Airport-Fotografien Komm, lass uns fliegen

Warten am Gepäckband, die Boeing im Regen: Selbst wer ganz typische Flughafenmomente schon zigmal erlebt hat, kann darin noch einen Zauber finden - das zeigen die Bilder von Fotograf Oliver Tjaden.


Oliver Tjaden lebt als freier Fotograf in Düsseldorf. Der 42-Jährige ist für seine Aufträge aber viel unterwegs, vor allem mit dem Flugzeug. Wie es zu seiner Bilderserie "Keep Flying" kam, aus der wir hier eine Auswahl zeigen? Das erklärt der Vielflieger so:

"'Keep Flying' ist ein kleines Kunstprojekt, das am Rande meines Fotografenalltags entstanden ist, quasi aus dem Nichts. Ich fliege gerne und bin noch immer jedes Mal ein bisschen aufgeregt, wenn ich am Flughafen bin - ich freue mich wie ein kleines Kind auf alle Starts und Landungen.

Dabei reise ich viel, vor allem beruflich. Ich bin für Kunden aus Journalismus und Werbung unterwegs, für Magazine, Architekten, Unternehmen und NGOs. Irgendwann, 2010, lag mir dann mal die Kamera aus meinem Handgepäck in der Hand. Manchen Szenen konnte ich als Fotograf einfach nicht widerstehen.

Die Bilder habe ich auf mittlerweile fast 30 Flughäfen gemacht oder auf dem Weg dorthin und während ungezählter Flüge. Einen Flug extra gebucht, nur um an diesem Projekt zu arbeiten, habe ich aber nie. Die Aufnahmen sind spontan entstanden, weil die Kamera schon da war, häufig auch aus Langeweile vor dem Gepäckband oder in der Wartehalle, mit Blick auf das Rollfeld. Ohne Konzept, ganz anders als bei meinen fotografischen Aufträgen.

Flughäfen als Orte bunten Treibens

Für mich sind die Aufnahmen eine Art Fingerübung: Ich mache sie aus dem Bauch heraus, intuitiv, als Ausgleich für den oft stressigen Berufsalltag, in dem man sich auch als Fotograf zahlreichen Zwängen unterzuordnen hat. Ich brauche Auszeiten, freie Projekte, und das ist eines davon.

Am liebsten arbeite ich mit Menschen, aber mein fotografisches Repertoire ist sehr vielfältig, und gerade die Abwechslung macht mir Freude. Für mich haben nicht nur Flughäfen, sondern Häfen aller Art etwas Magisches, sei es der Fraport, ein Containerterminal oder ein Inselflughafen.

Flughäfen geben viel Auskunft über ein Land, die Gesellschaft dort und die wirtschaftliche Situation, in der die Menschen leben. Ich fühle mich beim Fliegen wie ein Beobachter des Treibens an diesen besonderen Orten. Die Zusammensetzung der Reisenden ist bunt, man hört viele teils unbekannte Sprachen und man sieht die unterschiedlichsten Menschen außerhalb ihrer gewohnten Umgebung, auf dem Weg zu einem neuen Ziel.

Beste Motive abseits der üblichen Strecken

Gerade im Winter ist das Fliegen schön, wenn Maschinen im nächtlichen Nebel starten und in den Sonnenaufgang landen. Die besten Aufnahmen aus der Serie habe ich aber abseits der gängigen Touristenstrecken gemacht und in Situationen, die man nicht täglich erlebt.

Einmal musste ich zum Beispiel frühmorgens in Düsseldorf bei minus 10 Grad unterhalb der Gangway warten. Das Flugzeug stand nur 50 Meter entfernt, doch der Bus wollte einfach nicht kommen. Die Besatzung der asiatischen Airline verzweifelte an diesem Tag fast an den deutschen Sicherheitsvorschriften. Die anderen Passagiere standen frierend auf dem Rollfeld. Und ich habe einfach ein paar Fotos gemacht."

emt



insgesamt 4 Beiträge
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Freiberufler 17.10.2014
1. Ist nicht wahr!
Ja, da kann ich meine Fotostrecke daneben halten. Genau dieselbe Idee hatte ich auch. (und demnächst werde ich auch ausstellen). Man sollte dann aber auch mal CDG dazu nehmen oder erwähnen (denn das erste Foto mit der gebeugten LED-Wand ist vermutlich vom CDG, bildschön!) und etwas vom Essen verstehen. Air France-Essen ist nämlich gut bis ausgezeichnet, und das vorgestellte Menü ist, wie man sehen kann, mit grösster Sorgfalt zusammengestellt. Das war garantiert nicht komisch, sndern ziemlich gut! Air France feierte dieses Jahr übrigens 80-jähriges Bestehen, und die Stimmung und Kompetenz des Personals war einfach ausgezeichnet! ----- Gruss vom Freiberufler
G Redinger 17.10.2014
2.
Kann jetzt auch nicht gerade erkennen was an diesen Fotos originell bzw relevant sein sollte. Technisch brilliant aber Motivauswahl wohl mehr als banal. Die Sueddeutsche hatte Felix Gottwald als Feature vor wenigen Tagen. Da dieser als Pilot arbeitet hatte man da wenigstens noch ein paar Eindruecke, die neu erschienen. Aber hier sind es eher nette Schnappschuesse an die man in Zeiten von Instagram sehr gewoehnt ist.
krautrockfreak 17.10.2014
3. Das könnten auch meine Bilder sein,
denn genau so erlebe ich es auch immer wieder, diese zum Teil unwirklichen Szenerien auf irgendwelchen Airports der Welt. Besonders ist die Stimmung immer, wenn es spät abends oder nachts ist und man ist fast allein am Gate, während man auf seinen Anschlussflug wartet. Immerhin, man muss auf die Idee kommen, das "Banale" als das Besondere darzustellen. Insofern Respekt!
albert schulz 18.10.2014
4. Zauberhaft
Flughäfen sind so ziemlich die ödesten Plätze auf der Welt, von Kanarien abgesehen und der Negev. Architektonisch sind sie absolut unattraktiv, es wird lediglich mit Licht und Raum geprotzt, und natürlich mit kostbaren Materialien. Man hat es ja. Die Situationen sind sich immer ähnlich, wie die Örtlichkeiten. Riesenhafte Shoppingmails mit Freßstationen und Ca-fes, immer die gleichen Kulissen und Dekorationen. Auf das Flugfeld oder überhaupt nach draußen kann man regelmäßig nicht schauen, und das ist auch unnötig, weil man nur ein biß-chen Technik sieht, und zwar überall auf der Welt dieselbe. Das einzig Attraktive sind die Flugzeuge, die sich eben nicht von links nach rechts oder von unten nach oben sondern schief nach oben oder unten bewegen, wie ein Ball. Das ist für einen Vierjährigen unglaublich faszi-nierend. Falls er nicht in der Einflugschneise eines Flughafens wohnt. Andere gibt es kaum noch. Ich würde Bahnhöfe empfehlen, die es leider nur noch in Großstädten zu bestaunen gibt. Und altehrwürdig sollten sie sein, die Kathedralen des 19. Jahrhunderts. Die neuen sehen alle aus wie Flughäfen, absolut phantasielos hingerotzte Shoppingmails ohne jeden Reiz. Dafür rund-um verglast. Nicht zum rausgucken oder um die Sonne hereinzulassen, sondern weil sich der Architekt bei einer Glasfassade Null Gedanken machen muß. Dem Photographen wäre zu empfehlen, seine Fingerübungen in Einkaufzentren oder Fußgän-gerzonen zu machen. Die sehen auch auf der ganzen Welt gleich aus. Das ist unheimlich spannend, gerade für die Beschauer: „Guck mal Schatz, in Tokio sind die gleichen Läden wie bei uns in Wanne- Eickel.“ Das Dumme an Flugreisenden ist, daß sie meist eine Kamera dabei haben. Und die meisten bilden sich ein photographieren zu können. Möchtegernmeistern seien diese Bilder empfohlen, den berichtenden Journalisten die darunter plazierten Texte voller kultureller Schaffenskraft und Wehmut: Mustergültige Melancholie, ästhetisch einwandfrei umgesetzt. http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/bahn-schlusslicht-127.html
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