Deutsche Winzerin in Thailand Edle Tropfen aus Hua Hin

Eine deutsche Winzerin ist Kellermeisterin von Südostasiens größtem Weinproduzenten und gewinnt mit ihren Edeltropfen einen Preis nach dem anderen. Doch nicht nur das thailändische Klima erschwert die Arbeit - sie muss gegen jede Menge Vorurteile ankämpfen.

Thilo Thielke

In den Gewässern vor der königlichen Residenz kreuzen die Kriegsschiffe der thailändischen Marine. Nur wenige Meter entfernt, am Strand der einfachen Leute, räkeln sich sonnenhungrige Pauschaltouristen aus Deutschland, Skandinavien und England. In den Safaricamps warten in der brütenden Hitze des Tages bemitleidenswerte Reitelefanten auf Touristen und in den Bars leichtbekleidete Mädchen auf die Kundschaft in der Nacht. So plätschert das Leben in Hua Hin dahin. Tagein, tagaus.

Das Seebad, 232 Kilometer südlich von Bangkok gelegen, führt eine ruhige Existenz - nicht so verrucht wie Pattaya, ihr Pendant auf der anderen Seite der Bucht, nicht so schrill und schwül wie die Hauptstadt. "Die eigentliche Attraktion des sonst eher unbedeutenden Städtchens" sei der feine, weiße Sand, findet der "Baedeker".

Kathrin Puff findet das nicht. Gut 35 Kilometer von Hua Hin entfernt durchstreift sie mit ihrem Mitarbeiter Chaorai Kanchanomai die Hua Hin Hills, sanfte, sattgrüne Hügel, auf denen der Wein reift. Es ist noch früh im Jahr; die Lese ist erst im Februar. Aber wenn das Klima so bleibt, erwartet Kanchanomai einen guten nächsten Jahrgang. Puff, 30, hört es gerne. Die Krefelderin ist Kellermeisterin in Thailands größtem Weingut, der Siam Winery (Jahresproduktion: 25 Millionen Liter), und verantwortlich für eine ziemlich ungewöhnliche thailändisch-deutsche Erfolgsgeschichte.

Aufstrebende Weinregion Südostasien

Eigentlich dürfte hier in Südostasien, am 13. Breitengrad, ja gar kein Wein heranwachsen, zumindest kein guter, meinen die Traditionalisten aus Bordeaux, der Toskana oder dem Rheingau. Die schwören darauf, dass Wein nur zwischen dem 30. und 50. Breitengrad gedeiht. Puff kann darüber nur lachen: "So ein Quatsch." Und sie kann es beweisen. Die "New Latitude Wines", die Weine aus den anderen Breitengraden, sind ja seit geraumer Zeit überall auf dem Vormarsch. An edle Tropfen aus Chile und Argentinien hat man sich schon gewöhnt, auch an Neuseeland und Australien als Weinproduzenten. Doch jetzt kommt guter Wein auch aus Dänemark und Schweden, aus Tansania und Kenia, sogar aus Vietnam und Indien, Burma und Thailand.

Und sie kommen mit Wucht. Drei Premium-Weine produziert Kathrin Puff, die seit September 2007 bei Siam Winery in Thailand für die Produktion verantwortlich ist: einen weißen Shiraz, einen roten Shiraz und einen Colombard. Und über mangelnde Anerkennung kann sich die deutsche Weinbauerin kaum beklagen. Ihr größter Stolz, der "White Shiraz", eigentlich ein Rosé, hat 2008 bei der "Vin Austria Wine Challenge" die Goldmedaille abgeräumt und bei der Mundus Vini (Deutschland), der "FBAT Wine Challenge" (Thailand) und der "Syrah du Monde" (Frankreich) jeweils Silber.

Regelmäßig bedenkt der amerikanische Weinpapst Robert Parker Puffs Thaiweine mit guten Noten (zuletzt 84 bis 87 von hundert möglichen Punkten). Und der kommende Shiraz, der Rote, der gerade in den eigens aus Frankreich importierten Eichenfässern heranreift und im März 2010 auf den Markt kommen wird, soll noch besser werden. "Sehr vielversprechend", hat Parkers Statthalterin in Südostasien nach einer Probeverkostung bereits geurteilt - ein Ritterschlag. Ein feiner Erfolg auch, dass es die Weine von "Siam Winery" mittlerweile sogar ins Sortiment von "Carrefour" geschafft haben. Die französische Supermarktkette ist bekannt für ihre erlesene Auswahl.

Lehrjahre in der Toskana

Ihr Handwerk hat Kathrin Puff noch in Deutschland gelernt, auf der Fachhochschule in Geisenheim, danach hat sie in Spanien gearbeitet. Schließlich war sie sieben Jahre in der Toskana, zuletzt als Kellermeisterin des Weinguts Dievole, eines "traumhaften Weinguts mit Restaurant und Hotelbetrieb", wie sie selbst sagt, das für seinen seinen Chianti Classico bekannt ist.

Doch dann lockte die Ferne, und außerdem hatte Puff beobachtet, wie die Europäer in der Tradition erstarren. "Wenn wir nicht aufpassen, rennen uns die neuen Weinländer davon", glaubt Kathrin Puff, die sich noch gut daran erinnert, wie sie "in Italien ständig im Büro sitzen und bürokratischen Unsinn erledigen musste". Das könne einem schnell den "Enthusiasmus nehmen", meint sie. Als sie in einer Fachzeitschrift die Anzeige von Siam Winery las, war ihr Interesse sofort geweckt.

Siam Winery wurde 1986 von Chalerm Yoovidhya aufgebaut. Der Thailänder Yoovidhya ist ein Multi-Multi-Millionär, der Erfinder von Red Bull und ein leidenschaftlicher Weinliebhaber. Nachdem er mit seinem Zuckerwasser steinreich geworden war, wollte er noch etwas Gutes tun und den Weinbau in Thailand entwickeln. Doch zunächst produzierte Siam Winery hauptsächlich "Spy Wine Cooler", eine süßliche Weinbrause mit sechs Prozent Alkohol - ganz nach dem Geschmack der Thais, die es "süß und fruchtig" (Puff) mögen.

"Ich musste jeden Knopfdruck erklären"

Puff machte sich bei ihrem Kollegen Wolfgang Schäfer schlau. Der hatte ebenfalls in Geisenheim studiert und sich unter anderem in Tansania einen Namen als Experte für Tropenwein gemacht. Schäfer riet zu, und Kathrin Puff fand sich wenig später in der Zentrale des Unternehmens in Samut Sakhon wieder, rund 40 Kilometer von Bangkok entfernt.

Ihre Aufgabe ist es jetzt, in Thailand Premiumweine zu entwickeln, Nachwuchskräfte im Weinbau auszubilden, den Wein salonfähig zu machen. "Am Anfang musste ich jeden Knopfdruck erklären", sagt Puff, "aber die Arbeit mit dem Team macht Spaß, alle sind jung und engagiert." Regelmäßig schickt sie ihre Mitarbeiter nach Neuseeland, Südafrika oder Europa, um die Kenntnisse zu erweitern. Die Assistenten danken es der Chefin mit Arbeitseifer.

Aber die hat auch gelernt. Natürlich. Weinbau in Thailand ist schließlich eine Wissenschaft für sich. Hier, wo die Sonne stets zwischen 18 und 19 Uhr untergeht, gibt es viel weniger Licht als im europäischen Sommer, die Intensität reicht oft nicht aus für einen Fruchtansatz. Dafür wächst alles im feuchtwarmen Klima wie in einem Treibhaus. "Ständig müssen die Reben geschnitten und kontrolliert werden", sagt Puff, "der Weinbau ist in Thailand viel arbeitsintensiver und weniger ertragreich."

Niedrige Lohnkosten machen den Weinbau in Thailand dennoch möglich, und das Resultat kann sich sehen lassen. 30 Hektar bewirtschaftet die Siam Winery in Hua Hin, zehn Hektar von Bewässerungsgräben durchzogene "schwimmende Weinberge" im Chao-Phraya-Delta.

"Der Wein ist gut", sagt Kathrin Puff, "jetzt müssen wir nur noch die Konsumenten überzeugen." Ausgerechnet die Deutschen kultivierten ihre Vorurteile gegen den thailändischen Wein besonders hartnäckig.

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