Satellitenfotos von Traumreisezielen Schönheit, verweile!

Gewimmel am Bondi Beach, strenge Ordnung in Viareggio: Die Satellitenaufnahmen von Benjamin Grant zeigen Traumreiseziele aus neuer Perspektive - und machen verdammt viel Fernweh.

Daily Overview/ Satellite images, 2015 DigitalGlobe, Inc.

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Die Welt ist eine andere, wenn man aus Tausenden Metern Höhe auf sie hinab schaut. Sie duftet nicht nach Sonnencreme und Salzwasser wie am Bondi Beach in Sydney. Und sie stinkt auch nicht nach Abgasen wie am Omnibusterminal von Mexiko-Stadt. Sie präsentiert sich dem Betrachter in ihrer geruchs- und geschmacksneutralen Form, zeigt zum einen ihre natürlichen Konturen und zeigt zum anderen, was der Mensch aus ihr gemacht hat.

Wenn Astronauten aus dem Weltall zum ersten Mal auf die Erde schauen, ist die Rede vom Overview-Effekt. Der Begriff umschreibt die Erfahrung, von so weit oben hinunterzublicken, zu staunen und tiefste Ehrfurcht zu verspüren. Als Benjamin Grant vor zwei Jahren einen Film über dieses Phänomen sah, fasste er einen Entschluss: Er wollte sich die Welt aus der Vogelperspektive ansehen - allerdings nicht aus einer Raumfähre, sondern am Computer und aus deutlich geringerer Distanz.

Der 25-Jährige suchte sich einen Anbieter von Satellitenbildern, durchwühlte die Datenbank und war begeistert von den gigantischen Häfen und den Güterbahnhöfen, die er auf den Fotos sah. "Es ist diese Systematik von gewaltigem Ausmaß, die mich fasziniert hat", sagt Grant.

Er klickte sich weiter durch die Aufnahmen und fand Flugzeugfriedhöfe in den USA, schwimmende Luxushotels in der Südsee und kunterbunte Plätze in den Metropolen Europas. Es waren so viele spektakuläre Motive, dass er sich entschloss, von nun an täglich ein Foto auf Instagram zu posten.

So ist seit Dezember 2013 eine gigantische Weltausstellung mit dem Namen "Daily Overview" entstanden. "Der Fokus liegt dabei auf Orten, die durch den Menschen geformt wurden", sagt Grant. Da wären der größte Swimmingpool der Welt, nicht enden wollende Olivenhaine oder Siedlungen und Städte, die am Reißbrett entstanden.

"Aus unserer Perspektive hier unten auf der Erde ist es unmöglich, die Schönheit der von uns geschaffenen Dinge zu erfassen", sagt Grant. Aber genauso wenig sichtbar sei die zerstörerische Kraft des Menschen. Die Vogelperspektive könne die Augen öffnen und vielleicht zum Nachdenken anregen. Wie müssen wir uns verhalten, um dem Planeten keinen Schaden zuzufügen? Was können wir für unser aller Sicherheit tun?

Grant will mit seinem Projekt darauf aufmerksam machen, wie der Mensch die Welt verändert. Dabei ist es ihm wichtig, die Dinge nicht als "gut oder böse" zu bewerten. Er will dem Betrachter nur zeigen, was in diesem Moment auf unserem Planeten passiert. Und ihn daran erinnern, dass Handeln Konsequenzen hat.

An vielen der in seinem Fotoblog gezeigten Plätze ist Grant nie gewesen. "Durch das Projekt ist meine lange Liste an Wunschreisezielen um ein paar Orte länger geworden", sagt Grant. "Ganz bald will ich nach Venedig reisen."



insgesamt 10 Beiträge
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cor 15.06.2015
1. Fernweh?
Wenn ich die überlaufenden Strände am Bondi oder in Italien sehe, bekomme ich sicher kein Fernweh.
ich2010 15.06.2015
2.
bondi würde ich jetzt nicht als traumstrand bezeichnen. normaler stadtstrand, mit 4 spuriger hauptstraße direkt dahinter. nicht der brüller. da hat australien wesentlich schöneres zu bieten wie z.b. die whitsundays.
Steffen Gerlach 15.06.2015
3.
Ein heißer Anwärter auf den Preis "Unpassendste Ankündigung eines Artikels bei Spon". Das Projekt ist ja nicht uninteressant, aber was bitte soll der Fernweh-Schmus in der Ankündigung? Traumreiseziele? Weil eins der Bilder Venedig zeigt, zwischen Feldern, Flughäfen, Autobahnkreuzen...? Es geht hier um die Ästhetik künstlicher und natürlicher Strukturen, um Geometrie.
Hamberliner 15.06.2015
4. Bemerkungen zu Barcelona und Fernweh
Zu Barcelona: Dieses Schachbrettmuster, das Ensanche AKA Eixample, ist offenbar einzigartig. Daran hab ich meine Ex-Heimatstadt auf Anhieb wiedererkannt. Nur die Behauptung, die Av.Diagonal verbinde die Berge mit dem Meer, ist reichlich an den Haaren herbeigezogen. Wer so richtig spüren will, dass es von den Bergen, also der Serra de Collserola und dem Tibidabo, bis zum Meer, d.h. bis zum Port Vell, nur ein Katzensprung ist, der fahre vom Tibidabo herunter zum oberen Ende der c/Balmes, dann die ganze Balmes hinunter und an der Pca. de Catalunya vorbei durch die Ramblas zur Kolumbussäule. Diese Route bietet den Barcelona-Genuss wie keine andere. Am besten per Motorrad. Ob Fernweh oder nicht muss jeder mit sich selbst ausmachen. Ich empfinde durchaus Fernweh, wenn aus einer abstrakten Anordnung von Straßen, Küsten und Orten durch fotografische Details ein reales buntes Gewusel wird, worin man am liebsten ausgiebig herumfahren und herumlaufen würde, um es zu erkunden und zu genießen.
Untertan 2.0 15.06.2015
5. Kein Traum aber bekannt.
Zitat von ich2010bondi würde ich jetzt nicht als traumstrand bezeichnen. normaler stadtstrand, mit 4 spuriger hauptstraße direkt dahinter. nicht der brüller. da hat australien wesentlich schöneres zu bieten wie z.b. die whitsundays.
Die erreicht man von Sydney aus aber nicht in 10 Minuten mit dem Bus. Bondi ist ok. Gute Infrastruktur und nette Wandermöglichkeiten entlang der Küste. Eine m.M.n. etwas hübschere Alternative ist Manly Beach im Norden Sydneys.
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