Wimmelreisebuch mit Hund Wo ist Momo?

Achtung, auf diesen Fotos ist ein Hund versteckt! Andrew Knapp porträtiert seinen Border Collie auf Wimmelbildern. Sein Buch "Findet Momo" ist aber mehr als eine Suchfibel.

Andrew Knapp

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Andrew Knapp fotografiert gerne Momo, seinen Hund. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, die meisten Menschen mit Haustier können gar nicht genug Bilder von ihrem Liebling machen. Das Besondere an den Aufnahmen des kanadischen Fotografen und Designers ist die zurückhaltende Präsentation seinen Motivs: Momo ist auf Knapps Bildern meist nur sehr schwer zu finden.

"Find Momo", findet Momo, hat der Kanadier deshalb seine Serie zum Hund genannt. Seit Ende 2012 knipst er Momo dafür auf Reisen und an verschiedenen Orten in seiner Heimat Sudbury in der kanadischen Provinz Ontario. Erst postete er die Aufnahmen nur auf Instagram, wo er mittlerweile mehr als 256.000 Follower hat. Im Frühjahr 2014 dann erschien sein Buch, das jetzt auch auf Deutsch erhältlich ist.

Das kleine Album rund um Momo, das Knapp über Instagram, Facebook und die Projekt-Website stetig weiterführt, ist ein Suchbuch im besten Sinn - und ein kleiner Reiseführer in Bildern.

Ein Plädoyer fürs genaue Hinschauen

Das Duo ist dafür durch 25 US-Bundesstaaten und fünf Provinzen Kanadas gereist. Zuletzt waren sie im Frühjahr 2014 auf einer Tour zum Buch unterwegs, in dem hundefreundlichen gelben Westfalia, Knapps "Bananen-Bus", der laut dem 32-Jährigen inzwischen fast genauso oft erkannt wird wie Momo.

Die entstandenen Fotos erzählen nicht nur viel von der Freundschaft zwischen dem lebenslustig wirkenden Herrchen und seinem Hund, sie bieten auch Einblick in den Alltag und die Kultur beider Länder. Zumindest wenn man genau hinschaut - so wie der Fotograf es empfiehlt. "Es gibt immer etwas Großartiges zu sehen", sagt Knapp. "Wenn wir unsere Umgebung aufmerksam betrachten, erkennen wir in vielen recht banal erscheinenden Dingen sehr Interessantes."

Insofern ist "Findet Momo" tatsächlich ein Wimmelbilderbuch in bester Tradition, obwohl es in Form und Aufmachung ganz anders ist als die Klassiker des Genres. In Deutschland zählen dazu vor allem die großformatigen, gezeichneten Werke von Ali Mitgutsch, weltweit erfolgreich ist die Reihe "Wo ist Walter?" um einen bebrillten Streifenpulli-Träger, der im britischen Original Wally und bei den Amerikanern Waldo heißt. Allerdings sucht man bei Knapp vergebens nach den dort typischen Menschenansammlungen.

Generell sei es mit Hund zwar viel einfacher, auf Reisen Kontakte zu knüpfen, sagt Knapp. "Hunde-Menschen sind in der Regel ziemlich großartig." Zumindest fotografisch gesehen ist Momo aber eher ein Einzelgänger: Meist genügt ihm die menschenleere Umgebung, um eine Nische zu finden, in der man ihn oft erst nach längerer Suche findet.

Aber was ist eigentlich los mit diesem Hund? Ist Momo scheu, ängstlich oder einfach nur sehr neugierig auf seine Umwelt? Oder welchen Trick bemüht der Fotograf, um ihn an die richtigen Stellen zu locken?

Mut zu mehr Reisen, mehr Risiko, mehr Leben

"Das Projekt ist durch Zufall entstanden", erklärt Knapp, "wie so viele großartige Dinge." Immer wenn er ein Stöckchen oder einen Ball werfen will, versteckt Momo sich: "Er läuft hinter einen Baum, einen Felsen oder eine Mauer, steckt dann seinen Kopf heraus und wartet, dass ich werfe." Ein Projekt wurde daraus aber erst durch die Kombination mit der Kamera, die Knapp in seinem Smartphone immer dabei hat, und Instagram, die für ihn "perfekten" Möglichkeit, die Fotos zu verbreiten.

Die Orte, an denen er Momo bislang fotografiert hat, hat der Hund teils selbst ausgesucht, die meisten allerdings hat Knapp bestimmt, verrät er im Buch. "Ich bringe Momo dorthin und sage 'Platz'. Und genau das macht er dann bis zu zehn Minuten." Normalerweise geht das Fotografieren aber viel schneller. Und was sollen die Menschen, die die Bilder sehen, am Ende mitnehmen? Was sollen ihnen Hund und Versteckspiel sagen?

Knapp will so ein gutes Beispiel geben, Inspiration bieten, für mehr Reisen, mehr Risiko, mehr Leben. "Ich hoffe, dass sie daraus lernen, selbst zu Abenteuern aufzubrechen, dass Schönheit überall zu finden ist und dass alles malerisch aussehen kann, wenn das Licht das Richtige ist", sagt er. "Und vor allem, mehr im Moment zu leben - so wie Momo."

Andrew Knapp: "Findet Momo". Fischer; 144 Seiten; 14,99 Euro

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Gudrun 29.09.2014
1.
Die Bilder haben mir meinen Morgen versüßt. Danke!
widower+2 29.09.2014
2. Warum?
Schöner Artikel und schöne Bilder. Die Suchtipps verderben aber den Spaß, den man bei der Suche nach Momo haben könnte.
uchawi 29.09.2014
3.
Habe ich heute eine Lupe gefrühstückt? Bis auf das Bild mit den verschneiten Felsen, wo ich tatsächlich dreimal draufgucken musste, habe ich den Hund in jedem Bild auf den ersten Blick entdeckt. Nette Idee, aber eher was für Kinder.
Paul Panda 29.09.2014
4. Wimmelbild?
Sehr schön. Beim Lesen musste ich als Rentner entdecken und gestehen, dass es immer noch Wörter gibt, die mir bisher unbekannt waren: Wimmelbilder!
j.w.pepper 29.09.2014
5. Schöne Bilder...
...größtenteils selbst dann, wenn man nicht nach Momo sucht. Kleine Korrektur zu Bild 17: Die Stadt in Illinois heißt East Peoria, nicht East Pretoria. Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. K. Bonte/Redaktion
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