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Naturfotograf Art Wolfe: Ja, genau so, nein, Stopp, ein bisschen rechts, perfekt!

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Die Bilder von Art Wolfe beweisen viel Gespür für Linien und Komposition. Doch dem US-Amerikaner geht es um mehr als oberflächliche Schönheit - jedes einzelne Foto soll dem Betrachter eine wichtige Botschaft überbringen.

Art Wolfe: Ein Maler mit Digitalkamera Fotos
Art Wolfe

Ein Familienfoto aus der Antarktis: Zwei erwachsene Kaiserpinguine blicken wie fürsorgliche Eltern auf ein Junges herab, das zwischen ihren schwarz-weißen Körpern steht und den Betrachter direkt anzugucken scheint. Fast perfekt sind die Symmetrie des Motivs und der Verlauf der Linien. Die drei Tiere stehen dort, als hätte der Fotograf genaue Anweisungen gegeben, wie sie sich positionieren sollen.

Viele Stunden Arbeit und Warterei stecken hinter dem Motiv. "Ein Bild im Voraus zu visualisieren ist ein Aspekt meiner Fotografie", hat Art Wolfe einmal gesagt. "Man hat eine Vorstellung von einer Aufnahme und setzt sie dann um." Vermutlich ist sein Pinguinfoto genau so entstanden - mit einer klaren Idee - und mit einem herausragenden Verständnis für Linien und Komposition, das der 64-jährige Wolfe unter anderem einem Malereistudium verdankt. Er macht keinen Hehl daraus, dass es ihm darum geht, mit seinen Bildern ästhetische Kunstwerke zu erschaffen und nicht nur dokumentarisch tätig zu sein.

Der US-Amerikaner aus Seattle zählt zu den bekanntesten Naturfotografen der Welt, mehr als 60 Bildbände hat er in seiner Laufbahn veröffentlicht und unzählige Fotoreportagen: von Gorillas in Ruanda und Robben in der Antarktis, von Makaken in Japan und Schwarzohrpapageien in Peru. Immer wieder hat er auch Menschen besucht, deren Lebensstil noch eng mit der Natur verbunden ist, Menschen, die nicht völlig von der Zivilisation assimiliert wurden.

Weltreisender mit Mission

Der Schutz dieser fragilen Welten, in die er sich auf seinen Reisen begibt, wurde Wolfe zu seinem zentralen Anliegen: "Ich hoffe, mit meinen Fotos Menschen für den Erhalt der Wildnis gewinnen zu können", schreibt er in seinem jüngst erschienen Bildband "Eden", der in einer Art Best-of-Sammlung Motive aus 30 Jahren präsentiert.

Der Titel deutet schon an, dass es um Paradiese geht - und zwar um solche, die durch den Sündenfall menschlicher Umweltzerstörung schon bald verloren gehen könnten. "Jedes Bild scheint um das Wohlergehen der Natur und aller Völker zu bitten, die in ihr leben", schreibt der kanadische Anthropologe Wade Davis im Vorwort.

Wolfe selbst scheint diesen Nachhaltigkeitsgedanken verinnerlicht zu haben: Vor einiger Zeit verwarf er die Idee, ein Haus in der Wildnis zu bauen, weil Bagger und Planierraupen dafür der Natur noch mehr Land hätten abtrotzen müssen. Stattdessen kaufte er ein altes Haus in der Stadt - mit einem Garten, den er so reich bepflanzte, dass er nun Eulen, Hasen und Waschbären anlockt. Zumindest für manche Tierfotos muss Wolfe seitdem keine lange Reise mehr auf sich nehmen.

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insgesamt 8 Beiträge
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    Seite 1    
1. Einer der besten...
ricard68 20.10.2015
... Fotografen unserer Zeit, zumindest wenn es um Natur und Tiere geht. Mich hat das hier immer noch um: https://www.youtube.com/watch?v=WFMtcWPIrbo
2. Kaiserpinguine
leymann 20.10.2015
Es sind Kaiserpinguine, die auf dem Bild zu sehen sind.
3. Sehr schöne Bildstrecke ...
nadennmallos 20.10.2015
... und bevor jemand meckert, von wegen Farben "reingedreht", da passt alles zusammen: Blick, Ausschnitt und Nachbearbeitung!
4. Graham Clarke, Art Wolfe, Ansel Adams
F9Race 20.10.2015
Drei fantastische Naturfotografen, Meister ihres Fachs! Jeder hat seinen eigenen Stil, eine gemeinsame Grundtechnik erklärt Graham Clarke in seinem E-Book "Pre-visulize like Ansel Adams." Kurzer, aber schöner Artikel über einen Dokumentar-Künstler, der wirklich etwas zu sagen hat!
5.
tuffgong 20.10.2015
Wunderschöne Bilder, man wünschte, Wolfe hätte die Motive mit ihren Farben genau so vorgefunden, aber in Zeiten, wo jeder Hans Wurst seine Urlaubsbilder digital nachbearbeitet, bleibt leider ein leiser Zweifel. Noch dazu, wo Wolfe ja selber sagt, dass es ihn vor allem auf die Visualisierung ankommt.
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