Urlaub 2017 Die schönsten Reiseziele für Wissenschaftsfans

Wer reist, weiß nachher mehr - vor allem, wenn man ein Ticket zu wandernden Gnus, zur Sonnenfinsternis oder den ersten Menschen bucht. Ein paar Ideen für unvergessliche Urlaubserlebnisse.

Bernd Willinger

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Reisen bildet, sagt man. Das gilt vor allem dann, wenn man nicht nur Neues probiert, sondern sogar reist, um zu lernen: Kulturtouren und Bildungsreisen sind schwer gefragt.

Wir haben einmal etwas andere Reisevorschläge zusammengetragen, die individuellen Urlaub und Wissenschaft kombinieren. Den preiswertesten Tipps kann man für 10 Euro folgen, für den teuersten werden stolze 8500 Dollar fällig. Alle aber versprechen Erlebnisse, die definitiv nicht jedermann hat.

Schweiz: Astrofotografiekurse in Alpenluft

Sie fotografieren gern? Fein, dann fotografieren Sie doch einmal etwas anderes.

Milchstraße vor Panorama des Piz Terza
Vaclav & Jitka Ourednik

Milchstraße vor Panorama des Piz Terza

Das Münstertal liegt im rätoromanischen Grenzgebiet zu Italien und Österreich, wenn man so will, also im letzthinteren Winkel Graubündens: Im Umkreis von rund 200 Kilometern gibt es keine Großstadt. Es macht das von mächtigen Bergen eingefasste Tal nachts zu einem der dunkelsten Orte der Schweiz.

Dass es dort zudem 250 Sonnentage und bis zu 150 sternklare Nächte im Jahr gibt, macht das spärlich besiedelte Tal nicht nur zu einem Top-Spot für Wanderungen, Bergtouren und Wintersport, sondern auch für die Beobachtung des Himmels. Seit 2009 kann man in der für Laien zugänglichen Sternwarte von Lü (65 Einwohner) auf 1935 Metern Höhe lernen, wie man den Himmel beobachtet und fotografiert.

Astrofotografiekurse im "Alpine Astrovillage" sind auf zwei bis vier Tage angesetzt, kombinieren lässt sich das je nach Jahreszeit mit diversen anderen Aktivitäten. Der viertägige Astrofotografiekurs inklusive Einführung in die fachspezifische Bildbearbeitung kostet 595 Franken, kürzere Schnupperkurse sind preiswerter, auch stundenweise kann man sich einmieten. Die Übernachtung gibt es im Tal ab circa 60 Euro. Für Schweizer Verhältnisse ist das Val Müstair eine wahre Schnäppchen-Ecke!

Alternativen:

Wandern extrem: Wohin nu, Gnu?

Naturspektakel: Die "Great Migration" der Serengeti-Herden
REUTERS

Naturspektakel: Die "Great Migration" der Serengeti-Herden

Rund zwei Millionen Tiere bewegen sich jedes Jahr zwischen Kenia und Tansania durch die Serengeti: Gnus, Zebras, Gazellen und Antilopen. Sie legen dabei rund 3000 Kilometer zurück, und zahlreiche Raubtiere begleiten ihren saisonalen Treck.

Im Grunde kann man ihre endlose Wanderung zu jeder Jahreszeit begleiten - aber es gibt besonders interessante Zeiten. In den Monaten Februar und März werden im nördlichen Tansania ihre Jungen geboren, kurz vor Beginn der Regenzeit. Das ist auch die ideale Reisezeit, in der sich die riesigen Herden auf dem Gebiet leidlich gut geschützter Reservate aufhalten.

Wo die migrierenden Massen gerade sind, kann man beispielsweise über den Gnu-Finder herausfinden. Es ist ein Tool, das als Buchungshilfe gedacht ist: Wenn man schon auf Fotosafari geht, dann doch am besten dahin, wo gerade etwas zu sehen ist. Klar, dass der Finder den Link zu passenden Safaris gleich mitbringt (14 Tage inklusive vier Tage finales Erholen am Strand circa 3500 Euro).

Wer es noch exklusiver mag, auf wissenschaftlicher Führung besteht und sich natürlich auch von einem waschechten Paläo-Anthropologen die Relevanz fossiler Backenzähne erläutern lassen will, greift noch tiefer in die Tasche und reist beispielsweise mit der Smithsonian Society (12 Tage ab circa 8500 Dollar).

Gnus und Co. sind nichts für Sie? Dann planen Sie Ihren Urlaub doch einfach um die Beobachtung anderer Tiere herum. Trackingdienste wie Movebank sorgen für Orientierung: Wo läuft da gerade was?

Südafrika: in der Wiege der Menschheit

Führung durch die Sterkfontein-Höhlen
AP

Führung durch die Sterkfontein-Höhlen

Urlaub in Südafrika spielt sich für die meisten Touristen zwischen Strand, Naturpark und Metropolen ab: Anthropologische Museen und Paläo-Fundstätten dagegen gehören meist nicht unbedingt zum Standard-Ausflugsprogramm. Sollten sie aber, denn insbesondere die Gegend um Sterkfontein nahe Johannesburg heißt nicht zu Unrecht "Die Wiege der Menschheit".

In der Region wurden rund 40 Prozent aller bisher bekannten Fossilien unserer Vorfahren gefunden: Der Mensch ist ein Geschöpf Afrikas, und Australopithecinen gehören zu deren frühesten. Ihre Funde bei Sterkfontein reichen zwei bis vier Millionen Jahre weit zurück. Seit 1999 haben die Südafrikaner einige der Fundhöhlen zugänglich gemacht und ein großes Besucherzentrum gebaut. Rundherum sprießt seitdem ein vielfältiger Tourismus, der einen Bogen von Entertainment über Naturerlebnisse bis hin zur Wissenschaft spannt.

Die Uni Witwatersrand ist an der Schulung der Touristen-Guides beteiligt, die Informationstiefe bleibt aber natürlich auf das für Publikumsführungen übliche Maß beschränkt.

Wer tiefer eintauchen will, lässt sich von Fachwissenschaftlern führen. Zurzeit bietet das in Johannesburg kommerziell nur das Unternehmen Paleotours regelmäßig an (Preise nur auf Anfrage, Preisniveau solcher Touren in Südafrika: um 90 bis 140 Euro pro Tag). Preisgünstiger ist das, wenn man Sonderführungen des Maropeng-Besucherzentrums nutzt, bei denen man auch Teile der Fundstätten zu sehen bekommt, die sonst nicht zugänglich sind. Ob und wann so etwas stattfindet, erfährt man auf Anfrage.

Wem das alles zu Paläo ist, der stürzt sich halt in Wellness, hebt per Ballon ab oder heiratet in der Wiege der Menschheit, seilt sich bei Höhlenforschungs-Anfängerkursen in Fledermaushöhlen ab oder lässt sich von Astronomen den Himmel erklären. Sterkfontein steht auch für den Versuch, einen Paläo- und Wissenschaftstourismus zu etablieren: Die Konzepte dafür entstehen an der Uni Witwatersrand.

Licht aus: zweieinhalb Minuten Nacht am Tag

Sie haben schon einmal eine totale Sonnenfinsternis gesehen? Dann könnten Sie sich die am 21. August 2017 prinzipiell sparen, denn im Grunde sehen die alle gleich aus: Der Mond schiebt sich vor die Sonne und deckt sie völlig ab, für wenige Minuten wird es Nacht. Nach 2 Minuten und 40 Sekunden wird dieser Zauber im nächsten Jahr vorbei sein, und doch werden sich wohl Hunderttausende Menschen an die Orte bewegen, wo man dieses seltene Naturschauspiel in seiner ganzen Pracht erleben kann.

Totale Sonnenfinsternis (Archivbild)
DPA

Totale Sonnenfinsternis (Archivbild)

Das Gute daran? Das wird auf einer geografischen Linie geschehen, die von South Carolina im Südosten der USA diagonal einmal durch den nordamerikanischen Kontinent bis hinauf nach Oregon im Nordwesten führt. Beste Beobachtungschancen hat man wegen der dort eher seltenen Bewölkung in Nevada, das beste Sightseeing-Beiprogramm im Yellowstone-Nationalpark. Passen Sie nur auf, dass Sie kein Bär beißt, während Sie den Kopf im Nacken haben.

PS: Sollten Sie die Finsternis aus irgendwelchen Gründen verpassen: Die nächste "Totale" folgt schon am 2. Juli 2019 in Argentinien, gefolgt vom 8. April 2024 in den USA und vom 12. August 2026 in Europa. Alternativ böte sich auch noch der 4. Dezember 2021 an, allerdings ist die nur in der Antarktis sichtbar. Immerhin herrscht dort dann Hochsommer.

Kurztrip: der ultimative Appetizer

Keine Zeit, keine Lust, kein Geld? Kein Problem: Von den Wundern der Natur kann man sich auch mit weniger Aufwand beeindrucken lassen.

Ausstellung "Wunder der Natur", Gasometer Oberhausen
AP

Ausstellung "Wunder der Natur", Gasometer Oberhausen

Zum Beispiel in einem Gebäude, das im Grunde ein 118 Meter hohes und 68 Meter durchmessendes Stahlfass ist: Der Gasometer Oberhausen ist eine der spektakulärsten Ausstellungshallen des Landes. Und ab und an gelingt es den Veranstaltern dort, Events und Ausstellungen zu kreieren, die wirklich ihresgleichen suchen.

"Die Wunder der Natur", soeben bis Ende November 2017 verlängert, ist so ein Ding. Es ist die Dunkelheit, die die 150 riesigen, oft spektakulären Fotos und Filme berühmter Naturfotografen so leuchten lässt. Vor allem aber sind es die Größen: Im Rottweiler-Maßstab kennt man Schmetterlinge sonst nicht wirklich, und auch der Blick ins Gesicht eines Mit-Primaten ist umso berührender, wenn seine Augen fußballgroß staunen.

Spätestens im Amphitheater unter dem Dach, wo sich scheinbar schwerelos eine 20 Meter durchmessende Erde dreht, ist die Überwältigung erreicht: Wolken ziehen über diesen Globus, der fast 100 Meter über Grund schwebt - eine unwirkliche Szene, bei der Astronautengefühle aufkommen. Das alles mitten im Ruhrgebiet, Erwachsene 10 Euro, Kinder 7 Euro.

Ach ja: Und im Winter unbeheizt! Sollte man wissen.



insgesamt 2 Beiträge
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MatthiasGraner 04.01.2017
1. zur Sonnenfinsternis in den USA
Der Artikel strotzt voller Fehler. Im Detail: In Nevada mag das Wetter gut sein. Aber dort ist man rund 500 Meilen zu weit südlich, um die Totalität zu sehen. Was für ein erbärmlicher Vorschlag! Yellowstone NP: Tja, der ist nun wieder ein Tacken zu weit nördlich. Teton National Park wäre eine sinnvolle Empfehlung, aber dort ist jetzt definitiv keine Unterkunft mehr rund um den 21. August zu bekommen! Hat sich Herr Patalong eigentlich mal die empfohlene Karte im Detail angeschaut??? http://xjubier.free.fr/en/site_pages/solar_eclipses/TSE_2017_GoogleMapFull.html Dann hätte er gesehen, dass weder Nevada noch der Yellowstone NP in der Totalitätszone liegen! Und schließlich: "im Grunde sehen die (also: die Sonnenfinsternisse, M.G.) alle gleich aus." Ja klar! Auch Opern sehen alle gleich aus. Rein ins Opernhaus: Licht aus, Musik, Gesang; Licht an. Raus ausm Opernhaus. - Oder Fußballspiele: 22 Spieler, Das Runde muss ins Eckige ... Ist ja alles das Gleiche! Oder? See you in Wyoming! M.G.
vogtnuernberg 24.02.2017
2. Danke Matthias Graner
Das wollte ich auch gerade schreiben. Es ist wirklich unglaublich, was SPON da postfaktisch von sich gibt und schreibt. Wer näheres zur totalen Sonnenfinisternis wissen will, sollte die Seite der Great American Ecplise besuchen, dort wird auch gezeigt, dass die Sofi in Nevada und im Yellowstone nicht total sein wird. Die besten Aussichten hat man übrigens an der Grenze zwischen Kentucky und Tennesee, oder in der Nähe von North Platte Nebraska.
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