Aus Tokio berichtet Stephan Orth
Um mich den lokalen Gegebenheiten anzupassen, will ich meine eigene Rangliste machen: eine Top Five der absurdesten, skurrilsten, ungewöhnlichsten Souvenirs, die man in Japan für insgesamt 3000 Yen (knapp 25 Euro) kaufen kann. Als Inspiration dient der in Sachen alberne Gadgets unschlagbare Blog Tokyomango. Dort präsentiert Shopping-Expertin Lisa Katayama mit Vorliebe Dinge wie das Plastikmodell einer überfahrenen Katze mit Reifenabdruck und roten Plastik-Innereien. Oder einen Schlüsselanhänger, der Klospülungsgeräusche imitiert, um auf Toiletten unvorteilhafte Begleitgeräusche zu übertönen. Die Messlatte ist hoch.
Wenn es irgendwo vergleichbare Souvenir-Highlights gibt, dann in Tokios Stadtteil Akihabara, auch bekannt als "Electronic City". Die verrückteste Shoppingmeile der Stadt ist Pilgerziel der Nerds des Landes. "Otaku" nennt man hier jenen Menschenschlag, der Schwächen in den Bereichen modisches Auftreten und Sozialkompetenz durch ein detailliertes Fachwissen über Mangafiguren, Eisenbahnen oder Roboter ausgleicht.
Damit mein Ausflug noch etwas spannender wird, setze ich mir im Heimatland der Pünktlichkeit ein Zeitlimit von zwei Stunden. Ein fataler Fehler.
16:00
Ich kenne mich in Tokio nicht aus, deshalb hoffe ich auf göttlichen Beistand am Kanda-Myojin-Schrein im Norden von Akihabara. Sonderlich traditionell geht es in diesem Tempel nicht zu: Von kleinen Holzplatten, auf die Besucher ihre Gebete schreiben sollen, lächeln Mangamädchen herab. Aus einem Glaskasten starrt ein Löwen-Roboter mit rotem Kopf nach draußen, sein motorisierter Plastikkörper wippt zu schrillen Flötenklängen aus dem Lautsprecher.
Geld ausgeben kann man auch hier. Ich werfe 200 Yen in den Münzschlitz am Kasten, der Löwe bedankt sich mit krächzender Stimme und bewegt den Kopf nach rechts. Dann zieht er ein gefaltetes Papier aus einer Box und lässt es in den Ausgabeschacht fallen: mein Horoskop.
"Du sollst im gemächlichen Tempo gehen, damit du ein friedliches Leben führen kannst", steht darin, und: "Viel Geld fliegt zum Fenster hinaus, deshalb sollst du viel sparen." Na großartig, da ist mein Schnell-Shopping-Experiment ja genau der falsche Tagesplan. Zum Glück sieht die Shinto-Religion vor, dass man einem unerwünschten Schicksal entfliehen kann, wenn man sein Horoskop an einer Art Wäscheleine zurücklässt.
Ich knote meine Zukunft weg und kaufe vorsichtshalber noch ein goldbesticktes Omamori-Säckchen im Tempel-Shop. Dieser teebeutelgroße Talisman soll Glück in Geldangelegenheiten bringen und ist entsprechend teuer: 800 Yen, etwa sechs Euro. Bevor es richtig losgeht, habe ich schon ein Drittel meines Budgets investiert, das fängt ja gut an.
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