Siorapaluk in Grönland Minus 30 Grad, keine Dusche - und das Essen jagen Sie selbst

Nur 1362 Kilometer liegt das winzige Dorf Siorapaluk in Grönland vom Nordpol entfernt. Die Fotografin Camille Michel hat ausprobiert, wie es sich dort lebt.

Camille Michel/ Hans Lucas

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Für manche ist es ein Albtraum: Temperaturen von minus 30 Grad Celsius, keine eigene Dusche, das Essen muss man selbst jagen. Für Camille Michel ist aber genau dieses Leben, das sie in Siorapaluk in Grönland kennenlernte, wunderschön.

Seit fünf Jahren reist die Fotografin bereits über die Insel, um den Alltag der Einwohner zu dokumentieren. Eine Freundin erzählte ihr eines Tages von Siorapaluk, einer der nördlichsten Siedlungen der Welt.

Der Ort befindet sich auf 78 Grad nördlicher Breite 1362 Kilometer vom Nordpol entfernt, liegt zwischen einem Berg und dem Packeis. Hier dauert der Polartag laut Michel von April bis August - in dieser Zeit bleibt die Sonne ständig über dem Horizont, und es wird nie richtig dunkel.

Vier Monate lang lebte Michel in Siorapaluk, um den Alltag der Menschen festzuhalten. Das Dorf besteht aus rund 20 kleinen farbigen Holzhäusern, in denen circa 40 Einwohner, vor allem Jäger und ihre Familien, leben. Viel gibt es hier nicht: einen Laden, eine Post, eine Bank, eine Kirche, eine kleine Bibliothek und eine Schule. Eine einzige Dusche und eine Waschmaschine stehen Michel zufolge für alle Dorfbewohner gemeinsam zur Verfügung.

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Nördlichstes Dorf Grönlands: Zwischen einem Berg und Packeis

Die meisten Einwohner gehen jagen, einige wenige Waren sind im Laden erhältlich. Zweimal im Jahr bringt ein Frachtschiff Produkte, alle zwei Wochen kommt ein Hubschrauber vorbei. Wenn es aber stürmt oder neblig ist, kann es auch länger dauern, bis die Bewohner ihre Vorräte wieder auffüllen können.

Michel integrierte sich in den Alltag der Männer, Frauen und Kinder, fuhr mit ihnen Schlitten, ging mit auf die Jagd, feierte Geburtstage. Auch wenn die Fotografin die Grundlagen der grönländischen Sprache bereits beherrschte, war es trotzdem nicht einfach für sie, sich zu verständigen - in Siorapaluk sprechen die Menschen einen besonderen Dialekt.

Die Bewohner sind sehr stolz auf ihre Kultur und ihre Traditionen, haben sich aber auch der modernen Welt gegenüber geöffnet, um ihren Komfort zu verbessern: Sie besitzen Fernseher, Mikrowellen, Motorboote und Handys. Gleichzeitig gibt es aber kein fließendes Wasser in den Häusern, die Jäger jagen immer noch mit Schlitten.

In den vergangenen Jahren nahm die Bevölkerung des Dorfes stetig ab. Noch 2012 lebten hier laut Michel doppelt so viele Menschen. Viele seien weggegangen, um in größeren Städten mit mehr Arbeitsmöglichkeiten zu wohnen.

Doch das ist nicht die einzige Herausforderung, mit der die Einwohner konfrontiert sind: Die globale Erwärmung löst immer mehr Naturkatastrophen aus, das Risiko von Erdrutschen und Überschwemmungen ist Michel zufolge auch in Grönland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Die Ausdünnung des Eises und die Verschmutzung der Meere stellt ebenfalls ein Problem für die Einwohner dar. Wie lange es das Dorf noch gibt, bleibt daher fraglich.

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