Rafting im Chattooga-Fluss: Höllenritt durch die Bullenschleuse

Von Denis Krick

Rafting in den USA: Nervenkitzel mit Kentergefahr Fotos
Richard Conely

Der Film "Beim Sterben ist jeder der Erste" machte den Chattooga River berühmt. Heute ist der Fluss im Osten der USA vor allem bekannt für halsbrecherische Rafting-Touren. Manchmal werden die Stromschnellen selbst erfahrenen Bootsführern zum Verhängnis.

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Auf einmal geht es sehr schnell. Wir stürzen durch die Fluten und kippen bedenklich zur Seite. Alles läuft voll Wasser. Ein unglaublicher Sog scheint uns in die Tiefe zu ziehen. Irgendjemand schreit laut: "Paddeln!" Alle gehorchen. Das Schlauchboot macht einen Satz nach vorne, dann ist die Stromschnelle gemeistert. "Das war knapp", sagt Geoff Doolittle und lacht. "Fast wären wir gekentert." Dabei sei die Bullenschleuse eigentlich eine der leichteren Aufgaben des Chattooga.

Doolittle, ganz in Lila gekleidet, ist seit über 20 Jahren Guide für Rafting-Touren auf dem Chattooga. Den Fluss, der zu großen Teilen auf der Grenze zwischen den US-Bundesstaaten Georgia und South Carolina verläuft, kennt der 44-jährige Lehrer ganz genau. Heute muss er allerdings nicht nur eine Gruppe Studenten aus Florida sicher durch die Fluten bringen, sondern auch noch seinen Nachwuchs-Guides die Tücken der Stromschnellen erklären.

Erst in den siebziger Jahren wurde der Chattooga von der Rafting-Szene entdeckt. Ein Actionfilm machte die Region damals über Nacht populär. In "Beim Sterben ist jeder der Erste" kämpfen Burt Reynolds, Ned Beatty, Ronny Cox und Jon Voight als Stadtmenschen im Kanu gegen Stromschnellen und tumbe Hinterwäldler. Für reichlich Aufsehen sorgte in den Kinos eine brutale Szene, in der Beatty von einer Gruppe Hillbillys vergewaltigt wird. Die Touristen ließen sich nicht abschrecken, sie kamen trotzdem in diesen Teil Georgias.

Duell mit Banjos

"Love Beach" - Liebesstrand - nennt man inzwischen die Bucht am Chattooga, in der damals die kontroversen Aufnahmen entstanden. Die meisten Wildwasserszenen des Films wurden auf diesem Abschnitt des Chattooga gedreht. "Teilweise mussten die Darsteller vier- bis fünfmal immer die gleiche Stromschnelle fahren", sagt Doolittle. "Die Einstellungen wurden dann aneinander geschnitten, damit die dramatische Flussfahrt nicht immer nur ein paar Sekunden dauert."

Auch die berühmte Szene mit den duellierenden Banjos, in der sich ein Städter mit einem Landjungen einen musikalischen Zweikampf liefert, produzierte das Filmteam in der Gegend um den Chattooga. "Der Junge mit dem Banjo von damals lebt noch immer hier", sagt Doolittle. "Er packt seit Jahren im Walmart an der Kasse die Einkäufe der Kundschaft ein."

Auch ohne wildes Bergvolk, das Jagd auf Touristen macht, ist das Rafting auf dem Chattooga nicht zu unterschätzen. "Wir haben hier die eine oder andere Herausforderung", sagt Doolittle. "Selbst erfahrene Paddler müssen ordentlich aufpassen." An besonders schwierigen Stromschnellen übernehmen deshalb zwei Guides in Kajaks die Vorhut. Mit Seilen positionieren sie sich auf den Felsen, um im Notfall die Gekenterten aus dem Wasser zu ziehen.

Gefahr durch Steine unter Wasser

Fällt jemand in die Fluten, dann droht in den meisten Fällen dank Schwimmwesten nicht das Ertrinken, sondern Knochenbrüche und tiefe Platzwunden, denn unter dem Wasser lauern scharfkantige Steine. Fast jedes Jahr gibt es Tote. Aber das seien hauptsächlich betrunkene oder unbedarfte Touristen, die in der starken Strömung ein Bad nehmen wollen, behauptet Doolittle. Allerdings lauerten auch Gefahren am Ufer. "Gerade wenn es schön warm wird, dann sonnen sich dort die Giftschlangen."

Vier bis fünf Stunden dauert die Tour auf dem Chattooga, die bereits am frühen Morgen beginnt. Dazu kommt noch die Anfahrt in einem ausgedienten Schulbus an die Ablegestelle. Mittags wird kurz Halt an einem malerischen Wasserfall gemacht. Auf einer großen Steinplatte am Uferrand gibt es belegte Brote und Softdrinks zur Stärkung. Eine Art Henkersmahlzeit, denn nach dem Snack warten die "Five Falls".

Fünf rasante Stromschnellen bilden das Finale des Rafting-Ausflugs. Sie tragen Namen wie "Kieferknochen" und "Korkenzieher". Selbst der sonst recht lockere Doolittle wirkt hier angespannt. Die Stromschnellen gehören den schwierigsten befahrbaren Kategorien an. Jeder Fehler im Schlauchboot wird sofort bestraft.

Einer von Doolittles neuen Guides ist unvorsichtig. Er paddelt an der falschen Stelle über die Klippen. Der junge Mann fällt aus dem Boot. Ein paar Minuten später gelingt es den anderen, ihn an Land zu ziehen. Er schreit vor Schmerzen. Das rechte Knie scheint zerschmettert zu sein. "Idiot", sagt Doolittle. "Aber selber schuld. Für den ist die Saison beendet." Die Studenten aus Florida sind angesichts des Unfalls schockiert - und entspannen sich erst wieder, als die Schlauchboote in den ruhigen Lake Tugalo gleiten.

An dessen Ufer machen es sich gerade zwei Hillbillys mit nacktem Oberkörper und dreckigen Latzhosen auf Campingstühlen bequem. Neugierig schauen sie in Richtung der Touristen. "Ich höre Banjomusik", sagt einer der Guides grinsend und fügt dann aber schnell hinzu: "Keine Angst, die wollen sich nur entspannen." Die Einheimischen winken freundlich rüber. Beruhigend nach all der Aufregung.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
thanks-top-info 04.07.2013
ein richtig schöner 70' Abenteuersteifen
2. Toller Film
stefanbodensee 04.07.2013
Ja, kann ich bestätigen, der Film ist ein Klassiker, hatte ihn eher durch Zufall mal vor Jahren im Fernsehen reingezappt - und dann bis zum Ende angeschaut. Supermacho Burt Reynolds wurde wohl durch den Film erst richtig bekannt, wie man sagt. Da stimmt alles - tolle Story, Wahnsinns-Naturaufnahmen, Spannung, tolle Musik - sehr gut gemacht. Habe ihn mir dann als DVD gekauft und sehe ihn mir alle 2-3 Jahre gerne mal wieder an, ich kann ihn nur empfehlen. Damals war Jon Voights Tochter Angela Jolie noch nicht mal auf der Welt... wie die Zeit vergeht
3. Lesen?
Towne 04.07.2013
... für alle, die das Original bevorzugen: James Dickey, "Deliverance". Gabs auch mal auf Deutsch: "Flussfahrt". Gilt inzwischen als Klassiker der Amerikanischen Gegenwartsliteratur. Und im Film wird der Sheriff am Ende von James Dickey, dem Buchautor gespielt ...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fernweh
RSS
alles zum Thema USA-Reisen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite


Fotostrecke
Oak Ridge in Tennessee: Die Stadt, die es nicht gab