Die besten Tauchtipps für 2016 Fetzenfisch voraus

Sie suchen Tauchspots, die noch nicht überlaufen sind? Wie wär's mit Utila in Honduras oder dem russischen Baikalsee? Die besten Tipps für spektakuläre Unterwasserwelten.


Insel Utila in Honduras: Wenn der Walhai mal ausfällt, kann man sich immer noch an Utilas farbenprächtiger Unterwasserwelt erfreuen

Keine Autos, keine Pauschaltouristen: Utilas Hauptstraße ist kaum mehr als ein befestigter Feldweg.

Linus Geschke ist Buchautor und freier Autor bei Spiegel Online. Er ist in allen Weltmeeren abgetaucht und dennoch ist ihm eine kleine Karibikinsel unvergessen geblieben: Utila, rund 30 Kilometer von der honduranischen Festlandküste entfernt.

"So richtig spektakulär sehen unsere Tauchplätze nicht aus", schreit Guide Timothy gegen den Lärm der PS-starken Außenbordmotoren an. "Dafür sind die Walhaie aber ganz nett." Die Taucher an Bord schauen irritiert, dann konzentrieren sie sich wieder auf den Horizont. Timothys Lachen hört kaum einer.

Eigentlich passt der wilde Ritt über die flache See so gar nicht zu dieser Insel: Utila - das ist eher die Entdeckung der Langsamkeit. Hier treffen Backpacker auf Aussteiger und Taucher. Pauschaltourismus gibt es kaum, dafür aber Walhaie: Auf gefühlt jede dritte Hauswand ist ein Bild der bis zu 15 Meter langen Planktonfresser gezeichnet.

Der Anker wird gesetzt, das Equipment geprüft, es folgt der Sprung ins Wasser. Auf dem in rund 15 Meter Tiefe liegenden Sandgrund leuchten farbenprächtige Schwämme, Barrakudas schwimmen vorbei und ab und zu ein Ammenhai.

Als sich ein dunkler Schatten in den Weiten der See zeigt, ist der Rest der maritimen Fauna vergessen. Acht, neun Meter lang ist der sich rasch nähernde Walhai - eher mittelgroß. Sein dunkler Rücken ist mit hellen Punkten übersät, sein Mund leicht geöffnet. Ein schwimmender Dinosaurier. Seine imposante Schwanzflosse schwingt geruhsam hin und her.

An Bord wird Timothy sich dafür entschuldigen, dass es diesmal nur ein einziger Walhai war. In der Hochsaison, März bis Mai und August bis Oktober, kommen sie manchmal in Scharen vorbei. Dann sind es so viele, dass man auf ihnen übers Meer laufen könnte.

Utila hat auch Steilwände zu bieten: Die besten Plätze liegen vor der Nordseite der Insel. Dass trotz der günstigen Preise bislang nur wenige Europäer hier herfinden, liegt auch an der Anreise: Meist führt sie über die USA und San Pedro Sula in die Hafenstadt La Ceiba, wo eine kleine Fähre die Insel mit dem Festland verbindet.

Um Islands Reize zu entdecken, braucht man nicht zwingend ein Tauchgerät: Manchmal reichen auch Flossen und Schnorchel.

Islands Unterwasserwelten könnten auch einem Roman über Mittelerde entsprungen sein.

Lars Brinkmann ist Chefredakteur des Tauchmagazins "Unterwasser" . Sein heißester Tipp ist eine eher kalte Gegend: Nordisland

Das Tauchziel Island hört sich frostig an. Ist es auch, meistens. Aber im Sommer herrschen auch im hohen Norden der Insel erträgliche Temperaturen, zumindest an Land.

Und es gibt Tauchplätze, die sich mit keiner anderen Destination vergleichen lassen. Der Strytan zum Beispiel, eine geothermale Süßwasserquelle, die im Eyjafjördur jede Minute hundert Liter 72 Grad heißes Wasser in den kalten Fjord spuckt. Oder die Nesgjá-Spalte, eine Narbe in der Landschaft, geformt von zwei Kontinentalplatten, eingegrenzt von Felswänden und gefüllt mit glasklarem Wasser.

Wer sich nach diesen eher frostigen Tauchgängen von knapp über null Grad aufwärmen möchte, kann das im Flüsschen Litlaá tun. Bei grauem Himmel wirkt es nicht gerade einladend. Doch seit einem Erdbeben 1977 sprudelt aus unzähligen kleinen Kratern am Flussgrund warmes Wasser, und so umschmeichelt die Litlaá ihre wenigen Besucher mit Wassertemperaturen über 17 Grad Celsius. Schleimalgen bedecken den Grund, und die Forellen werden riesengroß - bei sagenhaften Sichtweiten.

Bis jetzt haben die rauen Bedingungen im hohen Norden Islands so manchen Taucher abgeschreckt. Dagegen mausert sich im Süden der Insel die Silfra-Spalte immer mehr zum beliebten Tauchziel. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Ruhm der Silfra auf Nordisland abfärbt. Noch ist man dort ziemlich unter sich - obwohl das Tauchen hier abwechslungsreicher ist als im Großraum Reykjavik.

Die Wracks von Barbados sind dicht bewachsen - nackten Stahl sieht man dort kaum noch.

Aus der Luft lässt sich die dichte Lage der Wracks in der Carlisle Bay perfekt erkennen.

Der 34-jährige Wiesbadener Tobias Friedrich ist einer der weltweit am häufigsten ausgezeichneten Unterwasserfotografen. Wenn es nach ihm ginge, müssten deutlich mehr Taucher den Direktflug nach Barbados buchen.

Barbados wird keinen Preis als schönste Karibikinsel gewinnen. Zumindest, wenn man ausschließlich die Aussichten über Wasser zum Maßstab nimmt. Es gibt keine atemberaubenden Landschaften, keine überschäumende Vegetation. Unter der Wasseroberfläche aber blüht alles - die Tauchspots gehören zu den aufregendsten der Karibik.

Einer davon ist die Carlisle Bay, keinen Kilometer von der Hafenausfahrt in Bridgetown entfernt. Sechs Wracks ruhen dort, jedes einzelne ist dicht mit gelben und roten Schwämmen bewachsen. Die Berwym wurde 1919 von der eigenen Crew versenkt, die "Corn Wallis" im Zweiten Weltkrieg von einem deutschen U-Boot torpediert. Alle anderen Schiffe wurden ab 1986 künstlich versenkt - zugunsten eines Marineparks. Hartkorallen bedecken jeden Zentimeter der Bordwände, der Fischreichtum ist beeindruckend: Von gelben Meerbarben über Barrakudas bis hin zu Schwärmen von Gelbstreifen-Grunzern ist alles zu sehen.

Man kann allein an den Wracks eine Woche verbringen, ohne dass ein Hauch von Langeweile aufkommt. Oder man nähert sich ihnen im Turbomodus: sechs Wracks in einer Stunde. Schnell hin, Foto machen, schnell weiter. Ein Rekord fürs Logbuch.

Der Baikalsee ist für seine Robben bekannt: Augenscheinlich stoßen sie hier auf ein reichhaltiges Nahrungsangebot.

Karibik? Nein, der größte See der Welt! Im Baikalsee ist das Tauchen fast genauso farbenprächtig wie zwischen Kuba und Curacao - nur die Temperaturen unterscheiden sich deutlich.

Der Baikalsee wird als das russische Galapagos bezeichnet. Was die Abgeschiedenheit angeht, stimmt dies sicherlich.

Für Sabine Kerkau kann der Ausflug unter Wasser gar nicht tief und lang genug sein: Die Apothekerin gehört zu den besten technischen Taucherinnen des Landes und schreibt regelmäßig für das Fachmagazin "tauchen" - zum Beispiel über den russischen Baikalsee.

Im Herzen Sibiriens liegt der größte und älteste Süßwassersee der Welt, weit entfernt von allen touristischen Pfaden und versehen mit einer Unterwasserwelt, in der man sich fast wie in der Karibik fühlt - wenn die Temperaturen nicht wären.

Die Anreise ist lang, die Infrastruktur eher mau. Aber schon der erste Blick unter die Wasseroberfläche entschädigt für alles: Leuchtend grüne Röhrenschwämme bedecken bis in 30 Meter Tiefe den Seeboden und beherbergen unzählige Kleinstlebewesen. Darüber schwimmen Baikalrobben, die mit ihren übergroßen Augen aussehen, als hätte ein Walt-Disney-Zeichner sie für Kinder entworfen.

Bis zu 300 Meter tief kann die 80 bis 90 Kilogramm schwere Robbenart tauchen. Bis in Bereiche, in denen man den maximal anderthalb Meter großen Tieren auch als technischer Taucher nicht folgen kann. Stattdessen tobt man sich lieber an den atemberaubenden und senkrecht nach unten fallenden Steilwänden aus, die erst in über anderthalb Kilometer Tiefe enden, und erfreut sich an Sichtweiten, die von fantastisch bis unendlich reichen.

Von Mai bis August lässt sich das "russische Galapagos" am besten mittels einer Tauchsafari erkunden. In den Wintermonaten werden Eistauchsafaris veranstaltet. Dann geht es mit robusten Geländewagen über das Eis bis zum Tauchplatz. Der Ausblick nach oben bleibt auch unter dem Eis gewahrt: Es hat keine Einschlüsse und ist vollkommen klar und durchsichtig.

Neben den zahlreichen Haiarten gehören auch Begegnungen mit Mantarochen zu den Highlights Halmaheras.

Kein Strom, kein Hotel, kein Handyempfang: In Süd-Halmahera gibt es nur Natur.

Reisen sind seine Welt: Christoph Beck ist als Geschäftsführer von Deutschlands größtem Tauchreiseanbieter ständig auf der Suche nach neuen Zielen. Sein favorisiertes Tauchgebiet: Süd-Halmahera in Indonesien - abgeschiedener geht es kaum.

Kein Tourismus, nirgendwo. Keine Hotels, keine Restaurants, dafür vergessene Inselgruppen, auf denen Kinder noch zu Hunderten staunend auf dem Pier stehen, sobald ein Fremder das Dorf betritt. Nicht einmal die Schullehrer sprechen hier Englisch. Die Gastfreundschaft aber ist überwältigend und wird dem Besucher mit Händen, Füßen und Gebärden demonstriert.

Die bislang einzige Möglichkeit, dieses im Norden Indonesiens gelegene Paradies zu erkunden, sind Tauchsafarischiffe. Sämtliche Tauchplätze haben Weltklasseniveau, andere Wassersportler sucht man vergebens. Dafür lassen sich umso mehr Haie blicken: als patrouillierende Riffwächter gehören sie zu den ständigen Begleitern. Es gibt Spots, an denen sich die seltenen schwarzen Mantas tummeln, und Sandplätze mit nie gesehenen Crittern - kleinen Lebewesen, die wie Aliens wirken.

Sulawesi im Westen, die Molukken im Süden und Raja Ampat im Osten umgeben ein Gebiet von einigen Tausend Quadratkilometern, in dem 399 Inseln liegen. Hier schlägt das Herz des Korallendreiecks - eines der artenreichsten Gebiete weltweit.

Ebenso skurril wie anmutig: Die in den Kelpwäldern Tasmaniens lebenden Fetzenfische gleichen kleinen Drachen.

Räuberbande: Seelöwen sind oft verspielt und neugierig. Dennoch sollten Taucher nie vergessen, dass es Raubtiere sind.

Taucher.net ist das größte Onlineportal für Taucher in Europa. Geschäftsführer Herbert Gfrörer glaubt, dass man manchmal eben doch in die Ferne schweifen muss, um sein Glück zu finden. Beispielsweise in Tasmanien.

Ein Tauchziel, welches für Europäer am Ende der Welt liegt, als persönlichen Favoriten ausweisen? Dafür muss es schon ganz besondere Gründe geben: die Mischung aus einer unglaublich schönen und spektakulären Landschaft, gepaart mit einer reichhaltigen und größtenteils noch unberührten Unterwasserwelt. Eine Gegend, für die das Attribut "wild" wie für kaum eine andere passt: Tasmanien.

Unter Wasser stößt man auf fantastische Steilwände, die mit Juwelen- und Krustenanemonen übersät sind. Endemische Schwämme, Seescheiden und Moose ziehen in ihrer Vielfalt Unterwasserbiologen an - hier lassen sich ständig neue Arten entdecken.

Der skurrile Felsenmix aus Lehmgestein, Dolomit und Granit ist durch Erosionsvorgänge durchlöchert und auch für Höhlentaucher ein interessantes Ziel. Die "Cathedral Cave" ist dabei eine der bekanntesten Höhlen, und ihr vorderster Bereich ist auch für Sporttaucher gut geeignet. Der große Höhleneingang verzweigt sich erst später in immer kleinere Tunnel, die durch Gänge miteinander verbunden sind. Ein Schweizer Käse inmitten der südlichsten Provinz Australiens.

In den riesigen Kelpwäldern der Fortescue Bay tummeln sich Seelöwen, deren auffälligste Eigenschaft ihr ausgeprägter Spieltrieb ist. Und es gibt eine Art zu entdecken, die nur im Südaustralischen Meer vorkommt: den kleinen Fetzenfisch, oft auch Seedrache genannt. Seine skurrile Körperform mit ihrem Mix aus Seepferdchenkopf und Drachenkörper stellt die perfekte Tarnung gegen Fressfeinde dar - auf den ersten Blick wirkt er wie ein langsam vorbeitreibendes Algenbündel.

Der Fetzenfisch selbst ist ein ausgezeichneter Jäger. Sollte sich eine kleine Garnele zu dicht heranwagen, wird sie blitzschnell in die röhrenförmige Maulöffnung des kleinen Drachen gesaugt.

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Tauchtipps für 2016: Dinoparadies bis Drachenland

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