"Burning Man"-Festival Wo Kiffer auf Königinnen treffen

Das "Burning Man" in der Wüste Nevadas gilt als das wohl schrillste Kunst- und Musikfestival der Welt. Acht Tage lang treffen sich dort Hippies, kreative Tüftler, Visionäre und alle, die das gern wären.

"Burning Man"-Besucherin Ruby alias "Marie Antoinette"
Michael Martin

"Burning Man"-Besucherin Ruby alias "Marie Antoinette"

Von Michael Martin und


Das "Burning Man"-Festival in der Wüste Nevadas geht seinem Höhepunkt entgegen. Am Montag endet dieses vielleicht bizarrste Pop-Event der Welt mit der traditionellen Verbrennung der in der Mitte des Festivalgeländes aufgebauten Symbolfigur. Bis dahin werden rund 70.000 Festivalbesucher feiern - und dabei Bilder produzieren, die um die Welt gehen werden.

Denn schrill ist das "Burning Man" nicht zuletzt wegen seiner Besucher: Spektakuläre Kostüme, Maschinen und Behausungen sind für sie Pflicht. Konsequente "Burner" schlüpfen für die Zeit des Festivals in fantasievolle Rollen - "Burning Man" ist die Ausgeburt des Steampunk, der Verquickung von viktorianischem Retro-Look mit futuristischer Technik.

Das alles hat eine Botschaft, behauptet das seit 2012 gemeinnützige Burning Man Project. Es sieht sich selbst als Bewegung von Kreativen, die die Welt verändern will, in hippiehaftem Sinne: Themen wie Nachhaltigkeit und Ökologie, Friede und Liebe, hemmungslose, kreative Selbstverwirklichung und absolute Toleranz sind Grundmotive der Organisation.

Das prägt auch die Stimmung vor Ort: "Burning Man" ist ein Kunst-Happening mit abendlichen Konzerten und Partys, bei denen sich auch die Besucher als "Performer" verstehen. Das Festival gibt jedes Jahr ein Motto aus, wichtiger aber sind die "zehn Prinzipien"- und die verpflichten die Teilnehmer regelrecht zur kreativen Exzentrik.

Background: Wo kommt das alles her?

Im Jahr 1986, so erzählt es die Legende des "Burning Man", traf sich Larry Harvey mit rund 20 Freunden am Baker Beach von San Francisco, um seinen Liebeskummer-Frust abzulassen: Am Ende der Nacht verbrannte er die Figur eines Mannes - ein Akt der Katharsis, Voodoo, Comic Relief, wie auch immer man das sehen will.

Der Abend muss gut gewesen sein, denn im Jahr darauf trafen sie sich wieder. Schon im zweiten Jahr kamen viermal so viele Teilnehmer, der "Burning Man" war doppelt so groß wie im ersten. Als die Strandparty 1990 auf über 500 Personen angewachsen war und der "Burning Man" auf eine Höhe von zwölf Metern, schritten die Behörden ein: Sie unterbrachen und verboten die zunehmend Hippie-hafte Sause, der "Burning Man" durfte zum Abschluss nicht brennen.

Also brachten ihn Harvey und seine Freunde dahin, wo kein Verbot drohen würde: In die Black Rock Desert in Nevada.

Es tat der Veranstaltung zunächst nicht gut: An die Stelle einer lockeren Beach-Party trat nun ein Extrem-Event, irgendwo zwischen Sause und Survival. In den Folgejahren kamen nur wenige, um den Man brennen zu sehen.

Zuckerberg und Co. - die Internet-Elite in der Wüste

Dann, 1995, platzte der Knoten: Das World Wide Web hatte kurz zuvor begonnen, seinen Siegeszug anzutreten. Es schuf auch Verbindungen zwischen Leuten, die im normalen Leben Außenseiter ohne viel Kontakt zueinander waren: Das Web ermöglichte es ihnen, sich als Gruppe, als "Community" zu fühlen - ein "Netzwerk von Träumern und Tätigen".

"Burning Man" wurde zum Kulturevent der Netz-Community, zum ersten Ausdruck einer originären Netzkultur: Es waren die Berichte im WWW und in der Nerd-Kult-Postille "Wired", die das Festival überregional bekannt machten. Als nach einigen Jahren auch die Mainstreammedien bemerkten, dass da etwas passierte, wurde das "Burning Man" zum Massen-Event: Rund um das nun zunehmend boomende Festival entstand eine Nerd-, Hippie- und Künstlerkultur, und das "Burning Man" entwickelte sich zu ihrem Hochamt, zur weltweit beachteten jährlichen Feier der Kreativität.

Auch für die die Größen des Silicon Valley war das bald ein Muss. Die Liste der Promi-Besucher reicht von Elon Musk (Tesla) und Larry Page und Sergey Brin (Google) über Jeff Bezos (Amazon) bis zu Mark Zuckerberg (Facebook) - nur Steve Jobs (Apple) kam nie. Seit 1995 heißt der Ort der Veranstaltung Black Rock City - eine temporäre Stadt mit heute mehr als 70.000 "Bewohnern".

Seit einigen Jahren arbeiten die Veranstalter daran, die "Burning Man"-Kultur auch über das achttägige Festival hinaus in die Welt zu tragen. 2016 gaben sie bekannt, dass sie eine gigantische Ranch in der Nähe des Veranstaltungsortes gekauft haben. Mittelfristig soll dort ein permanenter Ort für "Kunst und Experimente" entstehen.

Kann man sich das auch live ansehen?

Aber natürlich: Das Festival findet in der Nähe von Gerlach, Nevada statt. Mit dem Auto erreicht man "Black Rock City" von Reno (ca. 2,5 Stunden) oder San Francisco aus (ca. 6 Stunden). Wer sich die Strapaze nicht antun will, nimmt den "Burning Express": Von den genannten Städten aus verkehrt zur Festivalzeit ein Bus.

Rein kommt allerdings nur, wer auch ein Ticket hat - aufgrund der Wüstenlage und der problematischen Versorgungssituation ist die Zahl der Teilnehmer limitiert.

Der Ticketverkauf beginnt jeweils im Februar: Um Schwarzhändler abzuschrecken, sind die Vorverkaufstickets besonders teuer (2016 waren es 990 und 1200 Dollar pro Ticket). Das ab März verkaufte reguläre Ticket gilt für die gesamte Festivalzeit (Preis 2016: 390 Dollar). Wer ein Fahrzeug mitbringt, zahlt einen Aufpreis (2016: 80 Dollar).

Auf dem Festivalgelände sind aber nur Mutantenfahrzeuge zugelassen - kreative Umbauten oder Schöpfungen. Wer keines hat und sich dort bewegen will, nimmt sich eines der bereitgestellten Fahrräder.

Alle Details zum nächsten Festival gibt es ab Spätherbst auf Burningman.org. Wer hin will, muss sehr früh planen.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
naklar261 03.09.2016
1. teuer aber geil...glaub ich
das hoert schon spannend an...leider zu teuer
wincel 03.09.2016
2.
Waere schoen gewesen, wenn die Autoren auch nur mal andeutungsweise wuessten, worum es geht. Dann waere nicht so ein "Party in der Wueste" Artikel draus geworden. Und das ist auch kein Lehmboden, sondern ein ausgetrockneter Salzsee - entsprechend unheimlich alkalisch und aggressiv aetzend. Ohne Nasenbluten geht man da nach einer Woche eigentlich kaum raus, chemische Verbrennungen an den Fuessen sind ohne Schuhwerk auch gut moeglich. Der Grossteil der Vorbereitung ist Equipment, um die harschen Bedingungen gut zu ueberstehn: Atemmasken gegen die White Outs, Schwimmbrillen aus dem selben Grund, Lebensmittel und Wasser und alles was Noetig ist, um dem Hauptgebot "hinterlasse keine Spuren" zu genuegen. Das bedeutet z.B. dass man auch kein Wasser verschuetten darf, denn das wuerde die Salzpfanne beeinflussen, kein Waschwasser, kein garnichts, entweder es wird verdunstet und der Rueckstand sorgfaeltig eingepackt und mitgenommen, oder man wird verbannt (jedes Ticket wird mit "Adresse" im Camp/Black Rock City, Name etc verkauft) - und Burning Man nicht wieder die jaehrliche Genehmigung erteilt. Das Ganze ist viel umfangreicher und ernsthafter, als der Artikel vermute laesst und nach einer Woche sind alle sowohl durchgebraten, halb erfroren (extreme Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht), ausgelaugt und irgendwo zwischen halb-manisch und kaputt.
GoaSkin 04.09.2016
3.
Ein Pop-Event ist das ganz und garnicht. Der Autor versucht mal wieder, die Leser zu verblenden. Und Promis mögen zwar da sein, aber interessieren tut das niemand dort.
awoth 04.09.2016
4. Es gibt sie noch
die Althippies und deren Enkel, die sich zeigen müssen
ro-li 04.09.2016
5.
Gestern eine Doku drüber gesehen. Im Endeffekt basiert dieses ?Fest? auf Pseudokünstlerischen Anfällen von nutzlosen Assis. Dachte eigentlich das wär cool.
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