Weltreise mit Roller Herr Vacher fährt Viertakter

Bei mehr als 250 Kilometern am Tag schmerzt der Hintern, und geländegängig ist ein Roller auch nicht gerade. Dennoch hat sich Didier Vacher mit einer Viertakt-Kopie einer Vespa auf eine mehrjährige Reise begeben.

Ein Interview von

Didier Vacher

SPIEGEL ONLINE: Herr Vacher, wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit einem Motorroller um die Welt zu fahren?

Vacher: Ich sah in den Nachrichten, dass die Bäume am Canal du Midi eingehen. Die 42.000 Platanen leiden seit zehn Jahren unter der Massariakrankheit, ein Pilz führt zum Absterben der alten Bäume. Da wollte ich etwas tun. Mit meiner Reise will ich 200.000 Euro sammeln, um 200 Bäume zu kaufen. Damit kann man zwei Kilometer Kanal neu bepflanzen. Über die Tour werde ich ein Buch schreiben und damit hoffentlich das Geld für die Platanen verdienen.

SPIEGEL ONLINE: Und warum mit einem Roller?

Vacher: Ich habe mich gefragt: Was interessiert die Menschen? Und ich kam auf die Vespa PX, ein Relikt europäischer Kultur. Jeder kann sich eine leisten, und sie ist langsam genug, sodass ich mit Menschen in Kontakt kommen kann. Das Problem: Die Vespa ist ein Zweitakter. Im Internet fand ich Berichte über die LML Star 200, die in Indien gebaut wird und optisch einer Vespa ähnelt. Ihr Vorteil: ein moderner Viertaktmotor, der weniger umweltschädlich ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie kamen Sie an die neue Maschine?

Vacher: Ich nahm Kontakt zu LML Frankreich auf, erhielt aber nie eine Antwort. Ein Händler in Bordeaux und ein Importeur in Österreich halfen mir dann und stellten mir eine neue Maschine zur Verfügung.

SPIEGEL ONLINE: In den vergangenen anderthalb Jahren sind Sie schon durch Belgien, Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Japan und Brasilien gefahren. Wie lange wollen Sie insgesamt unterwegs sein?

Vacher: Eigentlich wollte ich innerhalb eines Jahres um die Welt fahren. Dann sah ich, dass die Menschen so interessiert an meiner Tour waren, dass ich meinen Plan änderte. Nun fahre ich zunächst weiter durch Nord- und Südamerika. Ich versuche, auf den gefährlichsten Straßen der Welt zu fahren, die meiste Zeit auf unbefestigten Straßen zu verbringen und unbekannte Ziele zu besuchen.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie Tipps für solch eine Reise geben?

Vacher: Machen Sie Ihre Tour alleine und respektieren Sie die Menschen. Seien Sie nicht arrogant! Zeigen Sie niemals Angst! Und Sie müssen gute Kenntnisse in der Reparatur eines Viertaktmotors haben.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie auf Ihrem Roller dabei?

Vacher: An Gepäck nehme ich so wenig wie möglich mit. Jeweils drei T-Shirts, Socken und Unterhosen, die Fleecejacke, Handschuhe, ein paar Flipflops und Turnschuhe. Wichtig: vier Ersatzreifen, Werkzeug, Paracetamol, Verbände und Antiseptika.

SPIEGEL ONLINE: Wie bezahlen Sie die Reise?

Vacher: Ich bezahle alle meine Ausgaben selbst, hatte jedoch Glück, Partner zu finden, die mir dabei helfen, Kosten zu reduzieren. Dazu gehören Hotels, Fluglinien und Freunde. Bei meiner früheren Tour, die mich über 29.650 Kilometer mit einem Tuktuk von Thailand durch 31 Länder bis nach Europa führte, habe ich gelernt, dass die Schweden das Projekt liebten. Also kontaktierte ich auch ungewöhnliche Hotels in Skandinavien.

SPIEGEL ONLINE: Zurzeit müssen Sie dennoch arbeiten?

Vacher: Ja, das stimmt. Im Moment arbeite ich bei einer Firma, die Luxusexpeditionen anbietet. Dort werde ich noch für gut zwei Monate arbeiten und dann weiterfahren.

SPIEGEL ONLINE: Wie reagieren die Menschen auf Sie?

Vacher: Sehr gut. Oft bekomme ich eine Schlafmöglichkeit angeboten, oder man hilft mir bei der Roller-Reparatur.

SPIEGEL ONLINE: Gab es technische Schwierigkeiten mit der Maschine?

Vacher: Ja, das größte Problem hatte ich mit dem Scooter in Argentinien. Ich blieb auf einer Sandpiste liegen, etwa 60 bis 100 Kilometer um mich herum keine Menschenseele. Das Problem am Motor konnte ich selbst nicht reparieren - und die Maschine durch den Sand zu schieben? War unmöglich, weil sie überladen war. Zum Glück kam die Guardia Civil vorbei und half mir. Auch Anwohner oder Vespa- und LML-Clubs sind oft sehr hilfsbereit.

SPIEGEL ONLINE: Ist es nicht ermüdend, die ganze Zeit auf einem Roller zu sitzen?

Vacher: Mir macht es großen Spaß, weil man langsam fährt und so eher jemanden kennenlernt. Bis zu 250 Kilometer am Tag ist es gut, bei längeren Strecken tut dir der Hintern weh. Die längste Strecke waren 520 Kilometer an nur einem Tag. Die Maschine ist nicht für unbefestigte Straßen gebaut. Auch auf Autobahnen wird es schwierig, weil die Lkw dich zur Seite drücken wollen. Das macht es gefährlich.

SPIEGEL ONLINE: Wann geht es mit Ihrer Tour weiter?

Vacher: Von März bis April 2015 fahre ich mit meinem Roller von Santiago de Chile nach Mendoza, weiter nach Salta in Argentinien und nach Paraguay, Iguaçu, Montevideo. 2016 folgt Mexiko, dann hinauf nach Vancouver bis Anchorage und Quebec. 2017 will ich von dort weiter nach Miami und Saint Martin. 2019 ist es dann Zeit, mein Buch zu schreiben, und 2020 plane ich bereits das nächste Projekt.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie dann noch alles vor?

Vacher: Es wird mit Thailand zu tun haben. Mehr will ich noch nicht verraten.

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
oteka 17.02.2015
1.
ein freund ist mit einem zweitakter (ddr DUO, 30-40 jahre alt) von freiburg nach wladivostok, und später von montreal nach anchorage gefahren. leider hatte der keinen spiegel redakteur als freund, und bekam so kein bericht über dieses mehrmonatige abenteuer. (neu, viertakter, replik ... ich muss grade sehr lachen. wirklich)
Victor Salomakhin 17.02.2015
2. Wieso 4-Takter?
Wenn ich auf Schotterpisten am Ende der Welt unterwegs wäre, hätte ich die originale PX mit 2-Takter genommen. wird fast unverändert seit 1946 gebaut und ist fast unkaputtbar. Habe selbst jahrelang ein solche Maschine gehabt und mit Hammer, Schraubenzieher und Fußtritten meist selbst reparieren können. Wieso ein indischer 4-Takt-Nachbau zuverlässiger sein soll, erschließt sich mir nicht. Und die Umwelt...na ja, wenn es ihm darum geht, hätte er mit dem Fahrrad fahren sollen.
karlsiegfried 17.02.2015
3. Gute Sache ...
... und die beste Vorgehensweise den Müll dieser Welt hinter sich zu lassen. Weiter so.
meckerziege24 17.02.2015
4.
na hoffentlich sind die Bäume am Canal du Midi bis dahin nicht längst vermodert!
Nemetz 17.02.2015
5.
empfehle Zentralasien, Kirgisien, Tadschikistan, dann weiss der Gute, was wirklich gefaehrlich ist, Paesse bis 5.500 m und naechstes Dorf 200 km. Telefon, Internet = 0. Sehr lustig ist auch Nord-Sibirien, geht aber nur im Winter, weil es keine Strassen gibt und winters zugefrorene Fluesse Strassen sind. Mit der Transsib, www.transsibirischeeisenbahn.me auf Deutsch, bis zum Baikalsee und dann nordostwaerts nach Magadan im Winter bei -55 C. Sind so um die 4.000 km Eiswueste. Davor haette ich dann Respekt!
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