Tour durch Quito: Die Polizei, dein Freund und Fremdenführer

Weiß getünchte Fassaden, kunterbunte Märkte: Quito glänzt mit einer der schönsten Altstädte Südamerikas. Doch einst war Ecuadors Hauptstadt ein gefährliches Pflaster. Seither zeigen Polizisten den Touristen die Mitte der Welt - und die Hölle vor der Haustür.

Ecuador: Fremdenführer in Uniform Fotos
K. Schreiter

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Quito - Prunkvoll liegt die Plaza de la Independencia in der sengenden Sonne, eingefasst vom Erzbischöflichen Palast, dem Regierungspalast und der Kathedrale. Überall weißer Stein. Mauern, Arkaden, Säulen, Balkone, die zu leuchten scheinen. Es ist Mittag, der Platz im Zentrum von Ecuadors Hauptstadt Quito ist voller Menschen. Alle scheinen sich versammelt zu haben: junge Schuhputzer auf der Suche nach einem Kunden, dem sie das kleine Holzkästchen unter die Füße schieben können.

Zeitungsverkäufer mit Poncho und Hut, die lautstark die Schlagzeilen des Tages ausrufen. Straßenhändler, die Kaugummis, Bonbons oder einzelne Zigaretten anbieten. Blinde Losverkäufer, die singend die gigantisch hohe Summe bekanntgeben, die es heute zu gewinnen gibt. Indio-Frauen in bunten Röcken, die ein wenig Schatten suchen. Und Soldaten der Präsidentengarde, die in historischen Uniformen vor dem Regierungspalast stehen und sich von den Touristen bestaunen lassen.

Hier, mitten im historischen Zentrum der Stadt, ist der Arbeitsplatz von Paula Carola Diaz Villa. Die 31-jährige Fremdenführerin in Uniform gehört zu einer einmaligen Sondereinheit der Policía Metropolitana de Quito. Die zierliche Frau wartet im Schatten eines Torbogens. Das schwarze, zum strengen Dutt gekämmte Haar hat sie sorgfältig unter ihre Kappe gesteckt. Als Erstes will sie ihren Gästen ihre Lieblingsgasse, die La Ronda, zeigen. "Vamos!", ruft sie und läuft zielstrebig voran.

Einer der sichersten Orte Südamerikas

Frisch sanierte koloniale Pracht, wohin man schaut. Fahnen in Gelb, Blau und Rot, den Farben Ecuadors, schmücken die Häuser. Bereits vor der spanischen Eroberung war diese schmale Gasse ein wichtiger Handelsplatz längs der Stadtmauer von Quito, später das Zentrum der Prostitution. Heute ist La Ronda ein beliebtes Fotomotiv der Touristen. Paula zeigt auf einen Hauseingang, über dem ein großes, in Stein gehauenes Kreuz prangt. "So war es früher üblich", sagt sie, "jeder konnte sehen, dass in diesem Haus gute Christenmenschen wohnen."

Die spanischen Kolonialherren haben ihre Spuren hinterlassen. Die baulichen Überreste fügen sich heute zu einem wahren Schmuckstück zusammen. Quito gilt als die am besten erhaltene koloniale Altstadt Südamerikas. 1978 wurde das historische Zentrum ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen. Paula und weitere 15 Frauen und Männer von der Policía Metropolitana wurden extra ausgebildet, den Besuchern die prachtvollen Seiten der Stadt zu zeigen. Sie beherrschen mindestens eine Fremdsprache und kennen sich gut in Kirchen- und Kolonialgeschichte aus.

Die Gründung der Tourismustruppe Anfang der siebziger Jahre war die Idee eines ehemaligen Polizeidirektors. Damals drohte die Altstadt zu verfallen, immer mehr Kriminelle fühlten sich in den verwinkelten Straßenzügen zu Hause. Es wurde deshalb nicht nur ein umfangreicher Sanierungsplan erstellt, der inzwischen zum Großteil abgearbeitet worden ist, sondern auch in die Sicherheit investiert.

Man schickte die Besucher Quitos kurzerhand in Begleitung uniformierter Polizisten auf Stadtrundgang. Mittlerweile hat sich die Vorsichtsmaßnahme als so attraktiv erwiesen, dass man bis heute an der Tourismuspolizei festhält, obwohl Quitos Altstadt längst wieder einer der sichersten Orte Südamerikas ist.

Wo das Wasser ohne Strudel abläuft

"Sicher und besonders beschützt", sagt Paula und verweist auf die zahlreichen Gotteshäuser. Auf 320 Hektar stehen dicht an dicht 40 Kirchen, eine prunkvoller als die andere. Ihr Schmuck ist eine Mischung aus einheimischer und europäischer Kultur. Die Iglesia San Francisco ziert zum Beispiel die geflügelten Jungfrau von Quito, die weltweit einzige Marienfigur mit Flügeln. Die Jesuitenkirche, deren Bau 162 Jahre gedauert hat, ist angeblich mit sieben Tonnen Blattgold verziert. Altäre, Säulen, Gewölbe, alles glänzt. Dazu zeigt ein großformatiges Gemälde die Hölle - voll mit Sündern, vom Trunkenbold bis zum Geschwätzigen, dem der Teufel die Zunge ausreißt.

So spirituell sehen das nicht alle Quiteños. Man habe schließlich auch ein Stück Hölle vor der Haustür, sagen einige. Denn nicht weniger als zwölf Vulkane umgeben die Hauptstadt. Der Telefériqo, Quitos Seilbahn bringt seine Passagiere innerhalb von zehn Minuten in die schwindelerregende Höhe von 4050 Metern. Dort lassen sich die weißen Kuppeln des Anden-Gebirges bestaunen - mit dabei die schneebedeckten Vulkane Cayambe, Antisana und Cotopaxi, der immer mal wieder mit Rauchschwaden und kleinen Beben für Unruhe in der Region sorgt.

Von der brodelnden Unterwelt will Paula nichts wissen. "Wir sind hier dem Himmel näher als sonst irgendwo auf der Welt", sagt sie. Und hat dafür auch eine Erklärung: "Zu uns hat Gott den kürzesten Weg. Unsere Stadt ist schließlich ganz dicht am Äquator."

Die Attraktion El Mitad del Mundo - die Mitte der Welt - liegt gut 30 Kilometer nördlich vor den Toren der Stadt. Ein Ort auf dem Breitengrad Null, an dem die Sonne mittags keinen Schatten wirft. Hier gibt es Fotomotive satt: zum Beispiel die Linie, über die mancher Besucher hin und her springt und damit zwischen nördlicher und südlicher Halbkugel wechselt. Und im Denkmal- und Museums-Areal gleich nebenan bleiben Eier auf der Spitze stehen und Wasser läuft ohne Strudel in den Ausguss.

Das liege an der schwachen Erdanziehungskraft, lautet die Erklärung. Doch darüber lächelt Paula nur höflich. Sie weiß: Quito braucht keine Schau, um seine Besucher zu verzaubern.

Weitere Informationen
Botschaft von Ecuador, Joachimstaler Str. 12, 10719 Berlin, Tel. 030 8009695, www.ecuadorembassy.de. Für generelle Informationen: www.quito.com.ec.
Reisezeit
In der "Stadt des ewigen Frühlings" sind tagsüber ganzjährig 18 bis 21 Grad. Touren der Policía Metropolitana de Quito gibt es täglich um 10 und 14 Uhr, buchbar unter Tel. 00593 2 2570786.

Katrin Schreiter/srt/jus

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1.
SimoM 06.06.2013
Zitat von sysopWeiß getünchte Fassaden, kunterbunte Märkte: Quito glänzt mit der schönsten Altstadt Südamerikas. Doch einst war Ecuadors Hauptstadt ein gefährliches Pflaster. Seither zeigen Polizisten den Touristen die Mitte der Welt - und die Hölle vor der Haustür. Ecuador: Mit der Polizei durch die Straßen von Quito - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/ecuador-mit-der-polizei-durch-die-strassen-von-quito-a-903972.html)
Nett geschrieben! Die Attraktion am Äquator heißt aber "Ciudad Mitad del Mundo" oder zumindest _La_ Mitad del Mundo. Aber weder das Monument selbst, noch die Linie liegen auf dem genauen Äquator sondern ein paar hundert Meter entfernt. Korrekt verortet ist dafür das ebenso erwähnte Museumsareal das zumindest früher Inti Ñan hieß und deutlich lohnenswerter ist. Darum funktionieren dort direkt auf der Äquatorlinie auch die beschriebenen Experimente.
2. Quito, Ecuador und Correa sind ein Begriff
rolandjulius 06.06.2013
Das mit dem Ei finde ich kurios, doch aussagefähiger wäre, was President Correa bei der letzten Amtsübernahme sagte: Brasilien hat den Amazonas, Argentinierin die Pampa aber wir haben das Paradies.
3. Quito ist schon ein schöner Ort
LapOfGods 06.06.2013
Diese Tal. Dieses Klima. Ich bin echt niemand der Kirchen abklappert, aber diese "San Francisco" sollte man mal gesehen haben. Das relativ kleine, flache Gebäude mit seiner irren Ausstattung hat mich mehr beeindruckt als jede Großkirche in Europa. Und die Vulkane sind früh morgens eigentlich fast immer sichtbar (zumindest bei meinen Besuchen).
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Bevölkerung: 14,865 Mio.

Fläche: 272.045 km²

Hauptstadt: Quito

Staats- u. Regierungschef: Rafael Correa

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