Fotoreise im Tschad So wüst, so schön

GPS? Schnickschnack! Unsere Führer orientieren sich an den Bergketten am Horizont. Im Nordosten des Tschad zeigt die Sahara ihre Extreme: unendlicher Sand - aber auch riesige Seen.

Jörg Reuther

Von Michael Martin


Lang gezogene Dünen, ein stahlblauer, wolkenloser Himmel und eine scheinbar unendliche Sicht - so liebe ich die Sahara. Hochkonzentriert steuert unser Guide Suleyman den betagten Landcruiser durch das Meer aus Sand, in kurzem Abstand folgt Omars Geländewagen.

Meine Reisegefährten Jörg und Elly genießen wie ich die Achterbahnfahrt, obwohl uns zwischendurch immer wieder der Atem stockt: Manchmal kann Suleyman uns nur durch eine Vollbremsung oder mit einer abrupten Lenkbewegung vor dem Absturz in ein Dünental bewahren. Nicht umsonst gelten Dünenüberquerungen als die hohe Schule des Off-Road-Fahrens.

Nach dem Start unserer Tour in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena und unserem Ausflug ins Ennedi-Gebirge sind wir nun in der Mourdi-Depression im Nordosten des Tschad angekommen, einer mit feinem Sand gefüllten Senke. Hier wird die Sahara ihrem Ruf als größte und extremste Wüste der Erde besonders eindrucksvoll gerecht.

Mittags erreichen wir ein Wadi. Tamarisken und Akazien zeigen den Verlauf der unterirdischen Grundwasserströme. Wir rasten, breiten unsere Bastmatten aus und stärken uns mit Datteln, trockenem Brot und grünem Tee. Danach ändern wir die Fahrtrichtung. Es geht nun nicht mehr nach Norden, sondern Richtung Westen. Pisten oder Spuren gibt es in diesem entlegenen Teil der Sahara nicht. Die Guides orientieren sich an den Bergen am Horizont. Unser GPS-Gerät hält Suleyman ganz offensichtlich für überflüssigen Schnickschnack.

Nachtlager auf dem Dünenrücken

In den Abendstunden steuern wir die besonders schönen Sandanhäufungen von Derbilie an. Auf einem breiten Dünenrücken kommen die beiden Landcruiser zum Stehen: unser Lagerplatz für die Nacht. Koch Pascal kümmert sich ums Feuer und die Zubereitung des Abendessens.

Jörg, Elly und ich ziehen mit unseren Foto- und Filmkameras los und nutzen das flache, warme Licht, das die Sandstrukturen besonders gut zur Geltung bringt. Deutlich ist der Verlauf der kilometerlangen Dünenketten zu erkennen: Der Nordostpassat, der seit Jahrmillionen über die Sahara streicht, hat sie exakt von Nordost nach Südwest ausgerichtet.

Am nächsten Tag erreichen wir Demi, eine winzige Oase mit nur ein paar Dutzend Einwohnern. Die örtliche Schule ist geschlossen, die nächste Krankenstation Tagereisen entfernt, der Brunnen fördert salziges Wasser, Strom und öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht. Von den Milliardeneinnahmen des Tschad aus seinen vor wenigen Jahren erst erschlossenen Ölquellen ist hier nichts angekommen.

Wieder einmal wiederholte sich auch in diesem Land das Drama Afrikas: Die Reichtümer des Kontinents kommen vor allem den oft korrupten Eliten zugute. Die Bewohner von Demi hingegen leben vom Dattelanbau und der Salzgewinnung am 40 Kilometer entfernten See von Teguedei.

Mit seinem blauen Wasser und den im Wind wogenden Palmwipfeln wirkt er wie eine Fata Morgana. Er ist einer von insgesamt 18 Seen, die in zwei 40 Kilometer voneinander entfernten Gruppen das größte Seengebiet der Sahara bilden. Die Gewässer sind Überreste eines riesigen Binnenmeeres, das vor 30.000 Jahren das gesamte geologisch markante Tschadbecken ausfüllte.

Grundwasser aus der Jungsteinzeit

Teli-See nennen die Tubu-Nomaden den größten See der östlichen Gruppe. Von einer Anhöhe aus haben wir einen phantastischen Blick auf das Wasser und die angrenzenden Dattelhaine. Ein Wunder, dass dieser See nicht längst in der Hitze der Sahara ausgetrocknet ist. Die potentielle Verdunstung in diesem Teil der Zentralsahara liegt bei 6000 Millimetern im Jahr. Ohne nachfließendes Wasser aus dem Nubischen Aquifer, einem Grundwasserspeicher, der bis heute mit Regenwasser der Jungsteinzeit gefüllt ist, wäre der zwölf Meter tiefe See binnen zwei Jahren verschwunden.

Der Yoa-See ist noch größer und tiefer und der Hauptsee der westlichen Seengruppe. Hier liegt auch der Hauptort der Region, Ounianga Kebir. Seit meinem ersten Besuch vor zehn Jahren hat sich auf den ersten Blick nichts geändert. Ein paar Baracken und ein Ziehbrunnen stehen am Marktplatz, das Sortiment in den kleinen Läden besteht aus chinesischen Billigwaren und Fässern mit geschmuggeltem libyschen Benzin. Einzig ein Mobilfunkmast erzählt vom technischen Wandel in Afrika. Inzwischen gibt es auf dem Kontinent mehr Sim-Karten als in ganz Nordamerika.

Abends erklimmen Jörg, Elly und ich den höchsten Felsen der Umgebung. Und werden für die anstrengende Kletterei reichlich belohnt: Im Licht der untergehenden Sonne leuchten die Felswände über dem Yoa-See rot auf, darunter tiefblaues Wasser. Weit unter uns erkennen wir auch unser Nachtlager. Vom Camp-Feuer steigt eine Rauchsäule auf. Dahinter breitet sich nichts als Wüste aus. So schön kann das Ende der Welt sein.

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insgesamt 23 Beiträge
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emeticart 04.05.2014
1. Respekt dafür, ..
... dass man so einen Bericht veröffentlicht, ohne darauf hinzuweisen, dass dieses Land ein Bürgerkriegsland mit immensen Problemen ist. Ich freue mich schon auf die Berichte, in denen es dann von entführten oder getöteten Touristen mit Sandalen und Tennissocken geht. MfG
jacobwhite 04.05.2014
2. Mann geht in die Wüßte...
… und schießt Mittelmäßige Bilder von einer Landschaft = Artikel im Spiegel. Dass das Licht in dieser Region dazu führt dass praktisch jedes Bild "schön" aussieht spielt dabei keine Rolle. Genauso die wirklich Bedeutungslosigkeit jedes Bildes. Es geht nur darum dass hier jemand mit 17 von Vati eine tolle Spiegelreflexkamera geschenkt bekommen hat und ein paar Reisen in die Wüste macht. Wirklich toll. Das ist das Ende von Photographie, denn es werden die Dinge zelebriert die einfach nur Kitschig sind während die die wirklich was Bewirken oder Künstlerisch Interessant sind unbezahlt und nicht publiziert werden. Die Bilder kann nun wirklich jeder schießen der sich ein paar Monate ein wenig mit seiner Kamera auseinandergesetzt hat, und Safari macht mit Kollegen aus der Verkaufsabteilung. Am Ende kommt es nur noch darauf an wer denn den Editor bei Spiegel kennt und nicht darum ob etwas irgendeinen Künstlerischen, politischen oder sonst irgendwie einen Anspruch hat. Das ist in etwas so wie wenn ich einen Außerirdischen treffe, ihn Fotografieren, mehr schlecht als Recht, und am Ende als der größte Fotograf aller Zeiten zelebriert werde. Klasse. Also: mal einen gescheiten Kenner einstellen der Gute Photographie von Hobbyisten unterschiedet. Gute Kunst lässt sich eben nicht mit Flugtickets und einer Kamera kaufen. Bitte!
eunegin 04.05.2014
3. Vorsicht Nebenwirkungen!
Michael Martin ist ein Saharaprofi. Dennoch ist das Gebiet selbst für Profis unberechenbar und gefährlich. Nicht unbedingt wegen der Natur, sondern wegen des Menschen. Bewaffnete Konflikte, Islamisten, Bandenkriminalität. Unbedarfte Touristen (auch Abenteuerrentner) leben gefährlich - und unter Umständen kurz. Keine Tourismusregion. Etwas kritischer dürften SPON-Artikel schon sein. Selbst vom großen Eigenvermarkter Michael Martin, den ich sonst sehr schätze.
ms66 04.05.2014
4. kann mich @jacobwhite nur anschliessen
schon bei der ersten Ausgabe dieser "Artikelserie" habe ich mich gefragt, wo denn nun der Unterschied der Fotos zu meinen, zugegeben wirklich hobbymäßig daherkommenden Urlaubsbildern ist ? Trotz Preisen für Lebenswerk und Geo-Reportage, die hier abgebildeten Bilder sind unterer Durchschnitt, und sind alle schon vor Jahrzehnten von durch die Wüste reisenden Studienräten gezeigt worden. Wenn sich der Spon schon bemüht besondere Bilder aus einer brisanten Region zu zeigen, möchte ich hier die Relevanz des gezeigten auch erkennen. Tut mir leid aber so wird das nichts!
dee_jott 04.05.2014
5. Alles recht und schön...
...aber wenigstens um den Sensordreck hätte man sich mal kümmern können. Das wertet die Bilder schon sehr ab, tut mir leid.
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