Biokurse für Taucher Meer verstehen

Nach dem Tauchgang auf die Schulbank: In meeresbiologischen Instituten können auch Hobbytaucher lernen, was es mit dem ganzen bunten Gewusel im Wasser auf sich hat. Die Bandbreite der Kurse ist groß - von "Methoden der Unterwasserforschung" bis zu "Sex im Meer".


Flensburg/München - Fische gucken, Wracks ansteuern, Haie füttern, Fotos machen, nachts tauchen - die Unterwasserwelt bietet endlos viele Möglichkeiten für abwechslungsreiche Erkundungstouren. Doch vielen Sporttauchern reicht es auf Dauer nicht, im Urlaub die Highlights der Unterwasserwelt abzuhaken. Sie wollen verstehen, welche Regeln das Leben in den Meeren bestimmen, warum Korallen bleichen oder Fische Schwärme bilden. Antworten darauf geben meeresbiologische Institute und freiberufliche Experten. Die Palette der angebotenen Bioseminare ist groß. Von der Diashow in der Eckkneipe bis zum Tropenurlaub unter fachkundiger Leitung ist alles dabei.

"Wir wollen Aha-Erlebnisse vermitteln", sagt der Biologe Stephan Pfannschmidt, Mitbegründer des in München beheimateten Hydra Instituts für Meereswissenschaften. "Es ist für Sporttaucher spannend, auch mal eine Handvoll Sand auszusieben und die Tiere der Sandlückenfauna unter dem Mikroskop zu betrachten." Hydra bietet seit 13 Jahren meeresbiologische Seminare auf der italienischen Mittelmeerinsel Elba an. Neben "Allgemeiner Meeresbiologie", "Mariner Zoologie", "Marinen Lebensräumen" und den "Fischen des Mittelmeeres" stehen dort auch "Methoden der Unterwasserforschung" auf dem Plan.

"Jeder Kurs dauert zehn Tage", sagt Pfannschmidt. "Nach einem Tauchgang am Morgen, der jeweils unter einem thematischen Motto steht - beispielsweise Lebensraum Seegraswiese oder Lebensraum Sandgrund - geht es am Nachmittag in den Kursraum." Dort könnten die Teilnehmer mit Mikroskopen und Stereolupen den im Meer gesammelten Pflanzen und Tieren zu Leibe rücken. Inklusive Unterkunft in Mehrbett-Appartements und den Tauchgängen kostet ein Kurs bei Hydra rund 700 Euro.

Tauchen und lernen

Nach dem gleichen Muster verlaufen die Kurse auf der Nachbarinsel Giglio, wo das private Institut für Marine Biologie (IfMB) eine Außenstelle betreibt. Das Institut besteht seit 1988 und ist der Prototyp für derartige Einrichtungen. Zur Auswahl stehen Kurse über "Die küstennahen Lebensräume des Mittelmeeres" und die "Probleme eines Binnenmeeres". Vier sogenannte Biokurs-Einheiten im Kursraum, die jeweils rund drei Stunden dauern, und fünf Tauchgänge mit eigener Ausrüstung kosten 190 Euro, ohne Unterkunft und Anreise.

Neben der permanenten Feldstation auf Giglio betreibt das in Flensburg ansässige Institut von April bis August an der dänischen Ostseeküste eine weitere Außenstelle. In Brunsnaes können Sporttaucher bei Wochenendseminaren erste Einblicke in die Meeresbiologie und die Umweltprobleme der Ostsee gewinnen. "Im Umweltkurs setzen sich die Teilnehmer zum Beispiel mit den Folgen der Überdüngung auseinander", sagt der Meeresbiologe Claus Valentin, der das IfMB gegründet hat. Sie untersuchten selbst, wie sich die Sauerstoffkonzentration des Wasser und die Zusammensetzung des Planktons verändern. Vorkenntnisse seien nicht erforderlich.

Weniger wissenschaftlich als bei den Privatinstituten lesen sich die Titel der Seminare, die der Biologe Uli Erfurth aus Weimar unter dem Namen Bionaut anbietet: etwa "Sex im Meer", "Mythos Killerhai" oder "Akte X: Süßwasser".

"Wenn ich einen Kunden auch ein zweites Mal haben möchte, darf der Stoff nicht zu trocken und zu schwer sein", sagt Erfurth. Seine "Bio-Entdeckerkurse" klingen schon eher nach Lehrplan: "Was lebt im See?" und "Was lebt im Mittelmeer?".

Der biologische Alleinunterhalter hält 90-Minuten-Vorträge im Clubheim des Tauchvereins - beispielsweise zur Vorbereitung auf den gemeinsamen Tauchurlaub -, begleitet aber auch einwöchige Tauchkreuzfahrten im Roten Meer. Für ein Wochenendseminar zu den Themen Süßwasserbiologie, Gewässeruntersuchung oder Meeresbiologie verlangt Erfurth rund 800 Euro Honorar. Bei maximal 20 Teilnehmern - so viel Stereolupen hat er im Gepäck - sind das knapp 40 Euro pro Person. Reisekosten für den Dozenten kommen noch hinzu.

Pflicht für angehende Tauchlehrer

Ausschließlich in sehr warmen Gefilden arbeitet das Team des österreichischen Biologen Robert Hofrichter. Sein Red Sea Environmental Centre (RSEC) unterhält Feldstationen in El Quseir und Dahab an der ägyptischen Küste des Roten Meers. Sporttaucher haben die Wahl zwischen Tauchgängen in Begleitung eines Biologen (ab 30 Euro) und mehrtägigen Kursen (sechs Tage ab 100 Euro).

Ebenfalls in Dahab befindet sich das DiveIn-Tauchzentrum. Die Basis arbeitet mit dem ägyptischen Dahab Marine Research Center zusammen und wirbt damit, vom Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) als "Ausbildungszentrum Meeresbiologie" anerkannt zu sein.

Eine Anerkennung durch den VDST haben allerdings fast alle bisher genannten Anbieter. Das ist wichtig für Taucher, die Mitglied eines Vereins sind und nach dem Grundkurs die weiteren Stufen der Karriereleiter des Tauchlehrers erklimmen wollen. Unter www.umwelt.vdst.de bietet der Tauchverband eine Übersicht über autorisierte Biologieseminare.

Die erfolgreiche Teilnahme an einem solchen Seminar ist eine Voraussetzung, die angehende Tauchlehrer erfüllen müssen. Schließlich sollen sie Anfängern die Welt unter Wasser zeigen und erklären können, warum man Korallen besser nicht mit den Flossen erschlägt und das Schilf am Seeufer meidet.

Arnd Petry, dpa



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