Politisch korrekte Reiseziele "Urlauber haben enorme Macht"

Tonga, Samoa, Tuvalu: Sie sind echte Paradiesinseln - und in mancher Hinsicht sogar politisch korrekte Reiseziele. Eine gemeinnützige Organisation gibt Tipps für ethisch anspruchsvolle Urlauber.

Lagunen und Traumstrände: Die pazifische Inselregion Mikronesien bemüht sich um den Umweltschutz
Corbis

Lagunen und Traumstrände: Die pazifische Inselregion Mikronesien bemüht sich um den Umweltschutz


Manche Menschen wollen in ihrem Urlaub nicht nur am Strand liegen oder Attraktionen abklappern, sondern etwas Gutes tun, sich engagieren. Das geht, indem man sich in ein Freiwilligenprojekt einbucht und Englisch unterrichtet oder Vögel zählt. Oder indem man einfach ein Land bereist, das sich ethisch korrekt verhält - oder dies versucht.

Eine Hitliste solcher Staaten gibt jedes Jahr die gemeinnützige Organisation Ethical Traveler heraus. 2016 sind vor allem kleine Inselstaaten in der Karibik oder im Südpazifik dabei, aber auch ein riesiges Land wie die Mongolei.

Die Organisation mit Sitz in Berkeley im US-Bundesstaat Kalifornien beobachtet seit Mitte der Neunzigerjahre die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Schwellen- und Entwicklungsländern. Einmal im Jahr wählt sie zehn Länder aus, die sich verstärkt um Menschenrechte, den Umweltschutz und das Sozialwesen bemühen und "einen lebendigen, Community-basierten Tourismus" schaffen.

Dieses Jahr haben es folgende Länder in die Top Ten der ethisch korrekten Reiseziele geschafft:

Schwapp, schwapp: Wie lange an diesem Strand noch kleine Wellen landen und Tuvalu ein Naturparadies bleibt, ist unklar. Der Inselstaat im Pazifik zählt zur sogenannten Vulnerable Twenty Group - ist also einer der 20 Staaten, die am meisten vom Klimawandel bedroht sind. Entsprechend groß sind die Anstrengungen in Sachen Umweltschutz, schreibt Ethical Traveler. Mit mehr Solaranlagen will Tuvalu sich unabhängig von fossilen Brennstoffen machen.

Urlaub in der Südsee - das klingt nach einem traumhaften Trip. Geht es nach der Non-Profit-Organisation Ethical Traveler kann so ein Abenteuer sogar politisch ziemlich korrekt sein. In der Top Ten der "ethischen Reiseziele 2016" taucht auch die pazifischen Inselregion Mikronesien auf. Die Föderierten Staaten hätten sich jüngst in Sachen Umweltschutz verdient gemacht, zum Beispiel mit dem Schutz eines 78 Hektar großen Regenwalds auf der Insel Kosrae.

Politisch (fast) korrekte Karibik: Dominica will bald nicht nur sich selbst mit erneuerbaren Energien wie Erdwärme versorgen, sondern auch andere Karibikstaaten. Auch im Sozialwesen - wie beim Zugang zu medizinischer Versorgung - ist Dominica unter seinen Nachbarn Vorreiter. Kritischer sieht Ethical Traveler hier die Menschenrechte: Gleichgeschlechtliche Paare werden diskriminiert.

Bei der Gleichstellung Homosexueller sind die Kapverden einen Schritt weiter: Hier wird dieses Jahr die dritte "Gay Pride"-Party zelebriert. Auch die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern ist hier recht weit. Es gibt laut Ethical Traveler eine gute Chance, "dass das Land seine erste Premierministerin (Janira Hopffer Almada) bekommt".

Einsamer Reiter in der Provinz Arkhangai: Sechs der zehn "ethisch korrekten Reiseziele" sind dieses Jahr Inselstaaten, aber auch die Mongolei ist mit dabei. Das Land habe fast 15 Prozent seiner Fläche unter Naturschutz gestellt, schreibt der Ethical Traveler. Doch die enormen Vorkommen von Kupfer und Gold treiben den Minenboom voran - eine Entwicklung mit negativen Folgen für die Umwelt. "Wir werden die Minen-Aktivitäten beobachten", schreibt die amerikanische Non-Profit-Organisation.

Wale beobachten im Südpazifik: Tonga bemüht sich sehr um den Schutz seiner wunderschönen Natur - zum Beispiel mit neuen Meeresschutzgebieten. Allerdings hat der Ethical Traveler ein kritisches Auge auf den polynesischen Inselstaat. "Tonga wäre fast von der Liste geflogen", heißt es auf der Webseite der Non-Profit-Organisation. Es sei weltweit eine von sieben Nationen, die nicht die Frauenkonvention der Vereinten Nationen ratifiziert hätten. Dabei handelt es sich um das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau.

Strandspaziergang in Aguas Dulces: Uruguay zählt zu den "Top-Performern in Sachen grüne Energie", schreibt die Redaktion des Ethical Travelers. Das Land habe im vergangenen Jahr 90 Prozent der Elektrizität aus erneuerbaren Energien bezogen und plane derzeit den weltweit ersten "vollständig nachhaltigen Flughafen".

Traumstrand auf Grenada: Die Insel der Kleinen Antillen wäre fahrlässig, wenn sie ihre prächtige Natur nicht schützen würde. Für die Regeneration der Korallenriffe gibt es nun Pläne - und vom Ethical Traveler ein Lob dafür.

Sonne satt: Bereits 2017 will Samoa eine zu 100 Prozent nachhaltige Energieversorung vorweisen - unter anderem mit den vielen neuen Solaranlagen, die 2015 installiert wurden.

Frachter auf dem Panama-Kanal: Das mittelamerikanische Land hat in letzter Zeit die Wiederaufforstung vorangetrieben, lobt der Ethical Traveler. Neu ist auch ein Tierschutzgesetz, das unter anderem Stier- und Hahnenkämpfe verbietet. Auch wegen dieser Bemühungen im Naturschutz landete es auf der Liste der ethisch korrekten Reiseziele 2016.

"Wir wollen dazu anspornen, diese Länder zu bereisen", schreibt der Ethical Traveler. Nicht nur wegen der "landschaftlichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten" und großartiger Outdoor-Erlebnisse, sondern wegen des besonderen Engagements vor Ort. Als einer der ökologischen "Top-Performer" gilt dieses Jahr Uruguay: Das Land habe im vergangenen Jahr 90 Prozent der Elektrizität aus erneuerbaren Energien bezogen und plane derzeit den weltweit ersten "vollständig nachhaltigen Flughafen".

"Reisende haben eine enorme Macht"

Tonga im Südpazifik und die Kapverden hätten dagegen Fortschritte bei der Gleichstellung Homosexueller gemacht, und Dominica in der Karibik wurde für den vorbildlichen Zugang zu medizinischer Versorgung gelobt. Mehr über die einzelnen Bemühungen dieser Staaten lesen Sie in dieser Fotostrecke.

"Reisende verfügen nicht nur über Neugierde, sondern über eine enorme Macht", heißt es auf der Website von Ethical Traveler. Sie könnten nicht nur ihren persönlichen Erfahrungsschatz ausbauen, indem sie ferne Länder besichtigten, sondern auch politisch und wirtschaftlich etwas in Gang setzen. Sie lassen mitunter viel Geld im Land, schaffen aber auch einen internationalen Austausch. "Unsere Begegnungen wirken sich nicht nur auf unser Leben aus, sondern auch auf das Leben der Menschen, deren Welt wir betreten."

Für die Auswahl sprechen die Macher der Bestenliste unter anderem mit Bürgern, Politikern und Touristen, sie recherchieren in lokalen Medien und in den Berichten anderer Non-Profit-Organisationen wie Unicef oder Reporter ohne Grenzen.

jus

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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
telos 15.01.2016
1. Schön, dass es noch Reiseziele gibt,...
die gewissen politisch korrekten Implikationen entsprechen. Nachdenklicher jedoch macht mich, wer aus der breiten Bevölkerungsschicht sich so etwas leisten kann (es sei denn er wird per Kredit finanziert, und da freuen sich wieder die Banken) und zum anderen die Frage, wie denn diese Reiseziele ökologisch vertretbar erreicht werden können? Ich meine dass auch hier wieder einige Augen plus Hühneraugen bewußt zugedrückt werden.
steinvec 15.01.2016
2. klar
Ich soll um die halbe Welt fliegen um Länder zu besuchen, die durch den "Klimawandel" vor dem Untergang stehen oder auf erneurbare Energie setzen?
Haywood Ublomey 15.01.2016
3. Ein schlagendes Beispiel für die Schizophrenie des „ethischen Konsums“
Werbung für Fernflüge um den Erdball zu Inseln, die vom Klimawandel bedroht sind! Zum Kaputtlachen, wenn es nicht so bescheuert wäre.
serenity2012 15.01.2016
4.
Na klar... abgelegene Inseln wie Samoa und Tuvalu profitieren davon, dass sie nur wenige Touristen haben und diese meist gut betucht sind. Wenn die Backpacker-Spaßtruppen anrücken und dann die Pauschaltouristen ist es schnell aus mit dem Umweltparadies, dann sieht es auch dort bald so aus wie auf Bali - überall Müll, Plastikflaschen, zugebaute Strände, usw. Tourismus KANN bis zu einem gewissen Grad positiv sein und so manche hier genannten Länder wie die Mongolei oder Uruguay können sicher mehr Besucher vertragen - Tourismus kann aber ganz schnell ins Gegenteil umschlagen und dann vor allem Schaden anrichten und die Umwelt extrem belasten.
Dengar 15.01.2016
5. Hmm
Nun lassen diese Länder ja nicht einfach so mit dem Fahrrad erreichen, wie ethisch korrekt ist es wohl, erst mal Unmengen von Kerosin durch den Schornstein zu blasen, um dahin zu kommen?
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