Extrem-Shopping in Tokio: Mangas, Maids und miese Mitbringsel

Aus Tokio berichtet

Zwei Stunden Zeit, 25 Euro in der Tasche, eine Mission: Es gilt, im Weihnachtsgetümmel die fünf absurdesten Souvenirs Japans zu finden. Prädestiniert als Shopping-Jagdgrund ist Akihabara, Tokios Lieblingsstadtteil der Nerds und Manga-Fans. Das Ergebnis ist eine Katastrophe.

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Manga-Paradies Akihabara: Extrem-Shopping in Tokio
Japaner lieben Ranglisten. Riesigen Erfolg hat die Kaufhauskette "ranKing ranQueen" mit dem Konzept, immer die Top fünf der meistverkauften Gesichtspuder, Fußmassagegeräte oder Waschlappen des Landes anzubieten. Die durchnummerierten Produkte geben die Sicherheit, das Richtige zu kaufen, weil vorher schon Hunderte das Gleiche gekauft haben.

Um mich den lokalen Gegebenheiten anzupassen, will ich meine eigene Rangliste machen: eine Top Five der absurdesten, skurrilsten, ungewöhnlichsten Souvenirs, die man in Japan für insgesamt 3000 Yen (knapp 25 Euro) kaufen kann. Als Inspiration dient der in Sachen alberne Gadgets unschlagbare Blog Tokyomango. Dort präsentiert Shopping-Expertin Lisa Katayama mit Vorliebe Dinge wie das Plastikmodell einer überfahrenen Katze mit Reifenabdruck und roten Plastik-Innereien. Oder einen Schlüsselanhänger, der Klospülungsgeräusche imitiert, um auf Toiletten unvorteilhafte Begleitgeräusche zu übertönen. Die Messlatte ist hoch.

Wenn es irgendwo vergleichbare Souvenir-Highlights gibt, dann in Tokios Stadtteil Akihabara, auch bekannt als "Electronic City". Die verrückteste Shoppingmeile der Stadt ist Pilgerziel der Nerds des Landes. "Otaku" nennt man hier jenen Menschenschlag, der Schwächen in den Bereichen modisches Auftreten und Sozialkompetenz durch ein detailliertes Fachwissen über Mangafiguren, Eisenbahnen oder Roboter ausgleicht.

Damit mein Ausflug noch etwas spannender wird, setze ich mir im Heimatland der Pünktlichkeit ein Zeitlimit von zwei Stunden. Ein fataler Fehler.

16:00

Ich kenne mich in Tokio nicht aus, deshalb hoffe ich auf göttlichen Beistand am Kanda-Myojin-Schrein im Norden von Akihabara. Sonderlich traditionell geht es in diesem Tempel nicht zu: Von kleinen Holzplatten, auf die Besucher ihre Gebete schreiben sollen, lächeln Mangamädchen herab. Aus einem Glaskasten starrt ein Löwen-Roboter mit rotem Kopf nach draußen, sein motorisierter Plastikkörper wippt zu schrillen Flötenklängen aus dem Lautsprecher.

Geld ausgeben kann man auch hier. Ich werfe 200 Yen in den Münzschlitz am Kasten, der Löwe bedankt sich mit krächzender Stimme und bewegt den Kopf nach rechts. Dann zieht er ein gefaltetes Papier aus einer Box und lässt es in den Ausgabeschacht fallen: mein Horoskop.

"Du sollst im gemächlichen Tempo gehen, damit du ein friedliches Leben führen kannst", steht darin, und: "Viel Geld fliegt zum Fenster hinaus, deshalb sollst du viel sparen." Na großartig, da ist mein Schnell-Shopping-Experiment ja genau der falsche Tagesplan. Zum Glück sieht die Shinto-Religion vor, dass man einem unerwünschten Schicksal entfliehen kann, wenn man sein Horoskop an einer Art Wäscheleine zurücklässt.

Ich knote meine Zukunft weg und kaufe vorsichtshalber noch ein goldbesticktes Omamori-Säckchen im Tempel-Shop. Dieser teebeutelgroße Talisman soll Glück in Geldangelegenheiten bringen und ist entsprechend teuer: 800 Yen, etwa sechs Euro. Bevor es richtig losgeht, habe ich schon ein Drittel meines Budgets investiert, das fängt ja gut an.

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insgesamt 8 Beiträge
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    Seite 1    
1. Akihabara
freibier0815 21.12.2009
Naja, wer wirklich passende Mitbringsel sucht, der sollte vielleicht auch nicht unbedingt in Akihabara einkaufen. Das vom Autor beschriebene ist ja alles noch recht harmlos. Wirklich abgefahren wird's erst, wenn man in die Adult-Video-and-Manga-Abteilungen der Geschäfte geht. Da findet man so einiges, was schon hart an der Grenze zur Kinderpornografie ist. ;) In Tokyo kann man auch ganz billig schöne kleine Geschenkchen wie Hashi (Essstäbchen) oder kleine Glücksbringer kaufen. Ach, ich fahr trotzdem immer wieder gerne mal nach Akihabara. Allein wegen diesen Elektronikmärkten. Man bekommt alles und das auch noch billig. Wirkt trotzdem immer ein wenig wie das, was man sich unter einem chinesischen Lebensmittelmarkt vorstellt - nur eben mit Handies, Messgeräten, Schraubenziehern, Lämpchen etc.
2. Sagt mal...
Huscheli 21.12.2009
Kann Spiegel eigentlich auch noch über irgendwas andres aus Japan berichten anstatt neueste Elektronik, Mangakram, Pornozeug, Sushi und Hello Kitty? Jeder der Akihabara kennen muss, kennt es schon lange - und auch die andren werden in ihren Japanferien in Tokyo früher oder später drüberstolpern - so what? Mal davon abgsehen kommts drauf an für wen man das Mitbringsel braucht, diese Stereotypisierung nervt. Meine mangaliebenden Freundinnen wären sauer, würde ich nichts von dort mitbringen, aber für die liebe Oma findet man dort höchstvermutlich nichts, ja. Da wären wir nie selbst drauf gekommen!
3. Doch eher Shinjuku oder Shibuya
Greta Pan 21.12.2009
Meine Geschenkesuche würde ich wohl auch nicht auf Akihabara beschränken. Mir erscheint dieser Stadtteil viel zu sexualisiert, fast schon pervertiert. Tokyu Hands in Shibuya bietet wirklich genügend und wenn man es etwas verrückter mag, dann reicht auch schon Harajuku, Takeshita-dori. Ich persönlich würde wohl je nach Wetterlage nach Asakusa gehen. Irgendein Haarspay oder ein Lipgloss, den bei ranking ranqueen kaufen kann, hat nichts besonderes und schon gar nicht typisch japanisch.
4. nicht schon wieder !
st_anja 21.12.2009
es ist schade, dass es wiedermal nur so einen albernernen artikel über japan gibt. wer zur geschenksuche nach akihabara geht ist selbst schuld. ich denke, die geschenksuche ist nur ein misglückter aufhänger für einen spass-artikel über japan. es gibt nicht nur in tokyo genug gelegenheiten japanische geschenke mitzubringen und ich meine nicht hello kitty oder so einen kram. das fängt beim eingelegten meerrettich an, geht über glöckchen und säckchen aus verschiedenen tempeln, unterschiedliche tücher (zum verpacken, naseputzen, aufhängen und erstellen von einkaufstaschen) und endet bei mochi und sonstigen leckereien oder wunderschön geschnitzten oder bemalten essstäben inkl. etui. ein bericht über asakusa wäre für geschenkekauf in japan sicherlich passender gewesen.
5. Schon wieder ...
bigglesworth 21.12.2009
Ich kann mich Huscheli und st_anja nur anschließen. Diese permanente Exotisierung Japans geht langsam auf die Nerven. Als ob es über das gegenwärtige Japan nicht genug Relevantes zu berichten gäbe, besonders nach dem Regierungswechsel.
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