Belize Leonardo DiCaprio baut Öko-Hotel auf Privatinsel

Als Gast von Leonardo DiCaprio: Der Hollywoodstar lädt künftig zum Luxusurlaub auf seine karibische Privatinsel. Blackadore Caye heißt die wilde Schönheit, die er für seine Art von Ökotourismus allerdings erst mal bebauen muss.


Umweltaktivist ist er bereits. Nun wird Leonardo DiCaprio Hotelier. Der 40-jährige Hollywoodstar baut ein Öko-Resort auf einer Privatinsel vor der Küste von Belize. Ab 2018 sollen Touristen ihre dicken Brieftaschen in dem Luxushotel erleichtern können, einen Longdrink in der Hand, das Karibische Meer im Blick.

Sein Anspruch ist dabei kein geringerer, als "die Welt zu verändern". Einfach in Belize eine Insel bebauen, ohne Nutzen für die Umwelt - das hätte er sich laut der "New York Times" nicht vorstellen können. Der US-Schauspieler, ein begeisterter Taucher, war 2005 erstmals in dem Land und schwärmt von der Artenvielfalt unter Wasser, den Manati-Seekühen und dem zweitgrößten Korallenriffsystem der Welt. "Ich hab mich sofort verliebt", sagt DiCaprio, "Belize ist wirklich einzigartig."

Darum wolle er auch nicht ein bloß umweltverträgliches Projekt umsetzen, sondern eines, bei dem sich die Natur regelrecht erholen könne. Gesunden von der Ausbeutung des Menschen. Denn über Jahrhunderte hatten Fischer die Hoheit über Blackadore Caye. Leergeangelte Meere und Küstenerosion seien die Folge, heißt es in der "New York Times", die DiCaprios Baupläne als Erste veröffentlichte. Fischer hätten die Mangrovenwälder abgeholzt, um ihren Fang überm Feuer zu räuchern, bevor er auf Mexikos Märkten landete. Sie hätten Palmen gerodet und nichts als leere Muschelschalen auf der Sandinsel hinterlassen.

Strand, Infinity Pool, Aquamarin

Auf dass dieses Stück Erde eine Zukunft habe, nahm DiCaprio 1,75 Millionen US-Dollar in die Hand (umgerechnet rund 1,6 Millionen Euro), kaufte das Eiland und spielt nun Inselretter. Unter dem Namen "Blackadore Caye, a Restorative Island" wird ein Urlauberparadies entstehen, das aussieht, wie Urlauberparadiese eben aussehen - mit Villen im Meer, Infinity Pool, und wo man auch hinblickt: Aquamarin.

Die Gästehäuser sollen auf einer Plattform stehen, die sich bogenförmig vor der Küste ausdehnen wird - direkt über einem künstlichen Riff. "Es wird eine unglaubliche Privatinsel", sagt DiCaprio, der sich auch für den WWF und Tiger in Nepal einsetzt. "Wir wollen zeigen, was möglich ist." Systeme zum Filtern der Luft und des Wassers sollen für das perfekte Atem- und Trinkerlebnis sorgen, spezielle an den Tagesrhythmus angepasste LED-Leuchten dem Gast einen erholsamen Schlaf bescheren.

Neben diesen reichlich unnütz anmutenden Extras preist der Architekt Jason McLennan aber auch ein paar ökologisch wertvoll scheinende Ideen an. Er will Plastikflaschen verbieten und die Meeresbrise nutzen, um die 68 geplanten Gästehäuser zu kühlen. Bezüglich der Wasser- und Energieversorgung soll die Anlage autark sein, knapp die Hälfte von Blackadore Caye wird zum Naturschutzgebiet erklärt.

So soll vor allem die Insel zu ihrem Recht kommen. Um zu überwachen, wie sich Flora und Fauna unter dem Vorhaben entwickeln, hat ein Forscherteam mehr als 18 Monate auf Blackadore Caye verbracht und den Zustand vor Ort dokumentiert. Landschaftsarchitekten, Ingenieure und Designer haben einen Plan geschmiedet, wie sich Tourismus und Umwelt vertragen sollen.

Grüner schlafen bei Marlon Brando

Wissenschaftlich fundierter Urlaub - vielleicht soll das von einem Aspekt ablenken, den Umweltschützer prompt nach Bekanntgabe der Baupläne kritisierten: "Wie kann LeoDiCaprio so etwas Öko-Resort nennen?", fragte Blue Planet auf Twitter und verwies darauf, dass die Insel zuvor unbewohnt gewesen und ihre Artenvielfalt seit 1970 um 50 Prozent geschrumpft sei. Die Non-Profit-Organisation fordert den Star auf, Blackadore Caye zu schützen, statt es touristisch zu erschließen.

DiCaprio ist nicht der erste US-Schauspieler, dessen Name im Zusammenhang mit luxuriösem Ökotourismus steht. 2014 eröffnete auf dem Tetiaroa-Atoll nahe Tahiti das "The Brando". Hollywoodikone Marlon Brando hatte die Insel Onetahi nach dem Dreh des Films "Meuterei auf der Bounty" gekauft und dort seit 1965 viel Zeit verbracht. Kurz nach seinem Tod im Jahr 2004 traten die Erben der Filmlegende die Nutzungsrechte an ein polynesisches Hotel- und Kreuzfahrtunternehmen ab, das 35 Villen errichtete - mit Privatstrand, Pool, Klimaanlage.

Dass grüner Tourismus in der Südsee oder der Karibik immer ein Geschmäckle hat, kritisieren Naturschutzverbände, aber auch Touristikexperten. "Kein Hotel ist wirklich nachhaltig, wenn du fliegen musst, um dorthin zu gelangen", sagt Jan H. Katz, Dozent an der Cornell School of Hotel Administration, der "New York Times". Wer sich wirklich für die Umwelt interessiere, solle lieber Geld für ein Naturschutzprogramm spenden - statt auf eine abgelegene Insel zu fliegen, um dort Müll zu produzieren.

jus

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
dbrown 08.04.2015
1. Sehr löblich, nur
schade, daß diort nur die Super-Reichen übernachten, denen es doch vollkommen wurscht ist, ob der laden öko ist oder nicht. Wie kommen die denn da hin?? Doch nur per Jet, Hubschrauber, MEga-Yacht oder sonst wie. fazit? Vollkommener Humbug.
EvenD 08.04.2015
2.
Aber zur Anreise erstmal tausende Liter Kerosin und Schiffsdiesel verheizen. Tolle Wolle.
uksubs 08.04.2015
3. ich will hoteldirektor
dort werden. wie bewerbe ich mich?
question2001 08.04.2015
4. Unbebaut...
Eine unbebaute Insel zu bebauen hat nichts mit Öko zu tun. Aber das ist der Trend. Die Vermögenden haben einen ökologischen Fußabdruck 100x so groß wie eine Normalbürger, und 200x so groß wie ein Arbeitsloser, werden aber bald die Einzigen sein die ursprüngliche Natur noch genießen können.
trader_07 08.04.2015
5. Sicherlich ein schönes Fleckchen...
Sicherlich ein schönes Fleckchen, um Urlaub zu machen. Allein schon, weil man dort dem deutschen All-Inclusive-Pauschal-Tourist nicht über den Weg läuft.
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