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03. Januar 2012, 06:27 Uhr

Exquisite Reisen

Was kostet die Welt?

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Zehn-Gänge-Menü in Madrids Prado-Museum, Tauchgang zur "Titanic", Champagner-Frühstück auf einem Gletscher: Geht nicht? Geht doch. Mit Helikopter, U-Boot und dem nötigen Kleingeld kann man sich jeden Urlaubswunsch erfüllen. Die spektakulärsten Reiseziele 2012.

Wer hätte gedacht, dass man seinen Urlaub im Weltall verbringen kann? Mit 200.000 Dollar bald kein Problem mehr. Oder dass sich ein Candle-light-Dinner für zwei im Prado-Museum organisieren lässt? 20.000 Euro - und Sie können sich sogar das Bild aussuchen, unter dem der Tisch stehen soll.

Die Welt ist käuflich - zu einem bestimmten Preis erfüllen Spezialreiseveranstalter einfach jeden Wunsch. Dafür haut der Reisende entweder sein Urlaubsbudget für die nächsten 50 Jahre auf den Kopf. Oder er gehört zu den Menschen, die es sich schlichtweg leisten können.

Wer im ultimativen Luxus schwelgen (und damit angeben) will, der findet hier neue Träume:

Madrid, Spanien - Museums-Dinner mit Glanz und Goya

Träumen Sie auch davon, sich einmal für eine Nacht im Museum einzuschließen, um mit Caravaggio, Goya oder Velázquez ganz allein zu sein? In Madrid kann sich diesen Wunsch jeder erfüllen, der das nötige Kleingeld mitbringt: Wenn sich die Türen des weltberühmten Museo del Prado abends hinter den Touristen schließen, erhalten Gäste des Fünf-Sterne-Hotels "Villa Magna" eine kulturell-kulinarische Spezialbehandlung.

Ein Kunstkenner sperrt ihnen für einen Abend die Pforten des weltberühmten Museums auf - und gibt eine exklusive Führung durch die Sammlung. Sobald den Luxusbesuchern der Magen knurrt, dürfen sie unter einem Gemälde ihrer Wahl Platz nehmen und sich verwöhnen lassen. Kredenzt wird dort ein Gourmet-Menü - was auf den Tisch kommt, bestimmt selbstverständlich der Gast. Ach ja, ob ein Pianist während des Dinners in die Tasten haut, ein Violinist die Saiten streicht oder eine Hardrockband die Bude rockt, richtet sich natürlich auch nach individuellem Geschmack. Immerhin kostet die exklusive Veranstaltung mehr als 20.000 Euro.

Zurück im Hotel bringt der Butler Erdbeeren und Cava in die Royal Suite. Und am nächsten Tag? Da könnte man eine Spritztour durch Spaniens Hauptstadt machen - mit dem Maserati, der zur freien Verfügung steht.

Termine und Information: Bei dem Prado-Dinner handelt es sich um ein "One-of-A-Kind"-Arrangement, das das Hotel "Villa Magna" in Kooperation mit dem Luxushotelverband Leading Hotels of the World anbietet. Individuelle Beratung gibt es unter der Telefonnummer 001-800-745 8883, Termine und Extras werden nach Wunsch vereinbart.

Was kostet der Spaß? Ab 10.000 Euro pro Nacht (plus Mehrwertsteuer), Mindestaufenthalt im Hotel "Villa Magna" sind zwei Nächte.

Forsyth Island, Neuseeland - eine Insel für mich allein

Picknick am Paradies-Strand. In Buchten baden, ohne von den nervigen anderen Touristen überrascht zu werden. Einmal Einsamkeit spüren. Echtes Robinson-Crusoe-Gefühl stellt sich doch in Wahrheit nur ein, wenn man ganz allein auf einer Insel ist.

Zum Beispiel vermittelt der Anbieter Vladi Private Islands kleine und große Paradiese auf der ganzen Welt - von Spanien bis Schottland, von Kanada bis Fidschi. Zu den Luxus-Reisezielen gehört etwa Forsyth Island, eine etwa 750 Hektar große Insel in den Marlbourough Sounds von Neuseeland. Wen es hierhin verschlägt, der teilt sich die grünen Hügel allein mit ein paar Schafen, das Meer mit den Delfinen und die Lodge aus Holz mit maximal fünf Freunden. Bei einer Wanderung über die bewaldeten Bergkämme kann man sich sicher sein, niemanden zu treffen. Nur das Service-Personal blickt mal um die Ecke und bringt frischen Meeresfang und Obst zur Erfrischung.

Erreichen können De-luxe-Urlauber ihre Insel per Schiff (280 Euro hin und zurück) - aber was soll der Geiz? Schneller und spektakulärer ist die Anreise mit dem Helikopter. Der Flug dauert von Neuseelands Hauptstadt Wellington 20 Minuten und kostet rund 800 Euro pro Strecke für vier Personen. Eine Schifffahrt kann man später nachholen: Der Privatskipper wartet schon auf Te Paruparu - das ist der Maori-Name der Insel, der auf Deutsch "die Gute" bedeutet.

Wer noch den besonderen Rahmen für die geplante Hochzeit sucht: Auf Forsyth Island können sich Verliebte entweder an einem der Strände oder auf einem 440 Meter hohen Bergrücken das Jawort geben. Panoramablick und neuseeländische Heiratstraditionen inklusive.

Termine: Nach individueller Absprache, Buchung und Informationen unter Vladi Private Islands.

Was kostet der Spaß? Ab 1000 Euro pro Tag für die gesamte Insel (zuzüglich 15 Prozent lokaler Steuern), Mindestaufenthalt zwei Tage.

Uganda, Kenia, Tansania - im Helikopter zu den Gorillas

Wenn ein Flug über den Kilimandscharo nicht der Höhepunkt einer Reise ist, sondern nur das passende Ende einer zweiwöchigen Ostafrika-Erkundung, dann darf die schon mal eine Viertelmillion Euro kosten: Der britische Reiseveranstalter Brown + Hudson stellt maßgeschneiderte Touren für Kunden zusammen, die im Urlaub nicht sparen müssen. Zum Beispiel bei einer Helikopter-Safari nach Uganda, Kenia und Tansania.

Was die Passagiere aus luftiger Höhe zu sehen kriegen, klingt spektakulär: Tausende Flamingos, die das Ufer des Lake Bogoria pink färben, tosende Wasserfälle nördlich von Kampala, Büffelherden in den endlosen Weiten der Serengeti. Doch diese Ausblicke sind noch nicht alles: In einem kenianischen Nationalpark treffen die Gäste Elefantenforscher; in Uganda dürfen sie die Angel ins Wasser werfen und hoffen, dass ein Nilbarsch anbeißt.

Der Clou: Mit von der Partie ist der berühmte Tierfilmer Alan Root, der die komplette Reise mit der Kamera einfängt und einen persönlichen Film daraus macht. Er sorgt dafür, dass die Urlauber ihre 14 Tage in Ostafrika nicht nur in guter Erinnerung behalten werden, sondern die drei Länder in Bildern mit nach Hause nehmen können.

Root machte sich einen Namen als Kameramann bei den Aufnahmen zum Film "Serengeti darf nicht sterben", der 1960 mit dem Oskar für die beste Dokumentation ausgezeichnet wurde.

Termine: Bei diesem Ostafrika-Abenteuer handelt es sich um eine Modellreise, Termine und Extras nach individuellem Wunsch.

Was kostet der Spaß? 320.000 US-Dollar (rund 250.000 Euro). Preislich ist bei den Reisen von Brown + Hudson Spielraum vorhanden: nach unten - aber selbstverständlich auch nach oben.

Grenchen, Schweiz: Gletscherfrühstück mit einem Glas Schampus

Blauer Himmel, knirschender Tiefschnee - so fängt der Tag in den Alpen gut an. Wären da nicht die langen Schlangen am Lift und Hunderte Frühaufsteher, die alle gleichzeitig auf den Berg wollen. Wer keine Lust auf Menschenmassen hat, sondern einen ungestörten Augenblick auf 3000 Meter Höhe erleben möchte, muss einfach 1500 Euro hinblättern und sich per Helikopter zum Gletscher bringen lassen.

Nach einem zwei- bis zweiundhalbstündigen Flug - wahlweise durch das Emmental, über die Berge Eiger, Mönch und Jungfrau oder was immer die Passagiere wünschen - landet der Turbinenhelikopter auf dem Petersgrat. Dort gibt es dann Lachsbrötchen und Obst in der Morgensonne, nirgends klingen die Champagnerkelche so schön wie in klirrender Kälte.

Termine: Nach Absprache, Buchung und Informationen unter www.heli-west.ch.

Was kostet der Spaß? 1850 Schweizer Franken (rund 1500 Euro) für zwei Personen.

Oberitalienische Seen - Luxus-Roadtrip mit dem eigenen Oldtimer

Stolze Besitzer von Oldtimern haben es nicht leicht: Da steht der schicke Schlitten in der beheizten Garage, aber für eine Landpartie ist er irgendwie doch zu schade - denn zu viele gefahrene Kilometer schmälern den Wert eines Aston Martin oder eines Mercedes 300 SL doch erheblich. Die Lösung: seine Luxuskarosse Huckepack nehmen. Ein Veranstalter aus Hamburg bietet seit kurzem einen Transportservice für Wagen, die auf deutschen Autobahnen einfach nichts zu suchen haben.

Ob Toskana, die Schweizer Berge, Norditaliens Seen oder die Côte d'Azur - wer eine Tour beim Luxusreisenanbieter Grand Tourisme bucht, muss sich von seiner Karre nun nicht mehr trennen. Der Gast reist bequem per Flugzeug, sein Auto wird hinterherchauffiert. Vor Ort bettet sich der Reisende in Nobelhotels, er speist in den Spitzenrestaurants der Region und wird auch kulturell bespaßt.

Termine: Oberitalien und Côte d'Azur im Mai/Juni 2012, Schweiz und Toskana im September/Oktober 2012, Anreise jeweils freitags. Weitere Informationen gibt es bei Grand Tourisme unter der Telefonnummer 040 / 87089310.

Was kostet der Spaß? Ab 4200 Euro pro Person für eine Woche (im Doppelzimmer).

Champagne, Frankreich - Kreuzflug in den Nobel-Weinberg

Warum in aller Welt schmeckt das Zeug nur so lecker? Wer Champagner nicht nur mal "zur Feier des Tages" trinkt, sondern schon gar nicht mehr weiß, wie ordinärer Sekt schmeckt, den wird es vielleicht interessieren, wo das Prickelwasser eigentlich herkommt. Schade nur, dass die französischen Häuser Dom Pérignon, Krug oder Ruinart fast niemanden einen Blick in in ihre kühlen Keller werfen lassen.

Eine Chance aber gibt es, die urigen Gewölbe tief unter den Hügeln der Champagne zu betreten und mal an eins der kostbaren Fässer zu klopfen: als Teil eines zweitägigen Luxus-Kreuzflugs in den Nordosten Frankreichs. Hapag-Lloyd bietet Genussfreunden mit einem zu dicken Geldbeutel die Gelegenheit, innerhalb von nur 72 Stunden 7000 Euro zu verprassen.

Reisen tun die Luxuspassagiere natürlich im Privatjet, einer Dornier 328. Übernachtet wird an zwei Orten, die nicht nur äußerst nobel sind, sondern Normalsterblichen eigentlich gar nicht erst offenstehen: im Hôtel du Marc, dem Palast der 1866 verstorbenen Madame Clicquot, die die Champagnermarke Veuve Clicquot Ponsardin weltberühmt gemacht hat; und im Château de Saran in Épernay, das der Kellerei Moët & Chandon gehört.

Termine: 11. bis 13. Mai 2012, los geht's mit dem VIP-Privatjet in Stuttgart, Buchung unter www.hl-kreuzfluege.de.

Was kostet der Spaß? 6990 Euro pro Person im Doppelzimmer, 7310 Euro pro Person im Einzelzimmer.

Neufundland, Kanada - Tauchgang zum "Titanic"-Wrack

Was ist schon die Besteigung eines Sechstausenders, wenn man in 3800 Meter Tiefe das berühmteste Schiffswrack der Welt besichtigen kann? Menschen mit Hang zum Extremen - und mit viel Geld - dürfen sich 2012 auf ein besonderes Erlebnis freuen: einen Ausflug zum "Titanic"-Wrack. Im April vor 100 Jahren rammte der Luxusliner vor der Küste Neufundlands einen Eisberg und ging unter. Anlässlich dieses Jahrestags bringt der amerikanische Reiseveranstalter Horizon & Co. 20 Menschen dorthin, wo Forscher 1985 die Reste des Ozeanriesen fanden, der eigentlich "unsinkbar" sein sollte.

Bei der 15-tägigen Tour entdecken Urlauber zunächst die kanadischen Provinzen Nova Scotia sowie Neufundland und Labrador, bevor sie im Hafen von St. John auf ein Expeditionsschiff gehen. Mehrere Tage lang kreisen die Reisenden über der "Titanic"; von hier aus steigen jeweils zwei Gäste in ein russisches U-Boot, um sich in die Tiefen des Atlantiks absenken zu lassen. Nach zweiundhalb Stunden Dunkelheit kommt die Kapsel am Meeresgrund an, wo der Kapitän das Gerippe der "Titanic" als atemberaubende Kulisse mit seinen Scheinwerfern in Szene setzt.

Bei einem drei- bis vierstündigen Tauchgang werden die Urlauber mit eigenen Augen das Schiffswrack begutachten können - und sich vielleicht ausmalen, was Luxusreisen im Jahre 1912 bedeuteten.

Termin und Information: 12. bis 27. Juli 2012, weitere Termine und Informationen auf der Website des Veranstalters Horizon & Co.

Was kostet der Spaß? 66.257 US-Dollar (rund 50.700 Euro) pro Person.

Von Kalifornien bis ins All - schwerelos reisen

Der Weltraumbahnhof steht, mehr als ein Dutzend Testflüge hat das SpaceShipTwo bereits absolviert. Bisher fliegt das Touristen-Raumschiff von Virgin Galactic zwar nur über der kalifornischen Mojave-Wüste, doch schon ab kommendem Jahr sollen Urlauber bei 4200 km/h ins All jetten können.

Die Raumfähre des britischen Milliardärs Richard Branson wird Platz für sechs Passagiere bieten und ihnen ein unvergessliches Erlebnis bescheren: schwereloses Reisen. Angedockt an ein Transportflugzeug sollen sie auf 15.000 Meter Höhe gebracht werden, dort wird das SpaceShipTwo dann abgekoppelt und per Raketenantrieb auf über 100 Kilometer Höhe geschossen werden.

Ob es überhaupt jemanden gibt, der so eine größenwahnsinnige Vorstellung vom Reisen hat? In der Tat. Laut Virgin Galactic gibt es bereits 450 feste Buchungen und Anzahlungen in Höhe von 55 Millionen Dollar.

Termine: voraussichtlich ab 2013.

Was kostet der Spaß? 200.000 US-Dollar pro Ticket.

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