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Dominikanische Republik: Brunft der Buckelwale

Die treuesten Gäste in der Bucht von Samana sind die Buckelwale. Jedes Jahr von Mitte Januar bis Mitte März zieht es die riesigen Meeressäuger aus ihrer arktischen Heimat zur Paarung in die geschützte Bucht im Osten der Dominikanischen Republik. Zur Freude der Wal-Touristen und der einheimischen Guides.

Santa Barbara de Samana - Die Passagiere starren gebannt auf das blaugraue Meer. Der Postkartenhimmel und die Tropeninsel mit ihren weißen Stränden und Kokospalmen interessieren sie jetzt nicht: Ein gewaltiger Schatten zieht nur wenige Meter unter der Oberfläche neben dem Boot entlang, gefolgt von einem kleineren. "Das ist ein Muttertier mit seinem Kalb", erklärt der Skipper, wuchtet den Motor in den Leerlauf und lässt das Boot fast geräuschlos in der sanften Dünung treiben. Ruhig gleiten die beiden Buckelwale vor der Küste der Dominikanischen Republik dahin.

Postkartenhimmel und Palmenstrände: Von mehreren Orten wie Santa Barbara de Samana oder Sabana de la Mar starten Boote zum Whale-Watching
GMS

Postkartenhimmel und Palmenstrände: Von mehreren Orten wie Santa Barbara de Samana oder Sabana de la Mar starten Boote zum Whale-Watching

Mehrere hundert Buckelwale sollen sich in diesem Moment hier in der Bucht von Samana im Osten des Landes aufhalten, schätzt der Experte der Betreibergesellschaft "Transporte Maritimo Minadiel". "Die Wale zählen zu den treuesten Gästen der Dominikanischen Republik, da sie jedes Jahr wiederkommen", sagt er.

Von Mitte Januar bis Mitte März treffen sich die gewaltigen Buckelwale in dieser warmen karibischen Badewanne. Sie werden rund 15 Meter lang und 30 bis 40 Tonnen schwer. Im Vergleich zu anderen Walarten besitzen sie auffällig große Brustflossen. Mit fünf bis acht Jahren werden sie geschlechtsreif. Dann können sie alle zwei bis drei Jahre ein Junges zur Welt bringen. Berühmt sind die Gesänge, mit denen die Walbullen versuchen, ihre Partnerin zu betören.

Zu schnell für die Fotografen

Die Buckelwale des Atlantiks schwimmen den langen Weg von den kalten arktischen Gewässern rund um Grönland und Island hierher, um zu flirten und für Nachwuchs zu sorgen. Das Wasser in der geschützten Bucht von Samana ist 12 bis 20 Meter tief und bietet den Riesen offenbar beste Voraussetzungen zur Paarung. Biologen meinen, das warme flache Wasser sei zudem ideal für die Geburt und das notwendige rasche Wachstum der zunächst noch kälteempfindlichen Wal-Babys. Denn die Jungen haben nur eine dünne Tran-Schicht, die den Körper im kalten Wasser nicht ausreichend schützt.

Buckelwal beim Rundumblick: Karibische Badewanne für den Nachwuchs
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Buckelwal beim Rundumblick: Karibische Badewanne für den Nachwuchs

Urplötzlich schießt direkt vor dem Boot ein Tonnen schweres Walmännchen fast senkrecht aus dem Wasser, spreizt seine Bauchflossen und klatscht dann mit einem gewaltigen Krachen rückwärts wieder in die Fluten. Einige Gäste schreien vor Begeisterung, wieder klicken die Kameras, doch zu spät: nur weiße, schäumende Gischt wird auf den Bildern zu sehen sein, dieser spektakuläre Auftritt eines ungestümen Casanovas kam zu überraschend. Einige Wale benehmen sich wie Halbstarke und zeigen ein Imponiergehabe wie liebestolle Hirsche im Herbst.

Das Whale-Watching in der Bucht von Samana ist ein großartiges Erlebnis. Zwar können die Veranstalter keine Garantie übernehmen, dass man tatsächlich Buckelwale zu sehen bekommt, doch im Februar sind die Chancen dafür ganz ausgezeichnet, während sie im März meist schon wieder schlechter werden. Die Boote starten in mehreren Orten, beispielsweise in Santa Barbara de Samana oder in Sabana de la Mar auf der anderen Seite der Bucht.

Piraten, Pelikane, Papageien

Die Halbinsel von Samana mit ihren grünen Tropenbergen, Wasserfällen und Traumstränden zählt zu den schönsten Regionen der Dominikanischen Republik. Bei den Bootsausflügen gibt es außer Walen daher noch sehr viel anderes zu entdecken: Der Nationalpark Los Haitises beispielsweise liegt am Ende der Bucht von Samana. Inseln aus Kalkstein ragen hier wie Riesenpilze aus dem Wasser. Wer einen guten Tag erwischt, kriegt Delfine, Pelikane, Fregattvögel und vielleicht sogar einen Papagei zu sehen.

Halbinsel Samana: Grüne Tropenberge, Wasserfälle und Traumstrände
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Halbinsel Samana: Grüne Tropenberge, Wasserfälle und Traumstrände

Im Landesinneren des Nationalparks mit seinen Schlingpflanzen, Urwaldriesen und Mangrovensümpfen wandelt der Besucher auf den Spuren der längst ausgestorbenen Taino-Indianer und der karibischen Piraten, deren Höhlen auf kurzen Landgängen bestaunt werden können. Und in einigen dieser Kalksteinhöhlen hausen auch heute noch Gestalten, die das Tageslicht scheuen: Fledermäuse.

Wal-Touren, die mit Ausflügen in den Nationalpark Los Haitises kombiniert sind, kann man auch in vielen Hotels der Dominikanischen Republik als Tages- oder Mehrtagesausflug buchen. Die Preise für einen Tagestrip liegen meist bei rund 100 US-Dollar (75 Euro).

Grenze der Belastbarkeit beim Whale-Watching erreicht

Die Beobachtungsfahrten in der Bucht von Samana sind inzwischen gut organisiert. Es gibt kaum noch Auswüchse wie vor Jahren, als kleine Boote mit waghalsigen Manövern versuchten, ganz nah an die riesigen Meeressäuger heranzufahren. Eine lokale Organisation sorgt dafür, dass nur geeignete Boote und geschulte Skipper hinausfahren und dass bestimmte Spielregeln wie beispielsweise Mindestabstände zu den Walen eingehalten werden. So darf sich ein Boot maximal 30 Minuten zum Beobachten bei einer Walgruppe aufhalten, dann muss es abdrehen und andere Wale suchen. Auch sollen nicht mehr als zwei Boote gleichzeitig eine Gruppe von Walen begleiten.

Die Dominikaner, die hier leben, waren schon immer Fischer, aber nie Walfänger. Doch inzwischen leben einige recht gut von den Walen, denn das Naturschauspiel ist für Samana zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. Kamen 1986 noch nicht einmal 1000 Touristen zum Whale-Watching, kletterte die Zahl einer Studie des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) zufolge in den vergangenen Jahren auf mehr als 30 000 Besucher. Inzwischen gibt es aber auch Warnungen, dass eine Grenze erreicht sei und die Wale noch mehr Störungen durch die Beobachtungsboote nicht verkraften würden.

Von Georg Alexander, gms

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