Kuriose Einreiseregeln "Können Sie Ihren Schnurrbart beschreiben?"

Ein Eid bei der Einreise, die Beschreibung der Gesichtsbehaarung oder die Frage nach terroristischen Vorlieben: Manche Staaten haben verwunderliche Einreiseregeln - meist jedoch aus gutem Grund.

Insel- und Tauchparadies Palau: Hat sich nachhaltigem Tourismus verschrieben
REUTERS

Insel- und Tauchparadies Palau: Hat sich nachhaltigem Tourismus verschrieben


Palau ist ein Ministaat von gerade einmal 460 Quadratkilometern Fläche. Die verteilen sich allerdings auf 356 Inseln, von denen elf bewohnt sind: Viel näher als dort am Äquator, 700 Kilometer nördlich von Papua-Neuguinea, kann man dem Klischee vom Südsee-Paradies kaum kommen.

Und die 17.000 Palauer wollen auch, dass das so bleibt - sie leben davon: Neben Entwicklungshilfe und den Geldsendungen Ausgewanderter ist der Tourismus die größte Einnahmequelle des Landes. Das hat nun angekündigt, dass es von Touristen bald eine Art Schwur verlangen wird, sich in Zukunft so zu verhalten, dass die Schönheit und die Ressourcen der Inseln auch künftigen Generationen noch zur Verfügung stehen.

Mancher mag das seltsam finden, aber im Grunde ist es Notwehr: Fast der gesamte Staat ist auf Korallen-Atollen erbaut. Zwar gibt es Erhebungen, von denen die höchste satte 242 Meter erreicht, doch das Gros der Landfläche liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel.

Ein merkliches Ansteigen der Wasserlinie wäre für Palau also bedrohlich - was auch klar macht, dass der "Touristen-Eid" deutlich über eine Selbstverpflichtung zum Wohlverhalten im Urlaub hinausgeht. Die Aktion ist ein Appell zu ökologisch korrektem Verhalten und gegen die fortwährende Zerstörung von Klima und Lebensräumen gerichtet.

Vermeintliche Seltsamkeiten: Meist gibt es Gründe

So manche Seltsamkeit, die von Besuchern eines Landes verlangt wird, hat bei genauerem Hinsehen durchaus nachvollziehbare Gründe.

So werden Australien-Besucher bei der Einreise gefragt, ob und wann sie kürzlich einen Bauernhof besucht hätten. Klingt doof, hat aber ebenfalls einen Sinn: Die Maßnahme zielt darauf, die Einschleppung von Krankheitserregern, beispielsweise über unzureichend gesäubertes Schuhwerk, zu verhindern.

Angst hat man dort beispielsweise vor der Maul-und-Klauen-Seuche: Die Viren sind lang haltbar und können sich in trockenem Staub über weite Strecken mit dem Wind verbreiten - Australien bietet dafür ideale Bedingungen. Doch den Australiern ist es schon seit 1872 gelungen, die tödliche Viehseuche aus dem Land zu halten, und so soll das auch bleiben.

Viele andere Einschränkungen und Bedingungen erwachsen aus kulturellen Empfindlichkeiten. In manchen islamischen Staaten ist die Einfuhr von Bibeln oder das öffentliche Tragen nicht-islamischer religiöser Symbole untersagt. Viele nehmen sich auch heraus, eine Kleiderordnung vorzuschreiben - vor allem für Frauen.

Kulturell bedingt sind wohl auch die herrlich höflichen Fragen im britischen Visums-Antrag. Der bittet ganz geradeaus darum anzugeben, ob man schon einmal Sympathien für terroristische Aktivitäten geäußert oder andere Dinge getan habe, die darauf hindeuten, dass der Antragsteller "keine Person guten Charakters" sei.

Kann man ja mal fragen, grenzt dann aber an einen IQ-Test: Wer "ja" ankreuzt, verliert.

Auszug / UK Visas & Immigration
gov.uk

Auszug / UK Visas & Immigration

Zu den Skurrilitäten des Reisenden-Lebens gehören auch die Risiken, sich beim Kaugummikauen in Singapur oder bei der Einfuhr von Kinder-Überraschungseiern in die USA erwischen zu lassen - beides kann vor Gericht enden. Gelockert hat seine Gesetze und Einreisebestimmungen dagegen Mexiko, nachdem ein Eintrag im mexikanischen Visa-Antrag 2013 weltweit für Belustigung sorgte: Einreise-Kandidaten sollten da ihren Schnurrbart näher beschreiben.

Dass man gar keinen hat, war nicht vorgesehen.
Auch nicht für Frauen.

pat



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
trader_07 10.11.2017
1.
Ich war zweimal auf Palau (was übrigens mal deutsches Staatsgebiet war!) und bin restlos begeistert von diesem Paradies auf Erden. Wenn die Palauer allerdings ihre grandiosen Riffe erhalten wollen, dann sollten sie den Horden von japanischen und südkoreanischen Pressluft-Vandalen das richtige Tauchen beibringen. Wie die - grottenschlecht ausgebildet - teilweise durch die Riffe bügeln - da kommen einem unter Wasser die Tränen ins Auge.
anna cotty 10.11.2017
2. Irland
Auch wenn man in Irland einreist, wird man gefragt, ob man kuerzlich auf einem Bauernhof war oder mit Vieh zu tun hatte. Aus genau dem selben Grund wie in Australien.
liegeradler 10.11.2017
3. Frage 6.14
.... dass mich jemand für einen schlechten Charakter hält? Ich möchte den sehen, der das verneinen kann. Ist auch literarisch belegt: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Schlussfolgerung: nur Lügner haben eine Chance auf ein Visum .... ?
tgb 10.11.2017
4. @Anna cotty
Also ich war schon unzählige Male in Irland und wurde noch nie nach irgendwas gefragt. Und da Irland ein EU-Land ist, darf ich dort auch jegliche Lebensmittel einführen. In Australien darf man allerdings nicht mal beim Wechsel des Bundesstaats - insbesondere nach Westaustralien - irgendwelche unverarbeiteten Lebensmittel mitführen.
frankn.stein 10.11.2017
5.
Ob ich jemals irgendwas getan habe aufgrund dessen irgendjemand finden könnte ich bin kein netter Mensch? Wer "Ja" ankreuzt wird ausgewiesen, wer "Nein" ankreuzt darf einen Antrag auf Heiligsprechen stellen... :)
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