Chinesischer Nationalpark Blaue Lagune von Jiuzhaigou

Philipp Mattheis

Von Philipp Mattheis

2. Teil: Ökotourismus im Zahru-Tal


Der Weg führt vorbei an mit Wasser betriebenen Gebetsmühlen und Hunderten von bunten Flaggen. Tibeter haben wohl die effizienteste Art zu beten entwickelt: Sie müssen weder wie Katholiken auf harten Holzbänken knien, noch sich wie Muslime fünfmal am Tag verbeugen. Wind und Wasser tragen die Wünsche nach Glück und Gesundheit in Richtung Jenseits - 24 Stunden am Tag.

Beeindruckend große Haufen von Yak-Kot säumen die Trampelpfade, die zu einem verlassenen Dorf führen. Es ist still zwischen den alten tibetischen Holzhäusern. Bei der dünnen Luft kommen selbst erfahrene Wanderer schnell aus der Puste. Doch die Mühen werden mit einem phantastischen Ausblick auf die klaren Seen im Tal belohnt. Und mit einer Stille, die einen das Gewusel im Tal fast vergessen lässt.

Dort unten führt ein Holzsteg durch die verwunschene Seenlandschaft, immer wieder unterbrochen von kleinen Plattformen, auf denen sich die Touristen sammeln, um Fotos zu schießen. Besonders in der Hauptsaison von April bis November stauen sich die Menschenmassen, bei bis zu 10.000 Besuchern pro Tag wird das Vorwärtskommen nahezu unmöglich. Ausgerechnet hier soll nun auch umweltfreundlicher Tourismus für kulturell interessierte Menschen etabliert werden.

Zu viele Besucher

Bisher ist die Nachfrage nach den Abenteuertouren mit einheimischen Führern nicht sehr groß, doch sie wächst: Im ersten Jahr buchten gerade mal 88 Besucher eine Wanderung ins Zahru-Tal. 2011 waren es immerhin 400 Aktivurlauber, 90 Prozent von ihnen Nicht-Chinesen.

"Ökotourismus ist vor allem bei westlichen Gästen und gebildeten Übersee-Chinesen aus Hongkong und Singapur beliebt, sagt Marketingleiter Kieran Fitzgerald. Doch diese Minderheit würde laut dem Schweizer Sinologen Eric Alms kaum ins Gewicht fallen. "Bei drei Millionen Besuchern im Jahr ist Ökotourismus nach westlichen Maßstäben kaum möglich", sagt Eric Alms.

Der 32-Jährige promoviert an der Universität von Zürich über die "Übertragung europäischer Naturschutz- und Tourismuskonzepte in chinesische Nationalparks". Hier in Jiuzhaigou seien schlicht zu viele Besucher auf engem Raum. Bei den unvermeidlichen Zerstörungen, die der große Andrang verursache, könne man sich höchstens bemühen, internationale Naturschutzkonzepte an die chinesische Realität anzupassen.

Die Tibeter nennen die Seen von Jiuzhaigou "Söhne des Meeres". Doch von solch poetischen Worten wollen die chinesischen Besucher nichts wissen: "Wenn ich Urlaub mache", sagt Studentin Yue, "will ich vor allem Spaß haben." Dann lässt sie sich von ihrer Freundin vor einer rosa Panda-Comic-Figur auf einem Snowboard fotografieren. "Ich liebe diesen See", sagt Yue.



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
autocrator 15.02.2012
1. das alte problem
ja, es ist mal wieder das alte problem. Was tun mit den chinesischen menschenmassen? "Ökotourismus an die chinesischen gegebenheiten anpassen" - hört sich zwar schön an, aber was heisst das konkret? 3 mio. chinesen als besucher uns vor jedem 2. haus ein mittelklassewagen ... was, wenn "die" chinesen wohlhabender werden, mehr reisen, aus den 3 mio. 9 oder 12 mio. besucher werden, die alle laut sind, abfall hinterlassen, die beköstigt und deren exkremente entsorgt werden müssen? Und wen nicht vor jedem 2. haus ein auto, sondern wie bei uns im westen vor jedem haus 2 autos stehen? Der (inakzeptable, widersinige und rücksichtslose) extensive ressourcenverbrauch der westlichen welt kann für die "chinesischen gegebenheiten" keine lösung sein. "wenn die chinesen morgen beschließen gras zu essen, dann wird gras auf der welt knapp" sagte irgendjemand mal weise vorausschauend.
blob123y 15.02.2012
2. Warum so fern wenn es ganz nah
Zitat von sysopPhilipp Mattheis Grellblaue Seen, zu Eis erstarrte Wasserfälle: Aus Märchen kennt in China jedes Kind die Gewässer von Jiuzhaigou. In dem chinesischen Nationalpark toben Affen, zwitschern Vögel und lärmen Gäste. Zu Besuch in einem Park, der auf Ökotourismus setzt - und damit scheitern muss. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,815258,00.html
etwas aehnliches aber wesentlich besseres gibt. Das Natuerschutzgebiet um die Langbahtseen nahe Ebensee in Oberoesterreich schaut von der Anlage sehr aehnlich aus ist jedoch optisch um einen ganzen Quantensprung besser.
schon,aber 15.02.2012
3. China vs. Bayern/Salzburger Land
Zitat von blob123yetwas aehnliches aber wesentlich besseres gibt. Das Natuerschutzgebiet um die Langbahtseen nahe Ebensee in Oberoesterreich schaut von der Anlage sehr aehnlich aus ist jedoch optisch um einen ganzen Quantensprung besser.
Sie sind mir zuvorgekommen und – es geht sogar noch näher. Aber das verrate ich hier nicht.
sogenannterexperte 15.02.2012
4. Lieder Nein
Zitat von blob123yetwas aehnliches aber wesentlich besseres gibt. Das Natuerschutzgebiet um die Langbahtseen nahe Ebensee in Oberoesterreich schaut von der Anlage sehr aehnlich aus ist jedoch optisch um einen ganzen Quantensprung besser.
ich weiß zwar nicht was Sie mit "optisch um einen Quantensprung besser" meinen, aber ich muss Ihnen widersprechen.Jiuzhaigou ist "besser". Jiuzhaigou lässt sich nicht mit einen in dem Alpen gelegenen Bergsee vergleichen. So etwas werden Sie in Europa leider nicht finden. Bambuswälder auf 3000m Höhe mit aufsteigenden dichten Nadelwäldern. Sich gefühlte 1000m hohe Felswände herabstürzende Wasserfälle. Mehr Wasserfälle. Fleißende Täler durch Büsche und Wälder. Wie Corallen aussehende Baumstämme, konserviert durch Kalk, im algenfreien, kristallklarem Wasser. Paradisvögel lassen sich füttern. Ich hab sogar auf 2500m Baumwolle wachsen sehen. Jiuzhaigou lässt sich auch mit dem Auto aus Chengdu erreichen. Vorrausgesetzt man hat starke Nerven und Vertrauen in chinesische Fahrer. So sieht man aber noch viel mehr. Passiert man anfangs das Erdbeebengebiet Sichuans (2008), trifft man auf seiner Reise unzählige Dörfer mit seinen unterschiedlichen Minderheiten. Muss man gesehen haben. Wer Interesse hat, einfach mal nach "Somewhere in Sichuan" auf youtube suchen.
fareast 15.02.2012
5. Nun kenne ich die Alpenseen nicht
Zitat von sogenannterexperteich weiß zwar nicht was Sie mit "optisch um einen Quantensprung besser" meinen, aber ich muss Ihnen widersprechen.Jiuzhaigou ist "besser". Jiuzhaigou lässt sich nicht mit einen in dem Alpen gelegenen Bergsee vergleichen. So etwas werden Sie in Europa leider nicht finden. Bambuswälder auf 3000m Höhe mit aufsteigenden dichten Nadelwäldern. Sich gefühlte 1000m hohe Felswände herabstürzende Wasserfälle. Mehr Wasserfälle. Fleißende Täler durch Büsche und Wälder. Wie Corallen aussehende Baumstämme, konserviert durch Kalk, im algenfreien, kristallklarem Wasser. Paradisvögel lassen sich füttern. Ich hab sogar auf 2500m Baumwolle wachsen sehen. Jiuzhaigou lässt sich auch mit dem Auto aus Chengdu erreichen. Vorrausgesetzt man hat starke Nerven und Vertrauen in chinesische Fahrer. So sieht man aber noch viel mehr. Passiert man anfangs das Erdbeebengebiet Sichuans (2008), trifft man auf seiner Reise unzählige Dörfer mit seinen unterschiedlichen Minderheiten. Muss man gesehen haben. Wer Interesse hat, einfach mal nach "Somewhere in Sichuan" auf youtube suchen.
aber ich denke, Sie haben mit Ihrem Kommentar recht. War letztes Jahr im April eine Woche dort und es war hinreisend. Mit Abstand das Beste, was ich an Parks in China gesehen habe. Ausserdem muss ich dem Autor ein wenig widersprechen, denn der Park mit seinem Shuttleservice und seinen befestigten Wegen ist schon sehr oekologisch aufgezogen. Die Zahl der Leute war zumindest im April nicht hoeher als z.B. in Yosemity in Kalifornien, die Infrastruktur war aber um klassen besser.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.