dschungeltouren im Kanu, Schnorcheln im Barrier-Riff, Besuch bei den Mayas: Belize erwacht. Das kleine mittelamerikanische Land südlich von Mexiko rüstet sich für den Tourismus. In Deutschland sind die verträumten belizischen Schönheiten noch wenig bekannt.

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San Ignacio - Etwa 90 Fluss- und fünf Fußminuten sind es von der edlen "Cha Creek"-Dschungel-Lodge zur schlichten Bar "Bob". Die Tour durch Belizes Dschungel ist abwechslungsreich: Lisa zeigt erst auf die Baumkrone mit drei Papageien, dann auf einen Fels mit winzigen dunklen Punkten. "Die kleinsten Fledermäuse der Welt", erklärt die 21-Jährige. Sie stammt aus dem nahen San Ignacio, dahinter beginnt schon Guatemala. In der Ferne sind Brüllaffen zu hören. Das Kanu treibt mit der Strömung. An der Brücke mit den ersten Häusern wird es festgebunden.

Dann geht es zu Fuß weiter. Schulkinder grüßen. San Ignacio mit etlichen bunten Holzhäusern, Herbergen und Marktständen ist freundlicher, sauberer und sicherer als die größte Stadt des Landes, Belize City, die zwei Busstunden entfernt am Atlantik liegt.

"Eva's" heißt die Kneipe von "Bob". Und er heißt eigentlich Robert Jones, ist 57 Jahre alt, Brite und hat freundlich strahlende Augen. Er öffnete "Eva's" vor 25 Jahren und hat ständig Gäste aus aller Welt, die hier gern auf dem Maya Trail zwischen Guatemala und dem mexikanischen Yucatan stoppen. In Deutschland ist das mittelamerikanische Land allerdings noch kaum bekannt.

Nach den Backpacker kommen die lukrativen Touristen

"Bobs" Freund Mick Fleming ist auch Brite und Tourismuspionier in Belize, das früher Britisch-Honduras hieß. Der Eigentümer von "Cha Creek", wo eine Nacht 200 Euro kostet, sagt: "Belize wird wach. Nach den Rucksackreisenden kommen die, die für Ruhe, exotische Schönheit und Luxus zahlen." Mick und seine Frau Lucy lieben Belize, haben im Dschungel 100 Mitarbeiter für 50 Gäste und sind in dem armen Land, das so groß ist wie Mecklenburg-Vorpommern, gern gesehene Investoren.

Belizes exotische Mischung hat es in sich. Die einen Besucher genießen die Kanutour zwischen Papageien und Dschungelgrün, die anderen erkunden in Tauchausrüstung das farbenprächtige Barrier-Riff. Wer mag, kann im Bus auf Ausflugstour gehen, im Jeep zu den Maya-Ruinen von Altun Ha und Cahal Pech fahren oder im Cockscomb Basin Wildlife Sanctuary auf den Spuren des Jaguars wandeln.

Flug über unzählige Blauschattierungen des Ozeans

Acht Minuten dauert der Flug in der kleinen Propellermaschine vom Belize City Airport über helle Eilandtupfer, Gischtkronen und unzählige Blau- und Grünschattierungen des Ozeans auf die Landepiste von Caye Caulker. Die kleine Insel gehört mit ihren 3000 Einwohnern zu den "Riesen" unter den 200 Cayes, Mangroven- und Robinson-Crusoe-Flecken, die das 180 Kilometer lange Barrier-Korallenriff umsäumen. Das lockt Taucher aus aller Welt.

Wer auf Caulker nicht gerade unter Wasser ist und Fische, Korallen und Schwämme bewundert, faulenzt in der Hängematte, zählt tags Kokosnüsse unter Palmen oder nachts die Sterne am Himmelszelt. Oder er palavert mit fahrradfahrenden Schulkindern und spaziert dann vom Kramladen zum nächsten Barbecue, Fischstand oder Restaurant.

Jeder genießt den Sonnenuntergang am Meer auf seine Art. Im "Tropics Hotel" mit Zimmern ab 15 Euro leeren Urlauber aus Kanada und Italien mit Einheimischem gerade die nächste Runde "Belikin"-Bier. Am Pier nippt Festland-Bauer Isaak Wiebe an einer Cola und blinzelt in den untergehenden Sonnenball. Seine letzte Fähre legt gleich ab. Der Mennonit hat Honig und Gemüse verkauft. Er spricht noch das alte Deutsch seiner Vorfahren aus Europa, auch das Spanisch der Maya und das Englisch der schwarzen Mehrheit im Lande. "Belize ist ein multikultureller Schmelztiegel", sagt Wiebe nicht ohne Stolz.

Bernd Kubisch, dpa

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