Southfork Ranch in Dallas: Pilgerstätte für einen Fiesling

Von Denis Krick

Larry Hagman ist tot, aber J.R. bleibt unsterblich: Die Fans von "Dallas" pilgern zur Southfork Ranch, um ihres Lieblingsbösewichts zu gedenken. Am einstigen Drehort der TV-Serie werden Blumen niedergelegt - auch weil ihr Held skrupellos war.

Southfork Ranch in Dallas: Die Heimat von J.R. Fotos
dapd

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Klein ist sie, die Southfork Ranch. Im Fernsehen vor knapp 30 Jahren wirkte das Anwesen feudaler, imposanter, standesgemäßer. Wie es sich für das Zuhause der berühmtesten Millionärsfamilie der achtziger Jahre eben gehörte. Heute wirkt insbesondere der Swimmingpool geradezu lächerlich. Darin soll sich der großkotzige Ölbaron J.R. Ewing abgekühlt haben? "Den Pool hat man mit ein paar Filmtricks damals viel größer erscheinen lassen", erklärt Sally Peavy, die auf der Ranch im Marketing arbeitet.

J.R. ist nun tot. Oder besser gesagt, der Schauspieler, der ihn verkörperte: Larry Hagman starb am Freitag an einer Krebserkrankung in einem Krankenhaus in Dallas. Seitdem herrscht auf der Southfork Ranch außergewöhnlicher Betrieb. Touristen und Einheimische pilgern zur einstigen Heimat der Familie Ewing, um Hagman zu gedenken. Sie bringen Blumen und unterzeichnen auf einer Trauerkarte. "Wir haben ihn geliebt, weil er so skrupellos war", sagt Barbara Quinones, die aus New Mexico zu Besuch ist. Sie meint natürlich J.R. - und nicht Hagman.

Southfork steht irgendwo im Nirgendwo. Knapp 30 Autominuten außerhalb von Dallas liegt die weiße Ranch, am Rande eines Kaffs namens Parker. Auch wenn man es dem Anwesen nicht mehr ansieht, hier wurde einst Fernsehgeschichte geschrieben.

"'Dallas' ist eine globale Erfolgstory", erklärt Peavy. "In einigen Teilen der Welt läuft die Show immer noch." Länger als ein Jahrzehnt diente Southfork der Fernsehfamilie Ewing als Heimat. Von 1978 bis 1991 lief die Serie in den USA, sie wurde in 67 Sprachen übersetzt und in mehr als 90 Länder verkauft - auch in Deutschland war sie ein Hit.

Videobotschaft von Larry Hagman

Obwohl die Ewings Southfork längst verlassen haben, schreibt sich die Erfolgsgeschichte fort. Mit mehr als 100.000 Besuchern im Jahr ist die Ranch eine der Touristenattraktionen im Großraum Dallas. Und mit dem Tod von Hagman werden es jetzt wohl noch ein paar mehr.

Knapp acht Euro kostet eine geführte Tour über das Anwesen. Die erste Station dieses Trips in die Vergangenheit ist das "Dallas"-Museum. Zahlreiche Requisiten der Serie werden hier aufbewahrt: der edle Lederreitsattel von Pamela Ewing, eine Nachbildung des familieneigenen Grilles fürs Barbecue - und natürlich die Pistole, mit der auf J.R. geschossen wurde. Per Videobotschaft begrüßt ein sichtlich gealterter Larry Hagman mit fiesem Grinsen und Cowboyhut die Fans auf "seiner" Ranch.

Damals verbrachten Hagman und seine Schauspielerkollegen den gesamten Sommer für Dreharbeiten auf der Ranch. Fast alle Außenaufnahmen entstanden hier und in der näheren Umgebung, der Rest in einem Studio in Kalifornien. Ab 1989 verzichtete man dann aus Kostengründen komplett auf die Southfork Ranch und blieb gleich ganz in Hollywood. Manchmal sind die Darsteller der Serie noch einmal an die alte Wirkungsstätte zurückgekehrt, um wie 2004 an der großen "Dallas"-Reunion teilzunehmen. "Allerdings nur, wenn die Gage stimmte", wie Peavy erklärt.

Auf die alte Texas-Art

Für "Dallas"-Fans bleibt Southfork ein Mythos. Dabei waren die Ewings hier anfangs nicht mal zu Hause. Die ersten Folgen hatte die Produktionsfirma Lorimar Television 1978 auf einer anderen Ranch gedreht. Doch als deren Besitzer wieder seine Ruhe haben wollte, mussten sich die Macher nach Ersatz umsehen. Auf ihrer Suche überflogen sie Texas im Hubschrauber und wurden in Parker fündig: Das Anwesen, das damals noch Duncan Ranch hieß, entsprach genau ihren Anforderungen.

Das weiße Hauptgebäude ähnelte seinem Vorgänger, und so landeten die Fernsehleute irgendwann im Vorgarten von Joe Duncan. Der Hausbesitzer war von dem unangemeldeten Besuch überhaupt nicht begeistert und vertrieb die Eindringlinge von seinem Grundstück. "Auf die alte Texas-Art", wie Sally Peavy erklärt - mit dem Gewehr im Anschlag.

Die Hollywood-Produzenten ließen sich davon nicht schrecken. Sie kehrten zurück mit ihrer bevorzugten Waffe: dem Scheckbuch. Duncan vermietete sein Anwesen, aus der Duncan wurde die Southfork Ranch. Eine Entscheidung, die der Texaner jedoch wenig später schon bereute. Denn das Heim seiner Familie wurde immer mehr zum Ausflugsziel. Auf Spurensuche nach J.R., Bobby, Pam und Miss Ellie schwammen "Dallas"-Fans in Duncans Swimmingpool, sie durchwühlten seinen Mülleimer und stahlen seine Post. Bis der Trubel dem bodenständigen Mann zu viel wurde. Mitsamt seiner Familie flüchtete Duncan in ein neues Eigenheim in Parker.

Seit 1985 íst die Southfork Ranch eine Touristenattraktion. Die Einrichtung des Hauptgebäudes, in dem damals nur eine Handvoll der Szenen gedreht wurde, ist den Studiokulissen nachempfunden. Es gibt ein Bobby-Zimmer, ein Lucy-Zimmer und auf dem Klo von J.R. findet sich ein Telefon. An den Wänden hängen Porträts vom Patriarchen Jock Ewing und von Sue Ellen. Man ist zu Gast bei einer Familie, die im Kitsch lebt. Und diesen Kitsch kann man sich auch mit nach Hause nehmen. Von der "Dallas"-DVD über silberne Gürtelschnallen bis zum unvermeidlichen Cowboyhut - zwei Souvenirshops sind zum Bersten gefüllt mit Nippes aller Art.

Gutes Geld verdient man auf der Southfork Ranch inzwischen auch mit dem Ausrichten von Events. High-School-Bälle, Hochzeiten, Produktpräsentationen - das eigens errichtete Convention Center, eine riesige Veranstaltungshalle mit zahlreichen Bankettsälen, ist gut gebucht. Die Miete für einen Abend kostet hier schon mal 20.000 US-Dollar oder mehr, Texaner sind eben geschäftstüchtig. Oder wie Sally Peavy es ausdrückt: "Wenn Sie das Geld haben, haben wir Zeit für Sie." J.R. hätte es nicht treffender formulieren können.

mit Material von AP

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