Die Sonne steht an ihrem höchsten Punkt, der Himmel ist strahlend blau. Nur langsam schleppen sich ein paar Abenteuerlustige mit dem Board unter dem Arm die gewaltige Düne hoch. Schnell noch die Unterseite des Boards mit Kreide einreiben und schon geht es rasant die Sandberge hinunter. Ein Riesenspaß, und eine riesige Herausforderung für Leute ohne Snowboard-Erfahrung. Nur eine falsche Bewegung, und man landet kopfüber im Sand, der sich sofort in alle Poren des Körpers setzt.
Trotz dieser zeitweiligen Frustphasen ist das Sandboarden ein absolutes Muss für alle Besucher von Florianópolis, die als schönste Stadt im südlichen Brasilien gilt und nicht nur bei Sonnenanbetern und Surfern beliebt ist.
Die pulsierende Hauptstadt des Bundesstaates Santa Catarina, von den Bewohnern liebevoll nur "Floripa" genannt, liegt an der Küste und hat insgesamt 42 Strände. Sie erstreckt sich größtenteils über die Insel Santa Catarina und ist durch zwei große Brücken mit dem Festland verbunden.
Eine von ihnen erinnert ein bisschen an die Golden Gate Bridge in San Francisco - kein Wunder, dass die Ponte Hercílio Luz mit ihren beiden 75 Meter hohen Türmen ein beliebtes Fotomotiv ist. Und dies, obwohl der Zahn der Zeit deutliche Spuren an dem monumentalen Bauwerk hinterlassen hat: Rost und Risse kennzeichnen die 821 Meter lange Eisenkonstruktion.
Sauerkraut auf der Südhalbkugel
Auf der Inselseite, unweit der Hängebrücke, erhebt sich das gut erhaltene Forte de Santana. In der Festung aus dem Jahr 1765 befindet sich heute mit dem Museu Major Lara Ribas ein wenig aufregendes Militärmuseum. Auf dem zentralen Platz, dem Plaça 15 de Novembro, sticht der alte Feigenbaum, das Wahrzeichen der Stadt, ins Auge.
Nur einen Steinwurf entfernt liegt der Palácio Cruz e Souza, der frühere Regierungssitz. Neben der sehenswertern Metropolitana-Kathedrale lohnt sich ein Besuch auf dem Mercado Público: Das Marktgebäude stammt aus dem Jahr 1875, hier werden Volkskunst, Handarbeiten, Fisch, Obst und Gemüse feilgeboten.
So historisch bedeutsam diese markanten Gemäuer und Plätze auch sein mögen, sie alle verblassen bei der Fahrt über die malerischen Weiten der Ilha de Santa Catarina. Auf einer Länge von 51 Kilometern und einer Breite von 18 Kilometern durchziehen Asphaltstraßen, vegetationsreiche Wege, Dünen, Seen, Flüsse und Bäche die überaus üppig bewachsene Insel. Zu den landschaftlichen Schönheiten der Insel gehören auch Naturparks wie der Parque do Horto Florestal de Canasvieiras und der 1100 Hektar große Parque Florestal do Rio Vermelho.
Die eigentlichen Touristenmagnete sind aber fraglos die schier endlosen Strände. Ganz hoch in der Gunst der sonnenhungrigen Wasserratten steht Canasvieiras, der am meisten besuchte Strand von Florianópolis im Norden der Ilha de Santa Catarina.
Oktoberfest in Blumenau
Der Bundesstaat selber ist auch bekannt für seine deutschstämmigen Bewohner, die sich hauptsächlich in Pomerode, Joinville und Blumenau niedergelassen haben. 1850 von deutschen Einwanderern unter Leitung des Apothekers Hermann Blumenau gegründet, pflegen die Bewohner von Blumenau noch heute die deutsche Sprache und deutsche Traditionen.
Davon zeugen sehenswerte Fachwerkhäuser wie die Prefeitura Municipal oder das Casa Moellmann, aber vor allem das Fundação Promotora de Exposições de Blumenau. Das Festgelände, kurz PROEB, beheimatet seit 1983 jährlich das zweitgrößte Oktoberfest der Welt. In Anlehnung an das Münchener Original wartet das Spektakel mit Blasmusik, Volkstanz, Brezeln und Bier in rauen Mengen auf. Mit mehr als 600.000 Besuchern avanciert die Veranstaltung damit nach dem Karneval in Rio zum zweitgrößten Volksfest Brasiliens.
Bekannt ist die Stadt am Ufer des Flusses Itajaí auch für das renommierte Theater Carlos Gomes und das beste Kammerorchester Brasiliens. Und was natürlich nicht fehlen darf, ist eine exzellente deutsche Küche, wie sie in den Restaurants von Blumenau angeboten wird: Sauerkraut, Eisbein und Schwarzwälderkirschtorte sind eben auch südlich des Äquators ein Genuss.
Karsten-Thilo Raab, SRT
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