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15. Februar 2013, 12:26 Uhr

Gänsehaut-Landebahn

Berüchtigter Flughafen von Quito macht dicht

Er gilt als einer der gefährlichsten Flughäfen in Südamerika: Der Mariscal Sucre International Airport mitten in Quito hat schon einigen Passagieren echten Nervenkitzel beschert. Jetzt wird er geschlossen - doch auch der Nachfolger ist Piloten nicht ganz geheuer.

Die Landebahn ist abschüssig, für Sturmböen berüchtigt und liegt mitten in der Stadt. Für viele Ecuador-Reisende war bislang das erste Reiseabenteuer die Ankunft auf dem Mariscal Sucre International Airport, der unter Piloten als besondere Herausforderung gilt.

Nun ist diese Ära vorbei: Am Montag schließt der Flughafen, um dem Nuevo Aeropuerto Internacional de Quito Platz zu machen, der 15 Kilometer östlich des Stadtzentrums in der Nähe der Ortschaft Tababela eröffnet wird. Sein Terminal ist 38.000 Quadratmeter groß, er verfügt über sechs Flugsteige und insgesamt 45 Parkpositionen für Flugzeuge. Etwa fünf Millionen Passagiere pro Jahr sollen hier abgefertigt werden.

Dass der gebaut wurde, lag nicht nur an den Gefahren des alten Flughafens, an dem es in den vergangenen 30 Jahren zu neun Unfällen mit Todesfällen kam. Durch die Lage zwischen Häusern war es dort unmöglich, weiter zu expandieren, um die steigenden Besucherzahlen bewältigen zu können. Doch auch der Nachfolger-Airport ist bereits umstritten: Wegen schlechter Straßenanbindung wird damit gerechnet, dass die Fahrt nach Quito von dort bis zu 90 Minuten dauern kann.

Der alte Flughafen war 1960 eröffnet worden, zuletzt wurden hier 220 Flüge pro Tag abgewickelt. Die steigenden Passagierzahlen brachten ihn in den vergangenen Jahren an die Grenze seiner Kapazität. Seit 1984 hatte es vier Unfälle gegeben, bei denen Flugzeuge mit Häusern kollidiert sind, dabei kamen insgesamt 135 Menschen ums Leben. Die Höhe von 2800 Metern erschwert das Manövrieren, weil dadurch die Leistung der Maschinen eingeschränkt wird.

400 Meter tiefer liegt der neue Flughafen, seine Startbahn ist mehr als 1000 Meter länger. Laut offiziellen Angaben könne dadurch die Sicherheit für die Passagiere deutlich erhöht werden. Das allerdings bezweifeln Piloten. "Das Mikroklima in dem Tal, wo sich der Flughafen befindet, ist sehr kompliziert, die Sichtweiten sind 80 Prozent des Jahres eingeschränkt", sagte Pilot Stephano Rota laut einem Bericht des britischen "Guardian". "Der neue Airport könnte eine noch größere Herausforderung sein als der bisherige."

sto

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