Fotoexpedition am 100. Längengrad "Die raue Großartigkeit der Leere"

Einmal durch die USA zieht sich der 100. Längengrad - von North Dakota bis Texas. Der Fotograf Andrew Moore hat die Prärien und ihre Bewohner in einem zehnjährigen Projekt porträtiert.

Andrew Moore

"Cattle County" nennen die US-Amerikaner die endlosen Weiten der westlichen Great Plains: "Rinderland". Es zieht sich entlang des 100. Längengrads von Norden nach Süden durch die Vereinigten Staaten, von North Dakota bis Texas. Diesen Meridian hat der New Yorker Fotograf Andrew Moore zu seinem Fotoprojekt gemacht. Der heute 61-Jährige porträtierte die Prärie und ihre Bewohner über zehn Jahre hinweg.

Zusammen mit dem Piloten Doug Dean aus Rushville erkundete er die US-Bundesstaaten mit einer einmotorigen Maschine aus der Luft. Gegenden, die sonst kaum erreichbar sind, wurden ihnen so zugänglich.

"Eine deutliche Verbesserung zu früheren Expeditionen", sagt Moore. Bei denen sei er nie sicher gewesen, dass am Ende einer langen Fahrt mehr zu sehen war als einige Schuppen voller Kuhfladen. Auch aus der Luft fotografierte Moore, dafür montierte er eine hochauflösende Kamera auf einem Flugzeugflügel. "Indem wir dicht über dem Boden flogen, konnten wir Fotos machen, die das Vertraute mit dem Unendlichen zu vereinigen scheinen."

Fotostrecke

15  Bilder
USA: Fotoprojekt am 100. Längengrad

Moore besuchte Geisterstädte und ihre letzten Bewohner, machte betagte Farmer ausfindig, die in ihrem Leben kaum je ihre Ländereien verlassen haben. Er fotografierte Familien, die weit weg von Schulen leben, und Trucks, die nachts auf unbefestigten Straßen Staub aufwirbelten. Zu jedem seiner Fotos hat er eine Geschichte zu erzählen, oft aus der Vergangenheit der amerikanischen Siedler.

"Anders als die indigenen Amerikaner, die ihre Umwelt aufgrund ihres Scharfsinns, Muts und Schnelligkeit beherrschten", sagt Moore, "überlebten jene, die das Land später besiedelten, meist nur mit hart erarbeiteter Beharrlichkeit."

"Über die Jahre realisierte ich, dass mich während der Arbeit entlang des 100. Längengrades vor allem das Land selber interessierte: die raue Großartigkeit des Drecks und der Leere", sagt Moore. "Vielleicht war die größte Herausforderung, die Leere in Fotos dazustellen, ohne leere Bilder zu machen."

abl

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insgesamt 11 Beiträge
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Entgrenzt 20.09.2018
1. 10 Jahre
Solange er Freude daran hatte, ist ja alles gut. Die Fotos sprechen mich persönlich nicht an. Schon traurig nur 1 Mensch sein zu können.
nadennmallos 20.09.2018
2. Super Arbeit, sehr schöne Bilder, klasse Blick...
... damit ist alles gesagt!
j.w.pepper 20.09.2018
3. Sehr schöne Fotos einer tollen Landschaft...
...aber trotzdem die Anmerkung, dass das Rinderland "Cattle Country" und nicht "...County" heißt. Anders also als die genannten Landkreise in den Bildunterschriften. Siehe auch den Wikipedia-Artikel zu "Cattle Country".
fatherted98 21.09.2018
4. naja...
...ziemlich öde Gegend mit ziemlich runtergekommener (wenn überhaupt vorhandener) Infrastruktur. Die Leute leben weitgehend am Existenzminimum in baufälligen Hütten, die bei uns höchstens in Schrebergärten stehen würden. Das hat natürlich einen maroden Charme....aber tauschen wollte man nicht mit ihnen. Die Landschaft ist schon sehr "weit"....ein weites Land eben wie es im Western mit Gregory Peck einst hieß. Das kann man...muss man aber nicht mögen. Übrigens....die indigenen Völker haben das Land vor den weißen Siedlern auch ausgebeutet....wird heute nur romantisiert dargestellt...eben damals nur nach ihren Möglichkeiten.
Papazaca 21.09.2018
5. Poetische Fotos, die mich traurig machen ..
Wenn man zynisch wäre, könnte man vermuten, das hier jeder Trump wählt. Einsamkeit, vergessen, verlassen, bruchreif fallen mir als Wörter dazu ein. Da ist das kleine Mädchen, die das Kalb füttert, richtig wohltuend. Bei der Bruchbude, die sich Capa Hotel nennt, weiß man nicht, ob man sich über das schöne Foto freuen soll, über die Vergangenheit nachdenkt oder gleich eine Depression bekommt. Ja, schöne Fotos. Die viel über diese Landschaften aussagen, seine Menschen, Tiere und Häuser, aber noch mehr über den Fotografen. Hoffentlich irre ich mich und er ist ein Ausbund an Lustigkeit, Hmm ...
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