Driving Miss Norma Reisende Krebspatientin stirbt mit 91 Jahren

Ihre Courage hat Menschen weltweit berührt: Als bei Norma Bauerschmidt Krebs festgestellt wurde, begann die alte Dame statt einer Chemotherapie die Reise ihres Lebens. Nun ist sie gestorben, auf einer malerischen Insel im Pazifik.

Norma Bauerschmidt auf ihrer großen Reise

Norma Bauerschmidt auf ihrer großen Reise


Etwas mehr als ein Jahr ist vergangenen, seit Norma Bauerschmidt, Jahrgang 1925, von ihrem Arzt eine niederschmetternde Nachricht mitgeteilt bekam. Er habe bei ihr ein großes Geschwulst in der Gebärmutter festgestellt, es handele sich um Krebs.

Die Amerikanerin, damals 90, machte sich keine Illusionen, was diese Diagnose für sie bedeuteten würde. Nur zwei Tage zuvor war ihr Mann Leo in einem Hospiz gestorben, einer Einrichtung zur Begleitung Sterbender. 67 Jahre Ehe endeten in einem langen, kräftezehrenden und zermürbenden Kampf gegen den Krebs.

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Reisen mit 91: Norma auf großer Fahrt

Die Reaktion der alten Dame auf die Diagnose haben ihr Sohn Tim und seine Frau Ramie auf Facebook dokumentiert. "I'm 90 years old, I'm hitting the road", sagte Bauerschmidt. Auf Deutsch heißt das ungefähr: Ich bin 90, ich hau ab.

Das war der Beginn einer aufsehenerregenden Reise. Norma Bauerschmidt kletterte zu Sohn und Schwiegertochter ins Wohnmobil und machte sich daran, vor ihrem Tod noch möglichst viel von dem zu erleben, wovon sie ihr ganzes Leben geträumt hatte. Sie fuhr zu den Niagara-Fällen und schwebte in der Gondel eines Heißluftballons. Sie bestaunte Orcas an der US-Pazifik-Küste und warf einen Blick auf den Grand Canyon.

450.000 Facebook-Fans

Ihr Wohnmobil stoppte an 75 unterschiedlichen Orten in 32 US-Bundesstaaten. Mit jedem der rund 21.000 Kilometer ihrer Reise wurde die reisende Krebspatientin bekannter. Erst berichtete eine kleine Internetseite, später Zeitungen, dann auch das US-Fernsehen und Medien in Übersee über "Driving Miss Norma".

Wurde sie in Interviews gefragt, welcher Ort ihr denn auf ihrem Trip am besten gefallen habe, antwortete sie stets: "Genau dieser hier." Die ältere Dame, die statt einer Chemotherapie das größte Abenteuer ihres Lebens begann, stieß weltweit auf Bewunderung. 450.000 Fans verfolgten auf Facebook ihre Reise.

"Team Norma" postete dort Beobachtungen aus dem Alltag einer Sterbenden ("Den Wind können wir nicht kontrollieren, aber wir können die Segel setzen"), dazu zahlreiche Schnappschüsse von ihrem Roadtrip: Norma im Cabriolet neben ihrem geliebten Pudel Ringo, beim Pflücken von Haselnüssen oder vergnügt mit einem Bier in der Hand, zur Feier von 365 Tagen unterwegs.

Seit August aber wurden die Einträge spärlicher. Ein Jahr nachdem der Arzt ihr die Diagnose überbracht hatte, machte Normas Gesundheitszustand eine Weiterreise unmöglich. Sohn und Schwiegertochter fanden ein Hospiz an der Pazifikküste. "Leben ist das Gleichgewicht zwischen Festhalten und Loslassen. Heute lassen wir los", schrieben sie in der Nacht auf Samstag auf Facebook.

Norma Bauerschmidt starb am 30. September auf San Juan, einer malerischen Insel an der Pazifikküste der Vereinigten Staaten.

beb

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