Geheimtipp für Reisende Wildes Campen in Oman

Junge Omaner haben den Trend gesetzt, die Touristen machen es ihnen nach: wildes Zelten in Fjorden, Wadis und Wüsten des arabischen Landes. Wir stellen die schönsten Plätze zum Campen vor.

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Corbis

Als der Muezzin irgendwo in weiter Ferne zum Spätgebet ruft, sind die Stars Omans bereits am Firmament aufgezogen: der Große Bär, Cassiopeia, der Andromeda-Nebel und wie sie alle heißen. Das Abendprogramm am Strand von Fins hat begonnen: Das Meer rauscht, ein laues Lüftchen vertreibt die Hitze des Tages, und über dem Horizont leuchten Galaxien um die Wette.

Wir liegen auf Luftmatratzen im weißen Sand und schauen nach oben. Irgendwann werden wir einschlafen. Friedlich, unter freiem Himmel. Ohne dass wir Angst haben müssen vor Kälte, Regen, Kriminellen, Terroristen oder wilden Tieren. Es hat sich gelohnt, das kleine Abenteuer zu wagen: alle Hotels links liegen zu lassen. Und stattdessen einfach wild zu campieren: in einem arabischen Staat. Auf einem Traumstrand in Oman.

Das Land auf der arabischen Halbinsel ist erstaunlich vielfältig: 2000 Kilometer Küste, Korallenriffs voller bunter Fische, hier und da tummeln sich auch Delfine, Schildkröten oder riesige Sardinenschwärme. Bis zu 3000 Meter hohe Berge ragen in die Höhe, dazwischen mäandern Wadis. In den teils ausgetrockneten Flussläufen tun sich plötzlich grüne Oasen mit natürlichen Schwimmbecken auf.

Wild und sicher zelten

Dazu kann die einstige Weihrauch- und Seefahrernation jahrhundertealte Forts, Bienenkorbgräber und andere Weltkulturerbestätten herzeigen. Der Islam ist hier gemäßigt und vergleichsweise tolerant. Und all das liegt keine sieben Flugstunden entfernt von Deutschland.

Noch immer ist Oman ein touristischer Geheimtipp. Vielleicht liegt es daran, dass einiges hier richtig teuer ist - Mietautos etwa und ganz besonders Hotels. Wer nicht genau vorher plant und klug bucht, der muss schon mal schnell 200 Euro für Durchschnittszimmer hinblättern.

Die Lösung heißt Campen. Reguläre Campingplätze gibt es kaum. Aber dafür kann man fast überall im Land wild zelten. Wir sind ja schließlich in Arabien. Junge Omaner, die man am Wochenende an den schönsten Plätzen oft trifft, haben den Trend geschaffen. Nun machen es ihnen die Touristen nach. Auch Fastanfänger wie wir kriegen das hin. Denn die Kriminalitätsrate ist niedrig, das Wetter fast immer warm und sonnig und zu entdecken gibt es jede Menge.

Ob am Strand oder am Rande eines Canyons, in der Wüste, im Wadi oder im Fjord - SPIEGEL ONLINE stellt die schönsten Campingorte in Oman vor. Und wenn das Lagerfeuer partout nicht zünden will, hilft der Ziegenhirte von nebenan.

Claus Hecking

Strand-Camping: Der "White Beach" bei Fins

Nomen est omen: Der Sand dieses Traumstrands ist so hell, dass er blendet. Das Meer erscheint noch ein wenig azurblauer als sonst an Omans Ostküste. Und an Tagen mit wenig Brandung können Schnorchler nahe der Felsen am linken und rechten Strandende eine prächtige Unterwasserwelt bestaunen: Korallen, kleine Fische aller Farben, Barracudas - sowie mit etwas Glück sogar den einen oder anderen Rochen.

Das Allerbeste an diesem Platz ist aber die Lage: Keine zehn Autominuten entfernt und auch ohne Allradfahrzeug erreichbar beginnt das Wadi Shab, Omans vielleicht schönstes Flussbett. Nach einer kurzen Bootsfahrt und 45 Minuten Wanderung stößt man auf eine Reihe von Süßwasserpools, in denen man baden kann. Vom vierten Pool aus führt ein schmaler Durchgang in eine natürliche Höhle, ein Wasserfall wird zur Dusche.

Anreise: Von Maskat aus Route 17 etwa 140 Kilometer bis zur Ausfahrt Fins. Durch das Dorf Fins fahren, nach dem Ortsausgang geradeaus auf der Schotterpiste weiter entlang der Küste in Richtung Süden. Nach etwa fünf Kilometern geht links ein Weg zum Strand ab. Ein Allradfahrzeug ist für die Piste nicht notwendig.

Ungefähre Koordinaten: 22.89 N, 59.22 O

Der Platz: Weicher, weißer Sandstrand, oft mit Spuren vergangener Lagerfeuer und Partys. An Wochenenden und Festtagen zelten und feiern hier öfter Gruppen junger Omaner, ansonsten sind die wenigen Touristen meistens unter sich.

Nicht vergessen: Süßwasser zum Trinken und Waschen - in unmittelbarer Nähe gibt es nur Salzwasser. In Fins kann man nur das Allernötigste kaufen, wenn die Läden überhaupt mal offen sind. In Tiwi, etwa zehn Kilometer weiter, kann man besser einkaufen und seinen Hunger in zwei passablen indischen Restaurants stillen.

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
nichtausreichend 23.11.2014
1. Und wer...
räumt den Müll der Touristen in den letzten verbliebenen Oasen weg?Äußerst kontraproduktiv, solche Geheimtipps.
goethestrasse 23.11.2014
2.
Für uns wird die Welt kleiner. Viele Reiseziele fallen aufgrund der politischen und sicherheitstechnischen Argumente leider weg. Muss man sich jedem Risiko aussetzen ???
xxx12345 23.11.2014
3.
@kommentar 1:Da ich im letzten Monat selber 3 Wochen im Oman unterwegs war, kann ich Ihnen versichern, dass vor alllem die westlichen Touristen/Camper einen hohen Wert darauf liegen, Ihren Müll wieder mfitzunehmen.Ganz anders schaut es leider mit den Einheimischen aus, denen leider in vielen Fällen die Bereitschaft fehlt ihren Müll auch wieder mitzunehmen. Ansonsten ist das Land absolut zu Empfehlen :) Sehr schöne Landschaften, nette Leute, top Infrastruktur und absolut sicher.
mountix 23.11.2014
4. Keine Sorge @nichtausreichend
Die Touristen, die es sich leisten können, in den Oman in Urlaub zu fahren, besitzen zu fast 100 % ein entsprechend geschärftes Umweltbewusstsein und beherrschen ihr privates Abfall- und Müllmanagement außerordentlich gut, dass man sich darum keine Sorgen machen sollte. Sie reisen ganz einfach nach den Prinzipien: "Hinterlasse nichts als Deine Spuren" oder "Verlasse diesen Ort so, wie Du ihn vorzufinden wünschst". Diese lernt man als "Hänschen" und kann sie dem "Hans" im Ausland durchaus manchmal auch noch beibringen. :)Vielmehr ist es nämlich so, dass man bei den Einheimischen vor Ort (und hier seien noch viele, viele andere Länder weit vor dem Oman genannt) anfangen müsste, ihnen bewährte Prinzipien des individuellen wie auch kommunalen Abfallmanagements beizubringen, ohne dabei arrogant etwas überstülpen zu wollen.
HansCh 23.11.2014
5. Für das Lösegeld entführter Reisender ...
... solte eine Pflichtversicherung vorgeschrieben werden.Für Südarabien, das Saharagebiet, das von Abu Sayyaf bedrohte Südostasien, naher Osten, Westafrika, ...
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