Flug über Achttausender: Gipfelsturm per Düsenjet

Von , Islamabad

Ein Flug über die Kolosse des Himalaja und des Karakorum - das wär's, denkt sich ein Polizist an der deutschen Botschaft von Pakistan und chartert eine bejahrte Boeing 737. Der Pilot verspricht der Diplomatenreisegruppe den aufregendsten Flug ihres Lebens.

Himalaja-Rundflug: Achttausender aus der Vogelperspektive Fotos
Hasnain Kazim

Man trifft sich auf einer Party, man isst, trinkt, redet über dies und das, und irgendwann erzählt Mirza Baig, Manager bei der Fluggesellschaft Pakistan International Airlines, kurz PIA, von den Flügen über den Himalaja, die man bis vor fünf Jahren von der Hauptstadt Islamabad aus angeboten habe. Aber schon nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 blieben die Touristen aus, und man habe einsehen müssen, dass es keine Kundschaft mehr gebe für den rund neunzigminütigen Flug.

Das wär ja was!, denkt sich Herbert N., Polizist an der deutschen Botschaft in Islamabad. Ob man nicht eine Boeing 737 chartern könne, fragt er Baig. "Warum nicht?", antwortet der.

Islamabad ist eine künstliche Stadt, Mitte der Sechziger als Hauptstadt von Pakistan erschaffen, nummerierte Straßen, eine Regierungs- und Verwaltungsstadt, grün, gepflegt, hübsch, auf Dauer langweilig. Das kulturelle Angebot ist minimal: Es gibt kein Kino, nur wenige Konzerte, das Freizeitangebot besteht vor allem aus Privatpartys. Warum also nicht privat einen Flug organisieren?

N., ein zupackender Mann in den Fünfzigern, graues Haar, immer ein freundliches Wort auf den Lippen, findet, das könnte man doch mal machen: mit einem Jet über das Indus-Tal fliegen, über Kaschmir, vorbei am 8125 Meter hohen Nanga Parbat, dem "Schicksalsberg der Deutschen", bis zum zweithöchsten Berg der Welt, dem K2.

Militärisches Veto

Aus der fixen Idee wird ein Plan: Die PIA-Manager stellen eine Boeing 737 bereit, N. unterschreibt zum ersten Mal in seinem Leben einen Chartervertrag und verschickt E-Mails an Botschaften, Stiftungen und internationale Organisationen. Insgesamt 42 Passagiere können mitfliegen, auch wenn die Maschine dreimal so viele Plätze hat: Es werden nur Sitze ganz vorne und ganz hinten auf beiden Seiten vergeben, jeweils paarweise, nicht aber über den Tragflächen - man soll ja ungehinderte Sicht haben.

Umgerechnet knapp 200 Euro kostet die Teilnahme pro Person, Charterpreis geteilt durch Passagierzahl. N. hat das Geld eingesammelt und in 42 Briefumschläge gesteckt, damit nichts durcheinander kommt. Aber dann macht die pakistanische Luftwaffe einen Strich durch die Rechnung: Sie erteilt dem Flug keine Genehmigung, auf der Route gebe es schließlich militärisch relevante Einrichtungen. Und überhaupt, was soll das, ein Flug, der in Islamabad startet und in Islamabad landet? Die jungen Offiziere seien neu auf ihren Posten, sagen die Leute von der Fluggesellschaft, sie wüssten nicht, dass es schon mal Rundflüge gab.

Die Tour wird am Abend vor dem Abflug abgesagt.

Dem Management der Airline ist die Angelegenheit furchtbar peinlich, man spricht mit der Luftwaffenführung, in Pakistan geht nichts ohne Zustimmung der Streitkräfte. Eine Woche später darf die alte Boeing 737, an deren Tragflächen schon ein paar Nieten fehlen, doch noch starten.

"Nicht schlafen!"

Shahid Hussain, langes graues Haar, grauer Schnurrbart, goldgerahmte Sonnenbrille, ist so cool, wie ein Pilot nur cool sein kann. Er ist eigens aus der südpakistanischen Metropole Karatschi eingeflogen, um die Bergtour zu fliegen. "Ich hab das früher schon gemacht", sagt er. Heute fliegt er größere Maschinen, Linienflüge. "Langweilig" nennt er das im Vergleich zu dem, was jetzt bevorstehe.

Kurz vor dem Start verspricht er den Passagieren den "schönsten Flug Ihres Lebens", ein "Erlebnis, das Sie nie wieder vergessen werden". Wie gebannt starren die Passagiere aus dem Fenster, Deutsche, Niederländer, Schweizer, Schweden, Australier, obwohl die Maschine noch immer auf dem tristen Benazir-Bhutto-International-Flughafen steht. Als die Maschine zur Startbahn rollt, ist ein amerikanischer Diplomat aus lauter Fluggewohnheit schon eingeschlafen. Seine Frau stößt ihm mit dem Ellenbogen in die Rippen. "Nicht schlafen!", befiehlt sie.

Es ist ein wolkiger Tag, "nicht ideal für diesen Flug", sagt Pilot Hussain. "Aber wir werden genug zu sehen bekommen." Kaum hat die Maschine abgehoben und Islamabad hinter sich gelassen, beginnen die Berge: die Margalla Hills, Ausläufer des Himalaja. Tiefer als im normalen Passagierverkehr fliegt Hussain den Jet über die Berge, nach ein paar Minuten schon über den tiefblauen Bergsee Saiful Muluk, zu dem man mit dem Auto von Islamabad aus mindestens acht Stunden über Schotterpisten in schwindeligen Höhen benötigt.

Dann: der Nanga-Parbat, der Gipfel höher als das Flugzeug. Um hochzuklettern, braucht man Tage, wenn man es denn schafft - viele Expeditionen scheiterten, hier haben sich Tragödien abgespielt. Mit dem Flugzeug kommt man in einer halben Stunde von Islamabad bis nahe an den Gipfel. Es sei ein bisschen "ein Betrug an der Natur", sagt ein amerikanischer Diplomat. Dann holt er seine Kamera aus der Tasche und macht Bilder von dem Koloss.

Eisgekühlter Drink überm Gletscher

Die Passagiere sagen "Ah!" und "Oh!", mal drängen sie sich alle auf der rechten Seite, dann wieder auf der linken. Es ist wie im Reisebus beim Schulausflug. Ein paar haben Alkohol mitgebracht, die Crew verteilt Gläser mit Eiswürfeln. Alkohol ist in Pakistan verboten, auch auf Flügen der PIA, aber dies ist ein Charterflug, quasi privat. Im normalen Leben wird in dem Land ja auch getrunken, was das Zeug hält, kein Armeeoffizier ohne private Bar.

Nächste Sehenswürdigkeit ist der Baltoro-Gletscher, einer der größten der Welt, eine langgezogene weiß-braune Schneise auf über 4000 Metern Höhe. Mehr noch als von den Bergen und Eismassen da unten sind die US-Diplomaten von etwas ganz anderem fasziniert: dem offenen Cockpit. "So etwas ist bei uns seit 9/11 absolut verboten", sagt eine junge Frau und kann es gar nicht fassen, dass sie dem Piloten über die Schulter gucken darf.

Shahid Hussain hat erlaubt, dass die Tür offen bleibt. Jeder Passagier darf mal nach vorne, den atemberaubenden Ausblick genießen, Fotos machen. "Herrlich!", sagt er. Dann fotografiert er selbst und macht Bilder von seinem Copiloten vor dem Nanga Parbat. Hinten in der Maschine sitzen zwei pakistanische Männer, Mitarbeiter des Geheimdienstes, man muss ja im Auge behalten, was die Ausländer so treiben.

Sightseeing-Flug mit Wiederholungsgefahr

Ziel des Rundflugs ist der K2 im Karakorum-Gebirge. Der steht dummerweise genau auf der Grenze zwischen Pakistan und China. Eine Umrundung ist daher nicht möglich, man dürfe ja nicht einfach so in chinesischen Luftraum fliegen.

Shahid Hussain sagt deshalb per Bordfunk, dass links gerade der K2 zu sehen sei. Kaum drängen sich die Passagiere an den Fenstern, dreht er schon ab - auf keinen Fall soll die Maschine Pakistan verlassen.

Genau zwei Stunden dauert der Flug, etwa eine halbe Stunde länger als geplant war die Maschine in der Luft. Pilot Hussain ist begeistert, endlich mal wieder im "schönsten Teil der Welt" geflogen zu sein. Er fragt N., ob der nicht bereit sei, noch einmal einen solchen Flug zu organisieren. Der hat mehrere Abende damit verbracht, Leuten zu-, ab- und wieder zuzusagen, Geld einzusammeln und mit der Fluggesellschaft zu verhandeln. Er ist glücklich über den Erfolg, aber auch glücklich, dass es nun vorbei ist.

"Mal sehen", sagt er. "Mal sehen."

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insgesamt 55 Beiträge
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1. Da wäre ich auch gern mitgeflogen.
guebert100 08.06.2011
Muss traumhaft sein. Gibt es so etwas eigentlich regelmässig für den indischen oder chinesischen Teil des Himalaya?
2. Was für ein Schwachsinn
nundenn 08.06.2011
Gelangweilte Diplomaten, Beamte, Journalisten etc. chartern sich in einem in jeder Hinsicht bankrotten Land für ein bisschen bequemen Spaß mit der Natur eine Umweltdreck-Schleuder und SPON findet es cool.
3. Was für ein Titel?
Rodelkönig 08.06.2011
Ist zwar jetzt nichts politisch wichtiges, aber trotzdem ein schöner, kleiner Reisebericht, durch den man auch mal eine andere Seite Pakistans kennenlernt, wo man aus dem Land doch sonst immer nur von Krieg, Terrorismus und amerikanischen Drohnen-Angriffen hört. ... und so lange die Diplomaten das alles aus privater Tasche bezahlen, können sie dort doch umherfliegen, so viel sie wollen. Viele Grüße
4. Neue Rekorde möglich
Bhur Yham 08.06.2011
Zitat von sysopEin Flug über die Kolosse des Himalaja und des Karakorum*- das wär's, denkt sich ein Polizist an der deutschen Botschaft von Pakistan und chartert eine bejahrte Boeing 737. Der Pilot verspricht der Diplomatenreisegruppe den aufregendsten Flug ihres Lebens. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,767047,00.html
Wirklich beeindruckend der Flug, kann ich mir gut vorstellen. Der erste Fallschirmabsprung mit Landung auf dem K2 dürfte nun nicht mehr lange auf sich warten lassen.
5. Aufregung
spriessling 08.06.2011
herrschte währenddessen in Peking, wo ausgerechnet zur Rush Hour ein großer Sack Reis in einem belebten Viertel im Norden der Stadt umfiel. Augenzeugen berichten von dramatischen Szenen die sich in den folgenden Minuten abgespielt haben sollen. Immer wieder hätten Schalustige die Rettungskräfte daran behindert, als sie versuchten, das schlimmste noch zu verhindern.
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Achttausender: Die höchsten Berge der Welt

Alle Achttausender: Höchste Berge der Welt
Name Höhe* Land Erst-
besteigung
Mount Everest 8850 Meter China (Tibet), Nepal 29.05.1953
K2 8614 Meter China, Pakistan 31.07.1954
Kangchendzönga 8586 Meter Indien, Nepal 25.05.1955
Lhotse 8516 Meter China (Tibet), Nepal 18.05.1956
Makalu 8463 Meter China (Tibet), Nepal 15.05.1955
Cho Oyu 8201 Meter China (Tibet), Nepal 19.10.1954
Dhaulagiri I 8167 Meter Nepal 13.05.1960
Manaslu 8163 Meter Nepal 09.05.1956
Nanga Parbat 8126 Meter Pakistan 03.07.1953
Annapurna 8091 Meter Nepal 03.06.1950
Hidden Peak (Gasherbrum I) 8068 Meter China (Tibet), Pakistan 05.07.1958
Broad Peak 8047 Meter China (Tibet), Pakistan 09.06.1957
Gasherbrum II 8035 Meter China (Tibet), Pakistan 07.07.1956
Shisha Pangma 8012 Meter China (Tibet) 02.05.1964
*Quelle: Brockhaus Enzyklopädie
Fakten über Pakistan
Staatsgründung
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
REUTERS
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
AP
Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
REUTERS
In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
REUTERS
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.


SPIEGEL ONLINE

Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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