Gelenkter Vandalismus Touristen dürfen Chinesische Mauer mit Graffiti verzieren

"Ich war hier", "Thomas, 2014" oder "Wow!": An der Chinesischen Mauer sind solche Kritzeleien von Touristen künftig erlaubt. Mit einer speziellen Graffiti-Zone wollen die Behörden die zerstörerische Kreativität kontrollieren - und das Jahrtausende alte Bauwerk schützen.

Chinesische Mauer: Saubere Steine dank besonderer Zone
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Chinesische Mauer: Saubere Steine dank besonderer Zone


Wenn Touristen berühmte Stätten besichtigen, verewigen sich manche von ihnen trotz Verbot gerne an den alten Mauern. Der eine schnitzt, der andere kratzt, der dritte zückt Kugelschreiber oder Filzstift, um heimlich einen Gruß zu hinterlassen - an der Chinesischen Mauer soll nun endlich Schluss sein mit den unkontrollierten Kritzeleien.

Wie die Zeitung "China Daily" berichtet, wird in dem beliebten Abschnitt Mutianyu etwa 70 Kilometer nördlich von Peking eine besondere "Graffiti-Zone" eingerichtet. In dem gekennzeichneten Bereich dürfen Reisende ausdrücklich, was anderswo verboten ist: unterschreiben und ihre Grüße hinterlassen. Zunächst gibt es eine solche Fläche in dem Wachturmgebäude mit der Nummer 14, später folgen weitere in den Türmen Nummer 5 und 10, heißt es.

Die Verwaltung kündigte laut "China Daily" an, die Neuerung als "Aussichtspunkt" vermarkten zu wollen. Künftig kommt eventuell auch eine elektronische Tafel hinzu. An anderen Sehenswürdigkeiten in China wie beispielsweise dem Gelber-Kranich-Turm in Wuhan führten solche Flächen bereits zu einem Rückgang der Schäden, schreibt die "South China Morning Post".

In dem fraglichen Mauerabschnitt hinterlassen Touristen trotz Kritzelverbot laut "China Daily" besonders häufig englischsprachige Grüße - rund 40 Prozent der Besucher kämen aus anderen Ländern. Die vielen Unterschriften und Zeichnungen greifen die Substanz des Wahrzeichens an. Auch stärkere Kontrollen durch Patrouillen minderten das Ausmaß des Vandalismus nicht.

Auch Sehenswürdigkeiten in anderen Ländern haben mit schreibwütigen Touristen zu kämpfen. Ausgerechnet ein Chinese sorgte im vergangenen Jahr für Aufsehen, als er im ägyptischen Luxor ein antikes Steinrelief zerkratzte. Der 14-Jährige hatte sich mit den Worten "Ding Jinhao war hier" verewigt. Der Generaldirektor für die antiken Stätten in Luxor erklärte daraufhin, der Jugendliche sei bei weitem nicht der erste und einzige Besucher ohne Respekt: Schon 1890 habe ein anderer Tourist an fast derselben Stelle seinen Namen eingeritzt.

emt

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insgesamt 6 Beiträge
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armins 04.03.2014
1. Gelber Kranich Turm
Hier ist wohl eher der Gelbe KRANICH Turm gemeint (https://de.wikipedia.org/wiki/Kranichpagode). Das englische "crane" kann sowohl Kran als auch Kranich heißen.
druck_im_topf 04.03.2014
2. Gelenktes Kritzeln
Reicht da nicht schon die Einrichtung von Toilettenhäuschen aus? Bereitliegende Filzstifte könnten die Lenkungsfunktion noch verstärken! Wie auch immer, witzig ist, was man alles (selbst in China) nicht verhindern kann ...
amalthea62 04.03.2014
3. Interessant!
Schon die Pyramidembauer hinterliessen in der Cheopspyramide ihre Sprüche. Auch in Pompeji findet man Graffiti und Runen der Wikinger können auch Graffiti sein. Und wer weiss, vielleicht sind einige Höhlen-zeichnungen nichts anderes wie: Uga war hier. Also sind Graffiti so alt wie die Menschheit. Und es ist immer dasselbe: Ich war hier. Oder es sind Hervorhebungen oder Vergleiche von Körperteilen. Das soll nicht heissen, dass ich das Bekrakeln von Denkmälern gut finde. Aber anscheinend ist das Verewigen seiner selbst für die Nachwelt ein zutiefst menschliches Bedürfnis, mit dem man umgehen muss. Einerseits der Erhalt von menschlichen Kulturgütern andererseits muss mit der Kritzelsucht umgegangen werden. Ich würde mich freuen, wenn der chinesische Weg funktioniert. Das wäre eine win win Situation und könnte bei anderen historischen Stätten auch funktionieren. - AMALTHEA SCHRIEB EUCH -
Kiste 04.03.2014
4.
Facebook ist auch nichts anderes als "Ich war hier."
kappesstepp 04.03.2014
5. Dieses Bauwerk
Zitat von sysopREUTERS"Ich war hier", "Thomas, 2014" oder "Wow!": An der Chinesischen Mauer sind solche Kritzeleien von Touristen künftig erlaubt. Mit einer speziellen Grafitti-Zone wollen die Behörden die zerstörerische Kreativität kontrollieren - und das Jahrtausende alte Bauwerk schützen. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/chinesische-mauer-bekommt-graffiti-zone-fuer-touristenkritzeleien-a-956882.html
ist *nicht* Jahrtausende alt - in der heutigen Form nicht älter als Ming, also ein paar Hundert Jahre. Fallt doch nicht immer auf die ollen Kamellen herein, dass alles in China mindestens fünftausend Jahre alt ist. Ist es nicht.
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