Berg- und Action-Fotograf Robert Bösch "Ein Bild ist das Risiko eines Unfalls niemals wert"

Seine Bilder zeigen Profibergsteiger, Extrem-Freerider oder Paraglider bei gewagten Stunts. Robert Bösch ist einer der besten Outdoorfotografen der Welt. Doch wie fotografiert man Abenteurer, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen?

Robert Bösch

Ein Interview von


Robert Bösch hat gerade den Flughafen in Kathmandu verlassen, als er die Nachricht hört. Sein Freund Ueli Steck ist tot. Es ist Ende April 2017, am Airport der nepalesischen Hauptstadt herrscht Chaos. Menschen laufen umher, es ist laut, Taxifahrer versuchen, Touristen zu überreden, in ihre Autos zu steigen.

Bösch ist Bergfotograf, vielleicht einer der bekanntesten der Welt. Vergangenes Jahr reiste er nach Nepal, um Steck bei dessen Weltrekordversuch zu unterstützen: Der Speedkletterer wollte den Mount Everest (8848 Meter) und den daneben liegenden Lhotse (8516 Meter) innerhalb von 48 Stunden besteigen.

Zur Person
  • Lukas Pitsch
    Robert Bösch, 64, wird in der Bergsteigerszene liebevoll Röbi Bösch genannt. Seit gut 30 Jahren arbeitet der Schweizer als freiberuflicher Bergfotograf, war in früheren Jahren ambitionierter Bergsteiger und Bergführer. Als 2017 der Profi-Bergsteiger Ueli Steck tödlich im Himalaya verunglückte, traf ihn das schwer - er widmet seinen neuesten Bildband "Mountains" seinem engen Freund.

Doch als Bösch von einem vertrauten Sherpa am Flughafen abgeholt wird, erfährt er, dass es dazu nicht mehr kommen wird: "I have very bad news: Ueli is dead." Steck war bei einer Akklimatisierungstour im Himalaya abgestürzt. Ein schwerer Schock für die Bergsteigerwelt - und seinen engen Freund.

Mehr als ein Jahr danach bringt Bösch, selbst erfahrener Bergsteiger, nun einen Bildband heraus, gewidmet: Ueli. Es sei zwar nicht geplant gewesen, so viele Bilder von Steck zu zeigen, sagt der 64-Jährige. Doch durch die langjährige Freundschaft, die vielen gemeinsamen Touren und Projekte, sei er doch auf vielen Fotos zu sehen.

Aber auch andere weltberühmte Bergsportler, Kajakfahrer und Mountainbiker porträtiert Bösch in seinem Buch. Einige von ihnen, wie etwa die Sportkletterlegende Beat Kammerlander oder der Wettkampf-Gleitschirmpilot Chrigel Maurer, haben Texte verfasst: über sich, ihre Leidenschaft, ihre Ängste. Vor allem aber zeigt der rund 300-Seiten-starke Bildband eines: Berge.

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Robert Bösch:
Mountains

NG Buchverlag; 336 Seiten; 98,00 Euro

SPIEGEL ONLINE: Herr Bösch, wie viel Risiko gehen Sie für ein gutes Foto ein?

Robert Bösch: Wenn ich als Fotograf in die Berge gehe, suche ich Bilder, nicht die Gefahr. Dann versuche ich, das Risiko zu minimieren - sowohl für mich als auch für den Sportler, den ich fotografiere. Ein Bild ist das Risiko eines schweren Unfalls niemals wert. Wenn ich als Bergsteiger unterwegs bin, ist das anders.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt einen Unterschied zwischen dem Fotografen Bösch und dem Bergsteiger Bösch?

Robert Bösch: Das sind zwei völlig unterschiedliche Rollen. Ich kenne die Bergwelt als Bergsteiger, habe selbst Bergsport intensiv und leistungsorientiert betrieben. Wenn man als Bergsteiger eine Tour macht, geht es darum, sich mit ihren Schwierigkeiten und den eigenen Grenzen auseinanderzusetzen. Und manchmal muss man ein Risiko eingehen, um eine gewisse Leistung zu erbringen.

Fotostrecke

21  Bilder
Berg- und Actionfotos von Röbi Bösch: "Für Ueli"

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie als Fotograf in den Bergen unterwegs sind, müssen Sie sich aber doch auch in schwierigem Gelände bewegen.

Robert Bösch: Das stimmt zwar, aber dann geht es nicht darum, einen bergsteigerischen Erfolg zu erreichen. Wenn ich merke, etwas wird für mich oder die Athleten, die ich fotografiere, gefährlich, dann breche ich ab. Gerade junge Sportler muss ich manchmal auch bremsen, denn oft tendieren sie dazu, zu viel zu riskieren, wenn ein Fotograf dabei ist. Es bleibt ohnehin immer ein unwägbares Risiko - selbst wenn man erfahren, fit und sehr vorsichtig ist.

SPIEGEL ONLINE: Die Unwägbarkeit wurde auch Ueli Steck zum Verhängnis. Hat der Tod Ihres Freundes dazu beigetragen, dass Sie vorsichtiger geworden sind?

Robert Bösch: Eigentlich nicht. Ich war und bin mir der Gefahr immer sehr bewusst. Manchmal habe ich auch Angst, vor allem vor einer Tour: Wenn man noch nicht handeln kann, warten muss und vielleicht auch die Fantasie mit einem durchgeht. Diese Ungewissheit muss man aushalten. Jeder Bergsteiger kennt Angst. Aber jeder Bergsteiger kennt eben auch das intensive Gefühl, das man in den Bergen hat.

SPIEGEL ONLINE: Wie versuchen Sie, dieses Gefühl in Ihren Fotos einzufangen?

Robert Bösch: Ich suche beim Fotografieren immer nach Situationen, die ich noch nicht kenne: Ich will mich nicht wiederholen. Es wird genau dann spannend, wenn es nicht so kommt, wie man meint. Um Klischees mache ich einen großen Bogen. Oft fangen Bergfotografen Sonnenaufgänge oder -untergänge ein. In meinem Buch gibt es auf 300 Seiten genau zwei solche Bilder.

SPIEGEL ONLINE: Soziale Plattformen sind oft voll von Klischees - was halten Sie von Instagram und Co.?

Robert Bösch: Nicht viel. Ich denke, ich müsste meine Bildsprache an die dort geltenden Wahrnehmungsmechanismen anpassen und das will ich nicht. Ich will ein Bild nicht erst bearbeiten, damit es gefällt. Es gehört zur Fotografie, dass man manchmal im Nachhinein denkt, hätte ich die Kamera doch etwas weiter nach links gehalten. Aber für mich gilt die Spielregel: Kein Bild wird nachträglich zugeschnitten. Entweder du triffst das Bild so gut, dass es in das Buch passt, oder eben nicht. Es ist einfach, Lichtstimmungen oder bestimmte Bildausschnitte mit Filtern und Bearbeitungsprogrammen am Computer nachzubessern. Doch für mich entsteht ein Bild in dem Moment, in dem ich auf den Auslöser drücke.

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fvaderno 18.11.2018
1. Eine korrekte Bildunterschrift ist wünschenswert!
Bei ersten Bild kann es sich definitiv nicht um die Gipfelregion der Aiguille Blanche handeln, denn dieser Gipfel ist größtenteils mit Schnee und Eis bedeckt. Wahrscheinlich ist das Bild von einer der Aiguilles de Chamonix aus aufgenommen. Der steile Zahn im Hintergrund rechts des Bergsteigers ist jedenfalls der Dent Du Géant. Fans von genauen Standortbestimmungen von Fotoaufnahmen können diesen sicher nennen, mir erscheint dieses zuviel der Mühe.
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