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Bisons in den USA: Riesen der Prärie

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Millionen Bisons zogen einst über die Prärien im Herzen Nordamerikas, dann standen sie kurz vor der Ausrottung. Jetzt zeigt ein monumentaler Bildband die Schönheit der riesigen Tiere.

Bildband "Buffalo Ballad": Eine amerikanische Ikone Fotos
Heidi & Hans-Jürgen Koch

"Der Bison ist ein archaisches Tier", sagt Heidi Koch. Wenn man ihm gegenüberstehe, habe er eine ungeheure Präsenz, eine Ausstrahlung wie sonst kaum ein Lebewesen, dem sie begegnet sei. Gemeinsam mit ihrem Mann Hans-Jürgen Koch hat die Fotografin einen - dem riesigen Tier angemessenen - monumentalen Bildband geschaffen. 110 Schwarzweißfotos von den Büffeln und ihrem Lebensraum in den USA enthält das kiloschwere Buch, das im Oktober imVerlag Edition Lammerhuber erscheint.

Die Geschichte des Bisons ist es, die ihn für die Kochs so besonders macht. Sie erzählt von Gier und Globalisierung und wie eine Art dabei fast auf der Strecke geblieben wäre. Und vor allem ist sie nicht von der Geschichte der USA zu trennen. Als die ersten Europäer Nordamerika erreichten, lebten dort noch mindestens 30 Millionen Tiere, schreiben die Fotografen. Als das Schlachten Ende des 19. Jahrhunderts beendet war, gab es lediglich noch 23 Bisons im Yellowstone National Park und ein paar Hundert auf Farmen.

"1870 war das Schicksalsjahr für die Art", sagt Heidi Koch. Damals wurde in Deutschland ein neues Gerberverfahren entwickelt, wertlose Bisonhaut konnte jetzt in hochwertiges Leder verwandelt werden. Die Nachfrage explodierte, Tausende machten sich auf die Jagd, die Büffel wurden zum weltweit gehandelten Rohstoff. Die Folgen für die empfindliche Ökologie der Prärie waren fatal: "Das Präriegras wurde nicht mehr von den Bisons festgetreten und daher vom Wind weggetrieben", sagt Koch.

Grasende und kämpfende Bisons, Bisonaugen, Bisonfell und Bisonkälber zeigen die beiden Fotografen in "Buffalo Ballad". Aber auch Geisterstädte und verlassene Häuser in weiten Landschaften, über denen sich dunkle Wolken ballen. Nachdem Rinder der Siedler auch die letzte Vegetation abgegrast hatten, setzte die Erosion ein. Das Land in den Great Plains wurde unfruchtbar, Zehntausende Menschen flüchteten. Heute gibt es immerhin wieder rund 500.000 Bisons, davon leben 30.000 wild in Schutzgebieten wie Yellowstone-, Wind-Cave- und Badlands-Nationalpark oder dem Custer State Park.

Atmen, Schnaufen, Kauen

In North und South Dakota, Colorado, Wyoming und Montana haben Heidi und Hans-Jürgen Koch fotografiert. Drei Jahre lang sammelten sie Bilder der Begegnungen mit den bis zu 3,80 Meter langen und bis zu 900 Kilogramm schweren Riesen. "Bisons sind sehr Respekt einflößende Tiere", sagt Heidi Koch, "sie sind unberechenbar und reagieren sehr schnell auf plötzliche Geräusche und Bewegungen." Immer wieder komme es zu tödlichen Zwischenfällen in Nationalparks. "Die Touristen gehen viel zu nah an die Büffel ran. Das beweist, wie sehr die Menschen sich von der Natur entfernt haben."

Das Paar sei selber einmal von einer Herde eingekesselt worden, als sie im Yellowstone-Nationalpark im Auto saßen. Es dämmerte und regnete in Strömen. "Plötzlich kamen die tropfnassen, zotteligen Riesengestalten über den Berg", erzählt Koch, "sie waren neugierig und schoben sich ganz dicht heran. Wir konnten ihr Atmen, Schnaufen und Kauen hören, mussten dabei aber ganz still sitzen, um sie nicht zu irritieren." Angsteinflößend und zugleich großartig sei das Erlebnis gewesen.

Heidi und Hans-Jürgen Koch, beide 57, haben Sozialarbeit und Ethnologie studiert, bevor sie sich vor 25 Jahren gemeinsam als Fotografen selbstständig gemacht haben. Ihr Buch sehen sie als eine Art Statement: "Wir glauben, dass es Orte geben muss, wo solche archaischen Kreaturen frei leben können, auch heutzutage. Nur eine Welt, wo dies möglich ist, ist für uns eine lebenswerte Welt."


Heidi und Hans-Jürgen Koch: "Buffalo Ballad." 224 Seiten; Edition Lammerhuber; 99 Euro; erscheint am 8. Oktober 2014.

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insgesamt 8 Beiträge
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    Seite 1    
1. die bisons....
imlattig 01.10.2014
wurden auch ausgerottet um den indianern die nahrungsgrundlage zu rauben. denn wie hiess es in den usa?; nur ein toter indianer ist ein guter indianer.
2. Wunderbar
linlaluna 01.10.2014
Ich war gerade erst im Yellowstone und kann den beiden nur zustimmen. Bisons sind respekteinflößend, wunderschön und unberechenbar. Es ist toll die Herden zu sehen - es erinnert einen an alte Western. Diese Freiheit und Weite und diese imposanten Geschöpfe. Tolle Arbeit.
3. Dass Indianer
Dieter62 01.10.2014
nur Bisonfleisch gegessen haben scheint ein schwer ausrottbarer Mythos zu sein. Die meisten von ihnen trieben vor allem Landwirtschaft und Fischfang, die Jagd gab ein willkommenes Zubrot. Mehrheitlich Jäger waren nur die Prärievölker, und das auch erst, als durch die Spanier Pferde ins Land kamen. Indianer bauten unter anderem Mais, Kürbisse, Bohnen und Tabak an. Als einziges domestiziertes Nutztier kannten sie zumindes in Mexiko den Truthahn, den die leute von der Ostküste grosszügig den ersten hungrigen Siedlern vorsetzten. Diese waren gebührend beeindruckt, noch heute wird am letzten Donnerstag des Jahres in den USA Truthahn gegessen. Die Kultur der berittenen Prärieindianer a la Karl May ist weder die tyoischste noch die ursprünglichste der Indianer Nordamerikas. Dass sie in den USA anders als in Mexiko beinahe vollständig untergingen liegt vielleicht daran, dass sie nicht zum protestantischen Arbeitsethos der Siedler passten.
4.
Terek 02.10.2014
Zitat von Dieter62nur Bisonfleisch gegessen haben scheint ein schwer ausrottbarer Mythos zu sein. Die meisten von ihnen trieben vor allem Landwirtschaft und Fischfang, die Jagd gab ein willkommenes Zubrot. Mehrheitlich Jäger waren nur die Prärievölker, und das auch erst, als durch die Spanier Pferde ins Land kamen. Indianer bauten unter anderem Mais, Kürbisse, Bohnen und Tabak an. Als einziges domestiziertes Nutztier kannten sie zumindes in Mexiko den Truthahn, den die leute von der Ostküste grosszügig den ersten hungrigen Siedlern vorsetzten. Diese waren gebührend beeindruckt, noch heute wird am letzten Donnerstag des Jahres in den USA Truthahn gegessen. Die Kultur der berittenen Prärieindianer a la Karl May ist weder die tyoischste noch die ursprünglichste der Indianer Nordamerikas. Dass sie in den USA anders als in Mexiko beinahe vollständig untergingen liegt vielleicht daran, dass sie nicht zum protestantischen Arbeitsethos der Siedler passten.
Das "die Indianer" alle Bison aßen, wird ja auch nirgendwo behauptet, schon gar nicht die von ihnen ausdrücklich erwähnten Bewohner des heutigen Mexiko. Die hatten nämlich kaum Kontakt zu diesen Tieren. Die Staaten, in denen die Fotos entstanden werden ja im Artikel erwähnt und daher reden wir hier ausschließlich von Prärieindianern und die haben natürlich "schon immer" Bisonfleisch gegessen. Bisonjäger sind sie natürlich auch vor dem Einwandern der spanischen Pferde in die Prärie gewesen. Die "buffalo jumps" waren ungefähr 5500 Jahre in Benutzung, bis sich die Jagd zu Pferde als bequemer und effektiver erwies. Landwitschaft war hier aus klimatischen Gründen im Grunde schon immer vernachlässigbar. Woran sie nun festmachen, wer die ursprünglichste und typischste Kultur war, vermag ich nicht zu sagen. Halte ich auch für eine unsinnige Einteilung. Am Arbeitsethos ist die Kultur der Prärieindianer nun sicherlich auch nicht zugrunde gegangen. Schon eher daran, dass diese Kultur ohne Bisons, vollkommen ungehinderte Wanderungen und natürlich unter dem Einfluss des "Weissen Mannes" überhaupt nicht möglich war. Wobei man den "nachhaltigen" Umgang mit der Ressource Bison schon nach Einführung der Jagd zu Pferde schon lange selbst verlassen hatte und früher oder später ganz eigene Probeme entwickelt hätte. Aber wo wir schon bei Mythen sind: der Satz "Das Präriegras wurde nicht mehr von den Bisons festgetreten und daher vom Wind weggetrieben" aus dem Artikel ist nun wirklich das Unsinnigste, was ich bisher zum Thema gelesen habe ... da sollte man vielleicht einmal ansetzen ...
5.
Rainer Helmbrecht 02.10.2014
Zitat von TerekDas "die Indianer" alle Bison aßen, wird ja auch nirgendwo behauptet, schon gar nicht die von ihnen ausdrücklich erwähnten Bewohner des heutigen Mexiko. Die hatten nämlich kaum Kontakt zu diesen Tieren. Die Staaten, in denen die Fotos entstanden werden ja im Artikel erwähnt und daher reden wir hier ausschließlich von Prärieindianern und die haben natürlich "schon immer" Bisonfleisch gegessen. Bisonjäger sind sie natürlich auch vor dem Einwandern der spanischen Pferde in die Prärie gewesen. Die "buffalo jumps" waren ungefähr 5500 Jahre in Benutzung, bis sich die Jagd zu Pferde als bequemer und effektiver erwies. Landwitschaft war hier aus klimatischen Gründen im Grunde schon immer vernachlässigbar. Woran sie nun festmachen, wer die ursprünglichste und typischste Kultur war, vermag ich nicht zu sagen. Halte ich auch für eine unsinnige Einteilung. Am Arbeitsethos ist die Kultur der Prärieindianer nun sicherlich auch nicht zugrunde gegangen. Schon eher daran, dass diese Kultur ohne Bisons, vollkommen ungehinderte Wanderungen und natürlich unter dem Einfluss des "Weissen Mannes" überhaupt nicht möglich war. Wobei man den "nachhaltigen" Umgang mit der Ressource Bison schon nach Einführung der Jagd zu Pferde schon lange selbst verlassen hatte und früher oder später ganz eigene Probeme entwickelt hätte. Aber wo wir schon bei Mythen sind: der Satz "Das Präriegras wurde nicht mehr von den Bisons festgetreten und daher vom Wind weggetrieben" aus dem Artikel ist nun wirklich das Unsinnigste, was ich bisher zum Thema gelesen habe ... da sollte man vielleicht einmal ansetzen ...
Ich brauche mirnur die Japaner beim abschlachten on Delfinen anzuschauen, oder Spanier beim Stierkampf, oder das, was heute berichtet wurde, wie die Dänen, sich bei den Meeressäugern aufführen, dann weiss man dass die Menshen zu blöde sind die Natur zu schützen. Ein guten Einblick in menschliches Verhaten, bekomt man auch bei Treibjagten, wie die Kämfer der IS, Mordbrenner, von Blutgier getrieben. MfG. Rainer
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