Caprivi-Streifen Namibias tropisches Paradies

Wildreich und wild: Wer Elefanten, Löwen und Flusspferde ganz nah erleben will, bereist Namibias nordöstlichen Zipfel. Die Region erlebt zurzeit einen Boom, immer mehr luxuriöse Zeltcamps eröffnen.

Fabian von Poser / SRT

Das Boot taumelt und schwankt. Riesige Wellen erfassen seinen Bug. Die Touristen auf dem Oberdeck sind jedoch wenig irritiert, sie blicken vielmehr gebannt auf das Geschehen vor ihnen. Nur 15 Meter entfernt zieht eine Elefantenherde durch den Fluss. Bis zu den Ohren stehen die Tiere im Wasser, die Rüssel ragen heraus wie Antennen.

Gut zehn Elefanten sind es, die den Linyanti-Fluss zwischen Namibia und Botswana quasi im Tauchgang durchqueren. Zwischen ihnen sieht man auch einige Jungtiere: Sie verschluckt der Fluss fast ganz. Noch einmal blickt eine der Mütter prüfend zum Boot, dann verschwindet die Herde auf verschlungenen Pfaden im grünen Labyrinth der Linyanti-Sümpfe.

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Caprivi-Streifen in Namibia: Luxuscamps am Kwando

Nirgendwo sonst in Namibia kommt man wilden Tieren in einer solch ursprünglichen Umgebung so nah wie im Caprivi-Streifen. Aus dem einst abgelegensten Teil Namibias ist so etwas wie eine Boomregion geworden. Kaum eine organisierte Rundreise ohne Namibias subtropischen Norden, kaum eine Selbstfahrertour, die nicht wenigstens ein paar Tage im Flusssystem zwischen Okavango und Kwando einplant.

Tauschgeschäft gegen Sansibar

Seinen Namen hat der Caprivi-Streifen aus der Kolonialzeit: Der deutsche Reichskanzler Graf Leo von Caprivi tauschte Namibias Nordostzipfel 1890 im Rahmen des Helgoland-Sansibar-Vertrags mit dem Vereinigten Königreich gegen die deutschen Ansprüche auf Sansibar ein, um einen Zugang zu den deutschen Kolonien in Ostafrika zu erhalten.

Vollendet wurde der Zugang nie, 1914 wurden die Deutschen aus Namibia vertrieben. Dafür hat Namibia mit der Sambesi-Region, wie Caprivi heute offiziell heißt, sein Stück an den Tropen.

Es sind Typen wie Dusty Rogers, die das Schicksal der Region mitbestimmen. Der Südafrikaner kam in den Neunzigerjahren als Flugschüler nach Caprivi und blieb. Seitdem baute er eine Handvoll Lodges auf, 2014 eröffnete er die Nambwa Tented Lodge. Sein jüngster Coup: die im März 2017 eröffnete Kazile Island Lodge.

Das Camp kauert sich auf eine Waldinsel im Schwemmgebiet des Kwando-Flusses, drumherum nichts als Grün. Es ist ausschließlich per Boot zu erreichen. Die zehn Zelte beherbergen bis zu 20 Gäste. Die Lodge ist nicht eingezäunt - Elefanten, Antilopen und Flusspferde laufen mitten durch das Camp.

Genau das macht den Caprivi-Streifen aus: die Nähe zur Natur. Caprivi ist die einzige Region Namibias, die fast ausschließlich in den Tropen liegt. In der Regenzeit stehen große Teile der Landschaft unter Wasser.

Mehrere ganzjährig wasserführende Flüsse machen das Relikt aus der Kolonialzeit zu einer sehr wildreichen Region. In diesem Labyrinth aus Grün leben neben 400 Vogelarten, Rote-Letschwe-Antilopen, Riedböcke, Sitatunga-Antilopen, Elefanten, Büffel, Löwen, Hyänen, Afrikanische Wildhunde und Leoparden.

Lokale Bevölkerung sollte profitieren

Beinahe jede Safari beginnt am Bootssteg. Am Nachmittag legt das Elektroboot von Kazile Island ab, bald verwandelt sich der Bwabwata-Nationalpark in eine Märchenlandschaft aus spiegelnden Flutebenen und Sümpfen. Die Seitenarme des Kwando sind ein Flickenteppich aus Papyrus, Gras und Schilf, dazwischen liegen immer wieder kleine Bauminseln.

Riesige Elefantenherden stapfen durch den Sumpf, Krokodile dösen im Sand, im Wasser schnaufen Flusspferde. Vor einer Gruppe hat der Guide solchen Respekt, dass er lange wartet, bevor er die Tiere passiert.

Das vorsichtige Verhalten ist aber auch ökologisch begründet. "Sie sollen uns als Freunde in Erinnerung behalten." Denn der Gewöhnungsprozess an die regelmäßige Begegnung zwischen Tier und Mensch beginnt an vielen Orten in Caprivi gerade erst.

Dusty Rogers ist Nachhaltigkeit wichtig: Beim Bau der neuen Lodge wurden nur Mitglieder der lokalen Volksgruppen Mafwe und Mbukushu angestellt. Seit sie in Betrieb ist, arbeiten hier regelmäßig 18 Einheimische. "Einen funktionierenden Tourismus kann es nur geben, wenn die lokale Bevölkerung davon profitiert", sagt Rogers.

Bislang galt Caprivi als eine der ärmsten Regionen Namibias. Seit der Caprivi-Streifen Teil der fünf Länder umfassenden Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (Kaza) ist, eines der größten Naturschutzgebiete der Erde, ist Besserung in Sicht. Ziel ist es nicht nur, die alten Wanderrouten der Tiere wiederherzustellen, sondern auch die Armut in der Region zu mindern. Noch machen sich die Fortschritte indes nur langsam bemerkbar.

Zeltcamps im Grünen

Immerhin macht die Gründung von KAZA immer mehr Touristen neugierig. Und das zieht neue Unterkünfte mit sich. Zu den Neuzuwächsen zählen das Chobe River Camp, ehemals Camp Chobe. Die komplett renovierte Lodge mit seinen 20 Zelt-Chalets gehört seit Februar 2017 zur Gondwana Collection und liegt versteckt unter Mopane-Bäumen nur wenige Kilometer vom Ngoma-Grenzposten zu Botswana am Chobe-Fluss.

Ebenfalls zur Gondwana Collection zählt die 2014 eröffnete Namushaha River Lodge. 24 Bungalowzimmer liegen im Grün, die Terrasse erhebt sich hoch über den Kwando-Fluss. Und in der Nähe hat die Familie Micheletti die Nkasa Lupala Tented Lodge mit ihren zehn Luxuszelten errichtet. Sie liegt in der Wuparo Conservancy und ist die erste in der Region des Nkasa-Rupara-Nationalparks.

Wann immer man dieser Tage mit jemand in Caprivi spricht, das Wort Boom bleibt nicht aus. Durch den heute geteerten und 500 Kilometer langen Trans-Caprivi-Highway hat sich Katima Mulilo, das einstige Tropenkaff im Vierländereck zwischen Sambia, Simbabwe, Botswana und Namibia zu einer Stadt entwickelt.

Der mittlerweile 30.000 Einwohner zählende Ort am Sambesi ist nicht nur ein Zentrum der lokalen Wirtschaft, sondern auch Ausgangspunkt für Touren in den Caprivi, ins nahe Botswana und zu den Victoriafällen in Simbabwe.

Fabian von Poser, srt/abl

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Pensionskassen 21.02.2018
1. Reiseemfpehlung
Wer Namibia besucht sollte unbedingt eine Reise von mehreren Tagen in den nordöstlichen Zipfel einplanen. Sehenswerte Landschaf tund Tierwelt die sehr gemütlich vom Boot aus zu sehen ist. Wegen der Entfernung von der Hauptstadt ist alternativ eine Einweg-Tour möglich mittels Hin- bzw. Rückflug von Katima Mulilo mit der NamAir. nach Windhoek. Ansonsten ist die Hin- bzw. Rücktour durch Botswana zu empfehlen.
ecatepec12 21.02.2018
2. Ursprünglichkeit des Caprivi in Gefahr
Sehr geehrter Herr von Poser, ich stimme Ihnen zu. Der Caprivi ist wirklich wunderschön und außergewöhnlich. Vor allem hat mich das ursprüngliche Leben der Bevölkerung beindruckt. Die Häuser sind noch traditionell gebaut und von wunderschönen Kraalen umgeben. Insofern würde ich die Bevölkerung nicht als „arm“ bezeichnen wollen, sondern habe vielmehr den Eindruck, die soziale Struktur gegenüber anderen Regionen scheint noch in Takt zu sein. Frag sich nur, wann die für Afrika so typische Wellblechbehausung auch im Caprivi Einzug hält. Erste Anzeichen der Sorge gibt es leider schon, hauptsächlich verursacht durch die Chinesen. Leider gibt es Wilderei nach Elfenbein und die Gefahr von Überfischung. Während früher klassisch mit Angel gefischt wurde, hat der Chinese seine alten Schleppnetze den Afrikanern am Okavango verhökert, inklusive Seuchen durch kontaminierte Netze. Dazu hat letzten Monat der chinesische Landwirtschaftsminister in Windhoek ein Abkommen mit der Namibischen Regierung unterzeichnet, den Norden und die Zambezi Region besser und effizienter landwirtschaftlich nutzen zu wollen. Es bleibt abzuwarten, was mit dieser von Hauptmann Kurt Streitwolf 1909 einst als „nutzlosen maliriaverseuchten Zipfel“ bezeichneter Region passieren wird.
pontiaxxx 22.02.2018
3. Namibia ist wirklich klasse...
...bin gerade von einem 2 - wöchigen Urlaub zurück und habe mich in das Land, seine wunderschönen Landschaften und seine Menschen verliebt. Dort ticken die Uhren einfach anders, in jeder Hinsicht. Man befindet sich praktisch überall in einer guten BBC- Naturdoku, so richtig mittendrin. Leider ist aber auch ein gewisser Trend zu einem stärker werdenden Nationalismus spürbar, wie bei uns, nur eben umgekehrt. Die rechten sind dort eben Afrikaner und die angegriffenen haben die weiße Hautfarbe. Diese Entwicklung könnte sich langfristig auch auf den Tourismus auswirken, womit sich die Namibier ihre wichtigste Einnahmequelle selbst kaputt machen. Das wäre zutiefst traurig für die vielen unschuldigen, zum Teil auch bettelarmen Leute dort. Und trotz allem, wer einmal im warmen Sommergewitter am Waterberg klatschnass von der Natur erdrückt wird...vergisst das sein ganzes Leben nicht..!
ex rostocker 22.02.2018
4. Berichtigung
Nicht die Deutschen wurden aus dem heutigen Namibia vertrieben, sondern die deutsche Kolonialregierung. Die deutschen Farmer, Kaufleute und Geschäftsleute leben noch heute in Namibia. Und die Niederlade des Deutschen Reichs war 1915, nicht 1914.
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