Bianca Jagger im Solartaxi "Runter mit den Emissionen"

Das Solartaxi kreuzt über die Klimakonferenz - ganz ohne Emissionen. Bianca Jagger steigt ein und ist begeistert. So kommt auch Louis Palmer zu einem Ticket für Al Gore, der unter heftigem Applaus die USA anklagt.


Obwohl die Weltklimakonferenz erst morgen zu Ende geht, können wir schon jetzt das Fazit für unseren Besuch ziehen: Mission erfüllt. Während drinnen darüber gefeilscht wurde, ob bis im Jahr 2020 die CO2-Emissionen um 10 oder 20 oder 40 Prozent gesenkt werden sollten, konnten wir zeigen, dass da ein kleines Auto um die Erde fährt, ganz ohne Emissionen.

Erik und Thomas passten den New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg bei einem Event ab. Bloomberg hat die Hoffnung, in den nächsten fünf Jahren sämtliche New Yorker Taxis durch Hybrid-Fahrzeuge zu ersetzen. Leider hatte er keine Zeit, eine Runde im Solartaxi zu drehen, dafür bekamen wir eine Einladung in die City Hall in New York im nächsten Sommer.

Generell merken wir, dass die Verhandlungen lang und mühsam sind – kaum ein Minister lässt sich blicken. "Bis 2020 runter mit den Emissionen um 100 Prozent!", ruft Bianca Jagger, Vorsitzende des Weltzukunftsrates. "Ich fahre selber nicht Auto – aber bei euch mache eine Ausnahme!" Sie setzt sich neben mich, los geht's. Bianca ist vom Solartaxi begeistert, sie hat ihr Traumauto gefunden. Wir sind uns einig, zusammen mit allen Ministern, die uns bisher begegnet sind: Eine Reduktion der Autoabgase um 25 Prozent, wie es von den Autoherstellern angeboten wird, ist nicht genug. Es müssen – und können – 100 Prozent sein!

"Ich habe noch ein Ticket frei!" sagt mir Bianca, und meint damit den Vortrag von Al Gore, der gleich beginnen wird. Während Erik und Thomas am Eingang, wo das Solartaxi geparkt ist, noch auf Gore warten, nehme ich ganz vorne in der Mitte den besten Platz ein – keine fünf Meter vom Rednerpult. Neben mir sitzt ausgerechnet die amerikanische Delegation. Gore nimmt kein Blatt vor den Mund, er macht Amerika für einen Viertel des Problems verantwortlich. Tobender Applaus. Nur die Delegierten neben mir versuchen cool zu bleiben.

Dann kommt der neue Friedensnobelpreisträger Rajendra Pachauri in den Saal rein – direkt zurück von der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo. Erneuter Applaus, vor allem als der IPCC-Vorsitzende aus dem Stand auf die Bühne springt. Gore und Pachauri, die beiden Friedensnobelpreisträger, umarmen sich, der Saal tobt. Als wieder Ruhe einkehrt, meint Gore, dass wir zwei Möglichkeiten haben: Entweder hassen wir jetzt die Amerikaner. Oder wir verhandeln weiter und lassen in unserem Notizblock ein paar Seiten frei - für später.

Thomas und Erik hatten zu lange auf Gore vor dem Solartaxi gewartet (wo er von einer Horde Bodyguards geführt nur vorbeirauschte) und kamen trotz heftiger Verhandlungen mit der Uno-Polizei nicht mehr in den Saal. Sie waren erst ein bisschen sauer, aber es hatte sein Gutes: Pachauri lief Thomas direkt in die Arme. Er kannte uns noch von unserem Besuch in Delhi, und er buchte das Solartaxi gleich für Morgen um 8.30 Uhr.

Der Tag endet, als ich Bianca in ihr Hotel zurückfahre. Sie möchte mich noch zu einem Drink einladen. Doch ich bin zu müde. Müde, aber glücklich nach einer ereignisreichen Woche.

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