Bikeparks in den Alpen Achtung, da fliegt ein Rad

Abgefahren! So früh wie in diesem Jahr haben die Downhill-Biker die Skifahrer und Snowboarder noch nie aus ihrem Revier verdrängt. Wo gerade noch Wintersportler unterwegs waren, flitzen - ach was - fliegen jetzt die Mountainbiker bergab.

Christian Waldegger

In den Alpen sind die Radabenteurer los. Immer mehr Bergbahnen rüsten ihre Anlagen für den Transport von Mountainbikes um, richten Strecken für adrenalinfördernde Abfahrtserlebnisse per Pedale ein und verkaufen Tageskarten an Tiefenmetersammler auf zwei Rädern. In den ersten Bikeparks hat die Saison jetzt schon begonnen. Hier fahren Sie in diesem Frühling und Sommer ins Downhill-Abenteuer.

Bikepark Samerberg an der Hochries, Oberbayern

Den Anfang machte schon am 1. April der vor drei Jahren eröffnete Bikepark Samerberg an der Hochries. Er punktet mit der schnellen Erreichbarkeit aus dem Münchner Umland. Eine breit angelegte, durch dichten Wald führende Freeride-Strecke entlang des unteren Abschnitts der Hochriesbahn bildet das Rückgrat des Parks. Sie ist flowig angelegt, hat zahlreiche Anliegerkurven und ist auch für Einsteiger gut zu bewältigen. Für Könner gibt es Northshore- und Singletrail-Varianten mit Drops von bis zu fünf Meter Höhe. In der Umgebung können XC-Biker ein über 200 Kilometer langes Wegenetz abradeln.

Bikepark Hindelang, Allgäu

Ab Ende April stehen auch die drei Strecken des Bikeparks Hindelang wieder zur Verfügung. Die längste misst 5,9 Kilometer und führt von 1320 auf 797 Meter hinunter. Extrem schwer ist der 3,4 Kilometer lange Black Course, von dem aus man auch einen 200 Meter langen Northshore-Parcours erreicht. Bergauf geht es bequem in fünf Minuten in den Gondeln der Hornbahn. An der Talstation ergänzen ein Kinderparcours und ein Dirtpark das Angebot. Fahrtechnikkurse für alle Level, Mountainbike-Camps, Shop, Verleih und Waschplatz zählen ebenfalls zum Angebot.

Bikepark Leogang, Salzburger Land

Die Mutter der alpinen Bikeparks ist das WM-erprobte Gelände in Leogang mit einer enormen Streckenvielfalt. Neu ist der Singletrail von der Bergstation der Asitzbahn. Damit locken hier nunmehr 5,8 Kilometer ununterbrochener Freeride-Spaß, der Abschnitt ab der Mittelstation ist auch für Anfänger geeignet. Allein dieser ist mit 39 Wallrides, neun Tables, 22 Doubles, Step Up, 18 Roller Bumps und zwei Holzbrücken bestückt. Einzigartig ist auch der Bagjump - ein riesiges Luftkissen, an dem ambitionierte Biker gefahrlos neue Sprünge trainieren können.

Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis, Tirol

Der jüngste Park der Alpen eröffnet Anfang Juni die Saison 2014. Die Streckengestaltung ist kreativ, eines der Highlights ist der Drop über einen Heustadl. Strecken unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade führen aus 1830 Meter Höhe zur Talstation der Waldbahn, wo eine perfekt angelegte Slopestyle Area, ein Pumptrack, ein Übungsparcours und ein Kids Park das Angebot abrunden. Der Shop ist gut sortiert, und es gibt eine Technikschule. Die Kinderschnupperkurse beinhalten Guide, Ausrüstung und das Parkticket. Der Einstieg wird so wirklich leicht gemacht.

Bikepark Verbier, Wallis

Hochalpin geht es hier zur Sache. Zwei neue mittelschwere Downhillstrecken starten am 2475 Meter hohen Gipfel des Fontanet. Die Bortabitch ist ein flowiger Freeridetrail mit North-Shore-Passagen, die Rôdze zählt 65 Sprünge und besticht durch das atemberaubende Panorama von Montblanc, Grand Combin und Dents du Midi. Das Angebot an Downhill-Strecken ergänzen 500 Kilometer XC-Trails sowie rund 200 Kilometer sogenannter Enduro-Trails. Die beziehen Bergbahnen und Buslinien ein und bieten so bei kurzen Aufstiegen aus eigener Kraft lange, genussvolle Abfahrten.

Bikepark Livigno, Lombardei

Verbier hat mit seinen neuen Strecken Livigno als höchstgelegenen Bikepark der Alpen abgelöst. Die blau und rot markierten Freeride-Abfahrten schlängeln sich mit vielen kleinen Sprüngen und durch zahlreiche Anlieger ins Tal und sind bis zu 4,5 Kilometer lang. Die Downhill-Strecke, 2005 Austragungsort der Weltmeisterschaften, folgt meist der Falllinie und ist teilweise sehr steil. Abseits des Parks gibt es Hunderte Kilometer Cross-Country-Trails zu entdecken, viele davon sind mit einem Shuttle-Bus angebunden.

Bikeparks in Portes du Soleil

An der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich sorgen im Sommer 24 Bergbahnen für den Auftransport von Tourenfahrern, denen 850 Streckenkilometer zur Verfügung stehen. Unter den vier Bikeparks der Region sticht der von Châtel besonders hervor. Mit seinen rund 20 Abfahrten ist er der größte der Alpen. Die Bandbreite der Downhill-Trails, die alle gut beschildert sind, reicht von Varianten für Einsteiger über sportliche Abfahrten bis zu heftigen Mutproben. Das Beste: Das gesamte Angebot lässt sich mit einem Liftpass erfahren - und auf dem Parkplatz kann man kostenlos campen.

Weitere Informationen
Samerberg
www.bikepark-samerberg.de
Seit 1. April, täglich von 9 bis 18 Uhr
Tageskarte: 29 Euro (10 Fahrten)
Lift: Sesselbahn
Strecken: 1, 220 Höhenmeter, 2,2 Kilometer
Hindelang
www.bikepark-hindelang.de
Ab 28. April, täglich von 9 bis 17 Uhr
Tageskarte: 22 Euro
Lift: Gondelbahn
Strecken: 3, 523 Höhenmeter, 9 Kilometer
Leogang
www.bikepark-leogang.com
Ab 15. Mai donnerstags bis sonntags, ab 4. Juni täglich von 9 bis 16.30 Uhr
Tageskarte: 34,50 Euro (gültig ab 15 Uhr des Vortages)
Lift: Gondelbahn
Strecken: 9, 904 Höhenmeter, 11 Kilometer
Serfaus
www.bikepark-sfl.at
Ab 7. Juni, täglich von 9 bis 17 Uhr
Tageskarte: 33 Euro
Lift: Gondelbahn
Strecken: 5, 417 Höhenmeter, 8,5 Kilometer
Verbier
www.verbierbikepark.ch
Ab 7. Juni am Wochenende, ab 23. Juni täglich von 9 bis 16.30 Uhr (Ferien von 8 bis 17.30 Uhr)
Tageskarte: 34 Franken (rund 28,70 Euro)
Lift: Gondelbahnen
Strecken: 7, 940 Höhenmeter, 12 Kilometer
Livigno
www.mottolino.com
Ab 8. Juni täglich von 9 bis 17 Uhr
Tageskarte: 27 Euro
Lift: Gondelbahn
Strecken: 11, 566 Höhenmeter, 17 Kilometer
Châtel
www.mountainbikeparkchatel.com
Ab 14. Juni am Wochenende, ab 27. Juni täglich von 9 bis 17 Uhr
Tageskarte: 24 Euro
Lift: Sesselbahnen
Strecken: 20, 644 Höhenmeter, 40 Kilometer

Christoph Schrahe/srt/leh

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
micha-mille 09.04.2014
1. Mal sehen...
Zitat von sysopTVB Abgefahren! So früh wie in diesem Jahr haben die Downhill-Biker die Skifahrer und Snowboarder noch nie aus ihrem Revier verdrängt. Wo gerade noch Wintersportler unterwegs waren, flitzen - ach was - fliegen jetzt die Mountainbiker bergab. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/bikeparks-in-den-alpen-auf-dem-mountainbike-downhill-a-963407.html
Mal sehen, wie viele Beiträge es braucht, bevor die ersten mit dem Tenor "braucht man nicht, die machen alles kaputt und verängstigen die Wanderer" kommen. ;-) Ich finde es klasse und bewundere die, die da rum hüpfen und fliegen, als gäbe es keine Schwerkraft.
rudi.waurich 09.04.2014
2. Früher
als alles noch besser war, war es gegen die Ehre irgendwo per Seilbahn hochzufahren. Motto: Wo man nicht mit eigenem Antrieb, sprich Wadeln, hochkommt, hat man auch nicht runter zu fahren. Ich fand's gut. Leider kommt man auch mit den Downhill - Bikes keinen Berg hoch.
Tiben 09.04.2014
3. Vormachen,.. ;)
Zitat von rudi.waurichals alles noch besser war, war es gegen die Ehre irgendwo per Seilbahn hochzufahren. Motto: Wo man nicht mit eigenem Antrieb, sprich Wadeln, hochkommt, hat man auch nicht runter zu fahren. Ich fand's gut. Leider kommt man auch mit den Downhill - Bikes keinen Berg hoch.
Die Alpen? Mit einem Downhiller oder Freerider erstrampeln? Na dann viel Spass, ich warte derzeit schon mal oben ;) Besagte Bikes sind in den Punkten Geometrie, Federweg sowie Übersetzung für Abfahrten und Sprünge optimiert. Was sie suchen nennt sich "Alpencross", da sind sie mit einem All-Mountain oder Enduro oder einem robusten Hardtail besser bedient. Es sind aber auch generell zwei ganz unterschiedliche Arten zu fahren, ähnlich wie es sich mit Abfahrtsski und Langlauf verhält. Leogang kann ich übrigens nur empfehlen. Wahnsinnig spaßiger Park. Übrigens, seh ich sie dann im Winter mit Ski/Snowboard auf dem Rücken, den Berg hochklettern? ;)
sändling 09.04.2014
4. Der Wintersport geht ...
... der Bikesport kommt. In Österreich hat man schon begriffen, dass Bike-Parks viele Besucher (samt ihren Geldbörsen) in die Region ziehen und gleichzeitig die Probleme auf den Wanderwegen minimieren, weil die Bikerströme sinnvoll kanalisiert werden. Schön wäre es, wenn auch hierzulande mehr Bike-Parks entstünden. Im Sudelfeld zum Beispiel, statt eines Stausees und einer Armee von Schneekanonen. Gut per Bahn zu erreichen ist das Gebiet auch noch (BOB nach Bayerischzell). Leider werden die Biker oft noch misstrauisch betrachtet, weil sie halt neu und bunt und vogelwild rüberkommen - und wo kämen wir denn da hin ...
rudi.waurich 09.04.2014
5. @ Tiben
Guter Versuch, mein Alpencrosser wiegt ca. 9,5 kg, ich will hier keine Namen nennen. :) Eine Zeitlang haben wir Uli S's Transalp den ganzen Sommer über nicht aus der Hand gelegt, und sind dann nach Frankreich gefahren, weil die üblichen Trails hier uns einfach zu voll waren. Das mit den Fellen unter den Ski haben wir zugegebenermaßen aus Altersgründen aufgegeben.
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