Blinder Bergsteiger Andy Holzer Träume vom Everest

Andreas Scharnagl

Von Stephan Orth

2. Teil: Unterwegs auf Schlittschuhen und Skiern


Genausowenig schert sich der gelernte Heilmasseur darum, was ohne Augenlicht nach allgemeiner Einschätzung möglich ist und was nicht. Er besitzt nicht mal einen Blindenstock, kann keine Blindenschrift lesen. Schon als Kind fuhr er Fahrrad und Schlittschuh, mit elf Jahren entdeckte er den Skilanglauf für sich.

"Langlaufen ist wie für Blinde gemacht: Die Spur ist wie eine Eisenbahnschiene, die die Füße leitet". Er zählte, wie oft er die Stöcke in den Boden stieß, um seine Routen wiederholen zu können und sich Abzweigungen zu merken. "Damals habe ich die Lienzer Alpen auswendig gelernt."

Die Orientierung war weniger das Problem als die anderen Langläufer. Einmal fuhr er eine ältere Dame um. "Haben Sie keine Augen im Kopf?", brüllte sie. Er wollte die Wütende nicht noch mehr irritieren und entschuldigte sich: Er habe gerade auf seine Stoppuhr geschaut und sie dadurch übersehen. Als er zwei Kilometer später auch noch einen Mann überfuhr, entschied er, sein Trainingsprogramm zu ändern. "Ich ging nachts los, spulte 30 bis 40 Kilometer ab, kam manchmal erst um zwei Uhr morgens zurück", sagt Holzer.

Mit nahezu manischem Ehrgeiz trainierte er. Wenn er sich ein "Projektl" in den Kopf gesetzt hat, tut er alles dafür, dass es gelingt. Damals war sein Ziel die Teilnahme an einem großen Wettbewerb. Beim Dolomitenlauf, einem internationalen Langlaufrennen mit 4000 Teilnehmern, erreichte er Platz 181. Zum Fiasko dagegen geriet ein 400-Meter-Lauf bei einem Leichtathletik-Wettbewerb für Behinderte. Er lief seinem überforderten Mitläufer davon, der ihm den Weg weisen sollte. Nachdem Holzer durchs Ziel gespurtet war, stürzte er am Geländer in einer Kurve, musste mit einem Bänderriss ins Krankenhaus. "Von da an war klar: Der Versehrtensport, wie ich ihn betreibe, ist zu gefährlich", sagt Holzer in seinem Vortrag. Großes Gelächter in der Halle in Brixen.

Viele erklärten ihn für verrückt

Dann doch lieber in die Berge, wo nichts behindertengerecht eingerichtet ist. Schon in den achtziger Jahren erklärten viele den blonden Sturkopf für verrückt. Nur der damals 60-jährige Hans Bruckner, Bergrettungsobmann von Lienz, war bereit, mit ihm regelmäßig ins Gebirge zu gehen. Er wurde sein Mentor, als Holzer 20 war.

Bald stieg er auf berühmte Alpengipfel wie Großglockner und Großvenediger, später auf Kilimandscharo, Aconcagua, Mount McKinley. Im Dezember 2010 stand er auf dem 4897 Meter hohen Mount Vinson in der Antarktis. Seine Vierer-Mannschaft hatte riesiges Glück mit dem Wetter - bei minus 30 Grad und bester Sicht herrschte kaum Wind, in keinem Camp mussten die Männer länger als geplant ausharren. Gefährlich war es trotzdem, schließlich ging es zeitweise über einen Grat, wo man bei einem Fehltritt 1000 Meter in die Tiefe stürzt. Gerade an solchen Schlüsselstellen war die Windstille für Holzer ein Segen. "Der Feind des Blinden ist der Lärm - doch dort konnten wir uns über 50 Meter Entfernung verständigen."

Nächstes Ziel ist dieses Jahr der Shisha Pangma in Tibet, sein erster Achttausender wäre das. Und nur ein Kontinentgipfel fehlt ihm noch: 2012 will er den Mount Everest besteigen. "Die Seven Summits sind nicht deshalb interessant, weil es so spektakuläre Gipfel sind, sondern weil es sieben Kulturen sind, sieben Kontinente, sieben ganz andere Welten." So viele verschiedene Tast-Erfahrungen, Gerüche, Klänge und Geschmäcker.

Auch in der ewigen Dunkelheit des Blinden ist jeder Berg anders. "Ob das Granit ist oder Schiefer oder Gneis, das riecht alles anders", sagt Holzer. Und auf Reisen kann er schon am Flughafen erschnüffeln, ob er in Asien oder in Afrika ist. "Es gibt so viele Gerüche, wie es Länder gibt, aber die Menschen nehmen es nicht wahr, weil sie vom Augenlicht überwältigt sind." Zumal der Sehsinn derjenige sei, der sich am leichtesten täuschen ließe. Nach einem Gespräch mit Holzer wird man das Gefühl nicht los, dass er vier Sinne mehr hat als die anderen, nicht einen weniger.

Viele werfen ihm vor, leichtfertig sein Leben zu riskieren. Dabei sind für Holzer schroffe Wände am Mount Vinson in der Stille der Antarktis eine weniger feindliche Umgebung als eine laute Straßenkreuzung in der Großstadt. Mit bröckelndem Fels an einer Steilwand im siebten Schwierigkeitsgrad kommt er besser zurecht als mit einem Regal voller Tütensuppen im Supermarkt.

"Ich bin in meinem Leben noch nie einkaufen gegangen", sagt Holzer, und kurz stockt seine Stimme, er wirkt traurig. Aber nur für einen Moment. "Da steige ich lieber auf einen schönen Berg."

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frank_lloyd_right 27.01.2011
1. das ist doch mal eine aussage -
"das sehen wird ueberschaetzt" - ich bin immer extrem visuell gewesen, und habe die meisten meiner paar erfolge dieser tatsache zu verdanken - und da kommt dieser typ, ist blind und macht sachen, die ich mich nicht mal an-trauen wuerde... das sehen wird ueberschaetzt. wie sagt doch die bombe in "dark star" ? "hmm. darueber muss ich nachdenken".
solarfighter, 27.01.2011
2. Was für ein Kasperle-Theater
Zitat von sysopDer Extrembergsteiger Andy Holzer ist seit seiner Geburt blind - und meistert trotzdem schwierigste Kletterrouten. Bald könnte er der Erste sein, der ohne Augenlicht die höchsten Gipfel aller Kontinente bestiegen hat. Sein Credo: Das Sehen wird überschätzt. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,741789,00.html
Ohne seine "sehenden" Hilfstruppen wäre ganz schön schnell Schluss mit dem Bergsteigen. Natürlich ertastet jeder Bergsteiger auch teilweise seine Route. Dies ist also nichts besonderes. Das mit dem Sandwerfen ist auch nur ein schlechter Scherz. Wieviel kg Sand möchte er denn auf so einer 8000er-Tour mitnehmen? Irgendwie verkommt das Bergsteigen immer mehr zu einem Invalidensport, bei dem solche Personen in der Gruppe mitgeschleift werden, um hinterher etwas für die Vermarktung zu haben.
qx87 27.01.2011
3. na dann
schaut euch mal den blinden radfahrer hier an http://www.youtube.com/watch?v=WwUeVYD6dxY&feature=player_embedded tudels.
michael most, 27.01.2011
4. oT
Zitat von solarfighterOhne seine "sehenden" Hilfstruppen wäre ganz schön schnell Schluss mit dem Bergsteigen. Natürlich ertastet jeder Bergsteiger auch teilweise seine Route. Dies ist also nichts besonderes. Das mit dem Sandwerfen ist auch nur ein schlechter Scherz. Wieviel kg Sand möchte er denn auf so einer 8000er-Tour mitnehmen? Irgendwie verkommt das Bergsteigen immer mehr zu einem Invalidensport, bei dem solche Personen in der Gruppe mitgeschleift werden, um hinterher etwas für die Vermarktung zu haben.
Bevor Du so 'nen dermaßen gequirlten geistigen Dünnschi.. schreibst, solltest Du vll. mal das Buch von Andy Holzer lesen! Erst nachdenken, dann posten! Ist aber offensichtlich zuviel verlangt. Hat er irgendwo behauptet, dass er alleine ohne fremde Hilfe auf 'nen Berg käme? Aber auch mit Unterstützung ist er meiner Meinung nach zu erheblich mehr in der Lage als der Verfasser dieses selten dämlichen Postings!
der matologe 27.01.2011
5. Was will er eigentlich auf dem Berg?
Die Aussicht geniessen? *kopfschüttel*
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