Ethisch korrekte Reiseziele Erholung mit gutem Gewissen

Die Non-Profit-Organisation Ethical Traveler empfiehlt für 2014 politisch korrekte Reiseziele: Mit dabei sind unter anderem Lettland, Mauritius und Barbados. Asien und der afrikanische Kontinent sind dagegen nicht vertreten.

Getty Images

Toller Strand, gutes Klima, ein Hotel voller Annehmlichkeiten - was den Ausschlag gibt bei der Wahl des nächsten Urlaubsziels, dient meistens erst mal dem eigenen Wohl. Touristen können aber auch darauf achten, dass es den Menschen im Reiseland gutgeht und dass möglichst viele profitieren von dem Geld, das sie vor Ort ausgeben. Immerhin ist der Tourismus für viele Entwicklungsländer eine der ersten Wirtschaftsbranchen, die ihnen zu Wohlstand verhilft.

Die Non-Profit-Organisation Ethical Traveler aus Kalifornien stellt jedes Jahr eine Bestenliste auf mit zehn aufstrebenden Entwicklungsländern, die sich aus ethischen Gesichtspunkten als Reiseland empfehlen. Bemühungen um den Schutz von Umwelt und Menschenrechten, aber auch funktionierende Sozialsysteme sind die drei wichtigsten Kriterien. Die Tourismusindustrie der Länder sollte lebendig sein, die ganze Bevölkerung sollte davon profitieren. Erstmals wurde in diesem Jahr auch der Tierschutz geprüft.

"Wir haben es als Reisende selbst in der Hand, vorbildliche Länder zu unterstützen", heißt es in der Empfehlung von Ethical Traveler. Die Organisation nennt als Ziele für 2014 folgende Länder - in alphabetischer Reihenfolge:

  • Bahamas
  • Barbados
  • Kap Verde
  • Chile
  • Dominica
  • Lettland
  • Litauen
  • Mauritius
  • Palau
  • Uruguay

Gelobt wurden zum Beispiel die großen Naturschutzgebiete der Pazifikinsel Palau, die geringe Kindersterblichkeit auf den kapverdischen Inseln und Barbados sowie in Litauen. Die Bahamas, Barbados, Chile, Dominica, Kap Verde, Litauen sowie Palau und Uruguay erhielten die höchstmögliche Punktzahl in Sachen Bürgerrechte und Pressefreiheit. Klicken Sie auf die Fotostrecke, um mehr Informationen zu finden.

Asiatische Staaten schafften es wie schon in den vorigen Jahren nicht auf die Liste. Was Menschenrechte und Umweltschutz angeht, ließen diese noch immer viel zu wünschen übrig, erklärte Ethical Traveler. Kontinentalafrikanische Länder fehlen ebenfalls. Ghana wurde von der Liste entfernt, weil es vermehrt gegen Menschenrechte verstoße.

Was die Kriterien angeht, vergleicht die Organisation frühere und aktuelle Gegebenheiten, um auch Bemühungen und Veränderungen zu würdigen. Als Informationsquellen nutzt sie die Weltbank, die Nichtregierungsorganisation Freedom House, die weltweit Demokratie zu fördern versucht, die Entwicklungshilfeorganisation Millenium Challenge Corporation, Reporter ohne Grenzen, das Kinderhilfswerk Unicef sowie die Gemeinschaft LGBT, die sich um die Belange aller kümmert, die von heterosexuellen Normen abweichen.

Keins der empfohlenen Länder ist ohne Makel

Steht eine Vorauswahl von Reisezielen, geht es in die Detailanalyse: Welche Maßnahmen hat eine Regierung im Laufe des vergangenen Jahres umgesetzt? Was hat sich verbessert? Was hat sich verschlechtert?

Attraktiv für Touristen sollten die Länder ohnehin sein. Beeindruckende Landschaften sollte es geben, ebenso wie einen guten Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, der sowohl die Menschen vor Ort als auch die Gäste bereichert.

Trotzdem: Keins der aufgelisteten Reiseziele sei perfekt, betont Ethical Traveler. Hauptkritikpunkt in diesem Jahr ist der Umgang mit Homosexuellen und mit indigenen Völkern in den Reiseländern. "Gerade Chile und Dominica müssen viel mehr tun, damit die Rechte ihrer indigenen Bevölkerungsgruppen gewahrt werden."

Barbados, Mauritius und auch Dominica würden Homosexualität völlig unzeitgemäß kriminalisieren. Allerdings - und das erkannte die Organisation an - würden diese Gesetze in der Praxis äußerst lax umgesetzt.

Außer den zehn empfohlenen Zielen nennt Ethical Traveler fünf weitere "interessante" Orte. Dies sind für 2014 Kuba, Ägypten, Iran, die Philippinen und Namibia.

bon

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gegengleich 12.12.2013
1. optional
Na toll, außer Lettland und Litauen sind alle Ziele nur per Flugzeug erreichbar. Ist es ehtisch vertretbar, die Urlaubermassen dahin schicken zu wollen, wenn man weiß, daß 1 Urlaubsflug soviel CO2 etc verursacht wie 30 Jahre Autoreisen??
MatthiasHub 12.12.2013
2. optional
Bringt den unterdrückten oder armen Leuten ja auch nichts wenn wir deren Länder meiden, aber Hauptsache das eigene Gewissen ist rein und man bekommt nicht vorgeführt das der eigene Reichtum nun mal auf der Ausbeutung anderer basiert. Wer wirklich helfen will, sollte sich ethisch inkorrekte Reiseziele suchen und der lokalen Bevölkerung einen Zehner zustecken oder in die Politik gehen...
HeisseLuft 12.12.2013
3. Nicht genau gelesen
Zitat von GegengleichNa toll, außer Lettland und Litauen sind alle Ziele nur per Flugzeug erreichbar. Ist es ehtisch vertretbar, die Urlaubermassen dahin schicken zu wollen, wenn man weiß, daß 1 Urlaubsflug soviel CO2 etc verursacht wie 30 Jahre Autoreisen??
Die Liste bezieht sich auf "developing nations". Damit sind etwa die skandinavischen Länder sicher nicht enthalten. Es spricht ansonsten aber sicher nichts dagegen, in Norwegen Urlaub zu machen. Wenn es ganz korrekt sein soll, so paddeln sie dorthin.
Old_European 12.12.2013
4. Freedom House
Diese selbsternannten „ethical travelers“ beziehen ihre Informationen also von Organisationen wie dem „Freedom House“? – Interessant. Denn das „Freedom House“ ist eine weitgehend von der US-Regierung finanzierte Organisation. Dort engagieren sich direkt oder indirekt ausgewiesene Menschenrechtler wie Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz und Condoleeza Rice. Den Vorsitz des Vereins mit dem schönen Namen hatte zeitweise ein Ex-CIA-Chef. Auf die Boykottempfehlungen solcher Leute soll man „aus ethischen Gründen“ hören? - Das ist ja wohl ein schlechter Witz. Ich lehne diesen zwielichten Laden ausdrücklich ab und werde auch in Zukunft nach meinen eigenen Kriterien, und nicht nach den Kriterien US-amerikanischer Politiker aus dem Dunstkreis von George W. Busch darüber entscheiden, wo ich Urlaub mache.
Olaf 12.12.2013
5.
Zitat von GegengleichNa toll, außer Lettland und Litauen sind alle Ziele nur per Flugzeug erreichbar. Ist es ehtisch vertretbar, die Urlaubermassen dahin schicken zu wollen, wenn man weiß, daß 1 Urlaubsflug soviel CO2 etc verursacht wie 30 Jahre Autoreisen??
Na ja, dass ist ja für den gut situierten, umweltbewussten 1. Welt Bewohner gedacht. Der will ja nicht im Harz wandern und mitgebrachte Brote mampfen (was eine ausgezeichnete Umweltbilanz hätte), sondern sucht für seinen Trip nach Mauritius noch das passende, gute Gewissen. Und das liefern die.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.