Das Einfachste beim Kauf eines Motorboots in Abu Dhabi ist der Kauf. Man schaut sich den Kahn an, tut so, als würde man etwas von Außenbordern verstehen, zahlt den Preis und bekommt das Boot sofort vor die Wohnung geschleppt.
Aber dann.
Dann beginnt eine Odyssee durch die Weiten der Regeln und Bestimmungen, so endlos und einsam wie eine Einhand-Weltumsegelung. Hier ist das Logbuch.
Erfahre, dass ein Boot erst abgemeldet werden muss, bevor es angemeldet werden kann. Weil der Heimathafen aber Dubai ist und nicht Abu Dhabi, muss das Boot 60 Seemeilen über die Autobahn zurückgeschleppt werden. Kein Problem, wenn der Wagen eine Anhängerkupplung hätte. Hat er aber nicht. Die Werkstatt liegt zwölf Kilometer außerhalb der Stadt und besteht vor jeder Bestellung auf persönlichem Erscheinen. Es dauere eine Woche, die Kupplung zu besorgen, vier Wochen, einen Montagetermin zu finden.
Warte auf die Kupplung und finde eine Tankstelle, die das Teil montieren könnte, sofern der Kunde eine Bohrmaschine mit einem Lochschneide-Aufsatz mitbringt. Finde nach längerem Suchen einen Inder, der Lochschneider verkauft.
Boot über die Autobahn zum Heimathafen in Dubai geschleppt. Die Küstenwache dort verlangt die Kopie des Passes und bietet einen Tee an. Durch den Dubai-Stau mit dem Boot zur "National Transportation Authority" in einem anderen Teil der Stadt: "Please copy of passport and copy of driving license." Sie meinen den Autoführerschein. Um das Abmeldeformular gültig werden zu lassen, muss es von dem Behördenleiter unterschrieben werden. Der ist aber nicht da. Ich soll morgen wiederkommen.
Nach einigem Debattieren und Bitten wird ein Fahrer geschickt, holt das Formular, bringt es zum Chef, der stempelt es und unterschreibt, dann wird es zurückgebracht. In der Zwischenzeit wird dünner, nach Kardamon riechender Kaffee gereicht und Datteln. Das Boot ist damit abgemeldet. Herzliches Händeschütteln.
Zum Glück gibt es E-Government
Zurück in Abu Dhabi. Die Küstenwache sitzt in einem Pavillon am äußersten Rand der Hafenmole. Das Meer ist schon ganz nah. In Röcke gewickelte Fischer und sonstige Seeleute stehen mit ihren Wartenummern herum, und es ist ein gutes Gefühl, einer von ihnen zu sein.
Zur Anmeldung sind neben der Kopie des Passes vier Fotos nötig und eine Erklärung des Arbeitgebers, keine Bedenken gegen den Kauf eines Kleinstbootes durch seinen Angestellten zu haben.
Außerdem natürlich eine emiratische ID, der kürzlich eingeführte Personalausweis. Aber auch der muss erst beantragt werden. Zum Glück gibt es E-Government. Aus dem Netz lässt sich der Antrag auf eine ID herunterladen. Das heruntergeladene Formular muss allerdings zu einem der "Typing Offices" gebracht werden, schlichten Schreibbüros, wo ein Ägypter für 600 Dirhams (120 Euro) das Formular ins Netz eintippt (sofern eine Kopie des Passes mitgebracht wurde).
Die ID-Behörde würde sich dann per SMS melden, sagt der Ägypter. Das sei modern.
Zurück zur Küstenwache am Rande der Mole. Die Abmeldung wird akzeptiert und der Antrag auf Anmeldung ins System eingegeben. Statt der ID-Karte wird die Quittung des "Typing Offices" als Provisorium akzeptiert. Es gibt Kaffee, Wasserflaschen, aber keine Datteln.
Zur "Critical National Infrastructure Authority" (CNIA), die drei Schreibtische entfernt sitzt. Dort wird nach Namen und Beruf der Eltern gefragt, nach Freunden und Verwandten und im Leben bereits besuchten Ländern, nach gesprochenen Sprachen. Die Unbedenklichkeitserklärung des Arbeitgebers ist dann doch nicht so wichtig. Vielleicht auch, weil es in diesem speziellen Fall keinen Arbeitgeber gibt.
Die Kritische Infrastrukturaufsicht werde sich melden, sobald die Polizei einen Termin für den Sicherheitscheck mitteilt.
Kauf eines Ankers, eines Erste-Hilfe-Kastens, einer SOS-Leuchte, Taschenlampe, Tau und Rettungsring. Der Bootszubehörladen liegt hinter dem Fischmarkt, es riecht nach Öl und faulenden Meeresfrüchten. Widerstehe der Versuchung, auch Kapitänsmützen, Chromarmaturen und diese wunderbaren Ankertrossen zu kaufen.
Die Kritische Infrastruktur sagt, es werde wegen einiger hoher islamischer Feiertage doch zwei Wochen dauern, bis ein Inspektionstermin möglich sei. Man werde sich per SMS melden.
Fühle mich wie in einem dieser Computerspiele, wo sich nach jedem erreichten Level ein neues, grauenvolleres auftut.
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